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Strategieprozess

Essen 2030 - Mobil sein für die Stadt der Zukunft

23.11.2012 | 14:00 Uhr
Essen 2030 - Mobil sein für die Stadt der Zukunft
Andreas Wiesel setzt aufs Fahrrad.Foto: Ulrich von Born

Essen.   Andreas Wiesel aus Borbeck setzt aufs Fahrrad – so wie viele, die sich im Internet am Strategieprozess „Essen.2030“ beteiligt haben. Wir haben die elf beliebtesten Online-Beiträge zusammengefasst.

„Radwege sind eine lohnende Investition“, da ist sich Andreas Wiesel sicher. Der 48-Jährige wohnt in Borbeck, ist verheiratet und Vater. Und er ist einer mit Visionen, die andere Bürger gut finden – so gut, dass sie seine Idee „Radwege als Verkehrsadern der Zukunft im Ruhrgebiet“ bei der Online-Beteiligung von „Essen.2030“ auf Platz eins gewählt haben. „Bringen Sie Ih­ren Vorschlag zum OB“, hießt es dort. Und genau das hat er gemacht, zusammen mit den zehn Essenern, deren Visionen für die Stadt der Zukunft auf Platz zwei bis elf landeten. Andreas Wiesel hat beim Frühstück vom Strategieprozess erfahren, „übers Radio, da hab’ ich mich sofort an den Computer gesetzt und mitgemacht“. Was er von Essen.2030 hält? „Von der Idee her finde ich das ganz gut, denn der Bürger bekommt ein Mitspracherecht. Es ist wichtig, dass am Ende etwas davon umgesetzt wird“, so Wiesel. Dass sein Beitrag mit nur 35 Zustimmungen auf Platz eins landete, sieht er mit einer gewissen Skepsis. „Da ist in der Kommunikation wohl einiges falsch gelaufen. Es ist nicht klar gemacht worden, dass die Bürger die Ideen bewerten sollen.“

Die Stadt zählt seit Beginn der Online-Beteiligung im September 66.889 Seitenaufrufe auf ihrer In­ternetseite www.essen2030.de, davon 6974 zeitintensive Besuche. 396 Gäste haben sich angemeldet und 590 Kommentare zu den 937 veröffentlichten Beiträgen verfasst. 1525 Mal haben sie auf „zustimmen“ geklickt und so ihre Lieblingsbeiträge nach oben in die „Top 30“-Liste gewählt. Um sich für den Einsatz der Bürger zu bedanken, hat OB Paß die Autoren der elf beliebtesten Beiträge zum „Kaffeegespräch“ ins Rathaus eingeladen, um ihre Ideen mit ihnen und Experten von „Essen.2030“ zu diskutieren. Wie es nun mit den Vorschlägen weitergeht? „Wir werten sie im Berater- und Steuerungskreis weiter aus und schauen, was wir umsetzen können. Ein Anspruch darauf besteht aber nicht“, betont Projektleiter Günter Berndmeyer.

Im Rahmen der Beteiligungsphase sind 3227 Vorschläge eingegangen – online und im „Dialog-Bus“. Berndmeyer: „Wir wollen, dass daraus Projekte entstehen, bei denen sich alle einbringen – die Wirtschaft, die Stadt, die Uni und weitere Partner. Es geht nicht nur darum, dass am Ende alle Geld geben, sondern dass sie mitmachen.“ Die NRZ hat die elf beliebtesten Online-Beiträge zusammengefasst:

1. Radwege als Verkehrsadern

Die Stadt müsse mit der E-Bike-Entwicklung gehen, das Radwegenetz ausbauen und die Landschafts- und Industriekultur per Drahtesel erfahrbar machen. „Eigentlich ist es kein Vorschlag, sondern ein Appell“, sagt Wiesel. Radwege als „die“ Verkehrsadern der Zukunft im Ruhrgebiet zu entdecken, das ist sein Impuls für „Essen.2030“. Dass die Stadt die Stelle des „Fahrradbeauftragten“ streichen will, um Geld zu sparen, findet er erschreckend. Sein Rat an die Stadtspitze lautet daher: „Überdenkt das noch einmal.“

2. Vorfahrt für Bus und Bahn

Online-Teilnehmer „Gast“ schlägt vor, mehr Ampeln so zu schalten, dass sie Bus und Bahn Vorfahrt gewähren. Freiflächen sollten zu Busspuren umgebaut werden, vor allem an Kreuzungen. „Wird dem öffentlichen Nachverkehr (ÖPNV) nicht bald mehr Vorrang eingeräumt, erstickt die Stadt im Stau und den Abgasen des Individualverkehrs.“

3. Mehr Raum für Radfahrer

„Dronegnome“ ist es oft zu gefährlich, Radwege zu nutzen, außerdem gebe es zu wenige: „Teilweise muss man selbst als Radfahrer auf den Bürgersteig ausweichen.“ Die Stadt müsse Spielstraßen ausweisen, alte vergrößern und Rechts-vor-Links-Kreuzungen und Tempo-30-Zonen schaffen. Breitere Bürgersteige und Radwege seien notwendig.

