Mohammed Wattad will auch die Seele heilen

Gefragt nach seinem Hobby, stellt Dr. Mohammed Wattad zwei BVB-Figuren im gelb-schwarzen Trikot auf den kleinen Gesprächstisch seines Büros, die ihm, dem Fan und Heimspiel-Besucher von Borussia Dortmund, ein Patient aus Dankbarkeit und Sympathie zu Weihnachten geschenkt hat.

Am Revers seines weißen Arztkittels trägt er das Goldene Kronenkreuz. Die höchste Anerkennung und Wertschätzung der Diakonie der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde ihm für seinen Einsatz verliehen. „Zur Ehre Gottes haben Sie sich in den Dienst am Menschen nehmen lassen … „ so heißt es in der Urkunde.

Der Ehrungen nicht genug. Für 25-jährige Mitarbeit zeichnete ihn die Geschäftsführung des Evangelischen Krankenhauses in Werden aus. Dr. Mohammed Wattad ist seit neun Jahren Leitender Oberarzt mit den Spezialgebieten Hämatologie, Internistische Onkologie. Er leitet zugleich die Stammzellentransplantation, die er aufgebaut hat.

Ein komplizierter Prozess. Nach der Gewinnung der Stammzellen werden sie im Labor verarbeitet, bei minus 196 Grad gelagert und später an den Patienten zurückgegeben. Er will nah am Patienten sein, die persönliche Behandlung der Leukämie- und Lymphdrüsen-Kranken ist ihm wichtig. Zusätzlich koordiniert er die Tätigkeit von zehn Mitarbeitern. Von Ärzten, Laboranten, Krankengymnasten und Psycho-Onkologen. Zusammen gearbeitet wird in einem Netzwerk mit Ärzten und Krankenhäusern von Wesel bis Recklinghausen.

Von besonderem Wert und großer Bedeutung ist dem 52-Jährigen eine ganzheitliche und umfassende Betreuung, „die sich nicht nur auf die medizinische Heilung des Körpers beschränkt, sondern auch auf die der Seele, die es zu entlasten gilt, und die das gesamte soziale Umfeld des Erkrankten beinhaltet.“

Mohammed Wattad: „Es geht mir darum, und da kümmere ich mich auch selber, die Betroffenen, die ja meistens vor ihrer Krankheit keinen Plan B hatten, wieder zurück auf die Lebensspur zu bringen, ihnen bei der Wiedereingliederung in den Beruf und im Umgang mit Familie, Freunden und Verwandten beiseite zu stehen.“

So vermittele er auch schon Mal eine Bankberatung, wenn der Patient kurz zuvor ein Haus gebaut und ein Darlehen aufgenommen habe und sich frage: „Wie soll ich das jetzt alles schaffen?“

Wie er die tägliche Berührung mit lebensbedrohlich erkrankten Menschen verkrafte und bewältige, wird Mohammed Wattad auch oft privat gefragt. „Ich empfinde diese Besonderheit als Bereicherung und Privileg. Es hilft mir, Wichtiges von weniger Wichtigem zu trennen, sensibilisiert mich im Zusammenleben mit meiner Familie und bei der Begegnung mit anderen - gleich, wer sie sind und woher sie kommen“.

Bereicherung und Privileg

„Blut geleckt“ wie er es nennt, und auf den „Geschmack des Blutes“ ist er damals als Assistenzarzt der Hämatologie durch seinen ehemaligen Chef, Professor Heit, gekommen. Blut sei eine „faszinierende Materie“, unser „Lebenselixier“, das er umfassend „kennenlernen und erforschen“ wollte. Es sei auch unterschiedlich, ob es sich um ein Organ- oder Blutkrebs handele, weil der den ganzen Körper eines Menschen betreffe, betont der Heidhauser.

Sein medizinisches Vorbild Professor Heit und seine Ehefrau Doris, mit der er drei Töchter hat, waren die Beweggründe, in Deutschland eine zweite Heimat zu finden. „Ich bin palästinensischer Israeli“ betont Wattad, der bewusst die beide konträren Gebiete zusammenfasst. „Der Friede ist nicht durch die hohe Politik zu erreichen, sondern nur auf der Ebene des einfachen Zusammenlebens“ betont er, der in Israel mehr als 500 Verwandte hat und als Jugendlicher seinen Großvater, der quasi der Dorfmediziner war, oft bei seinen Patientenbesuchen begleiten durfte.

Wie er sich fühlte im Gottesdienst bei der Verleihung des Goldenen Kreuzes der Diakonie in der Kapelle des Huyssenstifts? Für den Moslem Mohammed Wattad kein Problem: „Allah ist der arabische Name für Gott, und mir kommt es auf die Menschlichkeit im täglichen Zusammenleben an.“

Besonders wichtig ist ihm das Zusammenleben mit seiner Frau Doris. Sie ist Diplom-Pädagogin, examinierte Krankenschwester und freiberufliche Mitarbeiterin in der geriatrischen Forschung.

Was sie ihren Töchtern mit auf den Lebensweg gegeben haben: „Begegne den Menschen freundlich, denn du triffst sie meistens nicht nur einmal.“

Mohammed Wattad: „Und wenn sie mal in die gleiche Situation kommen sollten wie unsere Patienten, wünsche ich mir, dass sie so behandelt werden wie in der vierten Etage des Evangelischen Krankenhauses in Werden.“