Mit Medienkunst Richtung Mond

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen, lautet eine gern zitierte Empfehlung des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt. Andererseits ist aber auch so eine Medienkunstmesse gar kein schlechter Ort, seinen Illusionen und Idealen nachzugehen. Einige dieser Träumer, Utopisten und Vorstellungskünstler haben die Veranstalter Silvia Sonnenschmidt und Thomas Volkmann also zur 9. Auflage der Comtemporary Art Ruhr, kurz C.A.R., aufs Welterbe Zeche Zollverein gebeten. Dort trifft man vom 29. bis zum 31. Mai nicht nur Fotografen, Performer und Installations-Künstler, sondern auch eine Frau im Astronautenanzug: Lena Skrabs versteht ihre Mond-Mission als poetisches Plädoyer gegen zu viel rationale Selbstbeschränkung. „Utopien sind keine romantische Träumerei“, sagt Skrabs und sammelt derzeit fleißig für die Befreiung des Mondes von all den gehissten Nationen-Flaggen. Der Mond müsse nun mal Projektionsfläche für jedermanns Träume bleiben, lautet ihr Credo. Ihr kosmisches Crowdfunding kann man entweder zum Staunen oder zum amüsierten Kopfschütteln finden. Zehn Milliarden müssten am Ende aufs Konto fließen, 9000 gesammelte Euro sind bislang nur eine kleine Anzahlung aufs All-Abenteuer.

Lichtkunst fürs Sanaa-Gebäude

André Chi Sing Yuen will nicht zum Mond, er will die Gesellschaft mit Kunst verändern. Für den Anfang genügt ihm das Sanaa-Gebäude auf Zollverein, das er zum Auftakt der C.A.R. in ein Lichtkunstwerk verwandeln wird. Yuen ist nicht nur viel in der Welt rumgekommen, er trägt auch viel Welt in sich. Der Künstler, der bei der documenta in Kassel, bei der Biennale in Venedig oder auf der Kölner „Art fair“ zu sehen war, paart asiatische Wurzeln mit Dortmunder Multikulti-Selbstverständlichkeit und mit dem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys. Die soziale Skulptur hat für ihn Zukunft.

Was wiederum zu den Plänen eines Skulpturen-Festivals passt, das in diesem Jahr schon mal Vorboten schickt und 2016 auf Zollverein parallel zur C.A.R. weiter Fuß fassen soll. Dann gilt es auch das zehnjährige Bestehen dieser Medienkunst-Messe zu feiern, die sich mancher organisatorischen und finanziellen Widrigkeit zum Trotz durchgesetzt hat. Die C.A.R. sei inzwischen ein „fester Bestandteil von Zollverein“, sagt Delia Bösch, Sprecherin der Stiftung Zollverein, die gestern auch viel Lob für das Durchhaltevermögen der beiden Messe-Macher Sonnenschmidt und Volkmann hatte. „Die C.A.R. hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.“ Diese Entwicklung kann man vom 29. bis 31. Mai auf unterschiedlichen Ebenen sehen. Es gibt wiederum eine Plattform für Kunsthochschulen und eine Kooperation mit der Folkwang-Universität der Künste. Im C.A.R.-Camp sollen Vertreter der Kultur- und Kreativwirtschaft in NRW Vernetzung üben, während die Kooperationen mit zeitgenössischen rumänischen Künstlern und Gästen aus Südkorea schon Tradition hat.