4. Ein Technorama in Essen

„Stubo-e“ will ein Konzept aus der Schweiz kopieren, das „Technorama“ – eine Erlebniswelt, die sich mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik beschäftigt. Er schlägt vor, so etwas in einem „funktionellen und bezahlbaren Gebäude“ unterzubringen. Physikalische Phänomene und Erlebnis-Experimente sollen die Besucher dorthin locken. Es müsse dort ein Ausbildungslabor für Schulen geben.

5. Lebenslanges Lernkonzept

Das Bildungsbüro als Koordinati­onsstelle auszubauen und Anforderungen des lebenslangen Lernens besser zu integrieren, fordert der Verfasser „Bildungsmetropole“ und schlägt vor, dass Experten der verschiedenen Bereiche koordiniert zusammenarbeiten, um Unternehmen, Arbeitnehmer, Kinder und Eltern stärker für Bildungsangebote zu begeistern, Wege zu verkürzen und Räume dafür zu schaffen, Bildungsangebote eng am Bedarf auszurichten, zu vermarkten und entdeckbar zu machen. Dazu seien „Kraft, Vernetzung, Öffentlichkeit und Weitblick“ notwendig.

6. Baden im Baldeneysee

Unabhängig von sozialen Hintergründen, Bildung und Alter ziehe es viele Essener zum Baldeneysee, besonders im Sommer. „Nur schwimmen darf man offiziell nicht darin“, beklagt „Gast“. Dies sei eine „vergebene Chance in Hinblick auf den Freizeitwert und die Lebensqualität der Stadt“. Dies müsse sich ändern.

7. Grenzenloser ÖPNV

Den ÖPNV über Stadtgrenzen hinweg besser zu vernetzen und das Radwegenetz weiter auszubauen, regt „Stadtentwicklerin“ an. Sie rät, mehr Radwege an Hauptverkehrsstraßen zu errichten und nicht nur in städtischen Grünanlagen.

8. Kein Vorrang fürs Auto

Die Bevölkerung wird immer älter, auch in Essen. Daher schlägt „Makrone“ vor, mehr abgeflachte Bürgersteige, Rampen, Aufzüge und sichere Radwege zu errichten sowie das ÖPNV-Angebot zu verbessern. Und fordert: „Denkt bei der Verkehrsplanung weniger an Auto-Optimierung und mehr an Mobilitäts-Optimierung für verschiedene Verkehrsteilnehmer.“ Fließt Geld von Land und Bund für den Bau einer Kreuzung oder eine Straßensanierung , „baut Radwege, abgeflachte Bürgersteige und Grün direkt mit ein“.

9. Mobilität verbessern

Gudrun Lethmate beklagt, dass sie mit dem Auto viel schneller bei ihrer Arbeitsstelle ist als mit dem ÖPNV, selbst zu Stoßzeiten. „Ich wünsche mir eine höhere Taktung, bessere Anschlüsse, mehr Busse und längere Bahnen zur Hauptverkehrszeit und bessere Möglichkeiten zur Radmitnahme. Das geht morgens in vollen S-Bahnen gar nicht.“

10. Mobilität der Zukunft

Wolfgang Weidtmann schreibt: „Essen sollte sich vom Ziel der autofreundlichen Stadt verabschieden. Autofreundlich ist gleichbedeutend mit menschenfeindlich.“ Das Mobilitätsangebot der Zukunft solle auf optimale Angebote für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV ausgerichtet sein. Das sei optimal für den Klimaschutz und würde – im Straßenverkehr – Menschenleben retten.

11. Streetart Tunnelpark

Im Westen trifft man auf Tunnel in allen Größen und Formen, hervorgebracht von der Dichte an Eisenbahnstrecken in der hügeligen Landschaft. „Ich fänd’s klasse, wenn das triste Grau der hohen Tunnelwände schöner Streetart weichen würde“, schreibt „Ruhridee“. Dies solle kein Aufruf zum Vandalismus sein, sondern ein Gedankenanstoß, mehr legale Sprayflächen auszuweisen. Essens Szene biete Potenzial. Und womöglich „einen neuen Michelangelo“.

Pascal Hesse

Kommentare
25.11.2012
12:04
Essen 2030 - Mobil sein für die Stadt der Zukunft
von osis | #6

Tja, Sind die Bürger weiter als die Politik. Ein Schritt wäre ja auch in der City, die Autos rauszudrängen. Weil die Kolonnen die auf der Suche nach...
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