Mit der Hespertalbahn durch Essen-Kupferdreh

Alte Essener Bahnhöfe. Teilweise mit neuer Funktion. Außenansichten Aufgenommen am Dienstag, 16. April 2013. Bahnhof Kupferdreh - „Lukas“, Prinz-Friedrich-Straße 1 Foto: Daniel Schreckenberg
Alte Essener Bahnhöfe. Teilweise mit neuer Funktion. Außenansichten Aufgenommen am Dienstag, 16. April 2013. Bahnhof Kupferdreh - „Lukas“, Prinz-Friedrich-Straße 1 Foto: Daniel Schreckenberg
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Was wir bereits wissen
Die Hespertalbahn ist ein liebenswertes Relikt aus der Zechenzeit an der Ruhr, der alte Bahnhof kündet vom früheren Stilempfinden der Bahn. Ansonsten ändert sich Kupferdreh gerade am See stark.

Essen.. Es ist ein lauer Sommertag, Berufsverkehr jagt über die A44, fast geräuschlos rollt die S-Bahn die Aufständerung zum neuen Hochbahnhof Kupferdrehs hinauf. Fast 50 Millionen Euro investierte die Stadt in den Bahnhof, der Herzstück des ambitionierten Stadtteilerneuerungsprojektes ist, das den See näher zu den Menschen im Quartier bringen soll. Nun lassen sich Häuser nicht versetzen noch Seen, aber immerhin verschwand die trennende Bahnlinie aus dem Stadtteil – in die Höhe. Damit ist der Seezugang über neu angelegte Spazier- und Radwege durchs Grün frei.

Wie es einst war im Zechenstadtteil am See, erahnt man trotz verlegter Straßen und Bahnwege nur wenige Meter weiter am „Lukas“. Die Gastronomie residiert im 1898 erbauten „Königlich Preußischen Bahnhof zu Kupferdreh“. Doch rollten dem Bahnhof jüngst die Museumszüge davon. Gaben die dampfenden Loks noch in der vergangenen Saison vor dem Lukas ein stimmiges, ein stilechtes Bild ab, so ertönt nun das Abfahrtsignal der Züge von der anderen Seite der Straße „Kampmannbrücke“. Dort haben die Museumszug-Freunde einen neuen Bahnsteig bekommen, ein neues Kassenhäuschen, einen neuen Lokschuppen, der noch Stahlgerippe ist und bald Werkstatthalle und Garage sein wird. Alles neu, bis auf die liebevoll restaurierten Züge, die - zumeist an Sonn- und Feiertagen - über die alte Trasse der Hespertalbahn rollen. Einst diente die Strecke dem Kohlentransport der Zeche Prinz-Friedrich.

Häuser und Wohnungen werden Seeblick haben

Erhalten und aufwendig saniert sind die alten Werkstatt-Backsteingebäude der Zeche, Gewerbe hat sich drum herum angesiedelt – und bald auch Anwohner. Denn seit Wochen kreisen im Hintergrund der Zechengebäude Kranausleger über einem riesigen Baufeld. Seeblick werden alle Häuser und Wohnungen haben, was ein Grund dafür sein mag, dass es längst Interessenten für sie gibt. Eine beliebte Wohnlage – in einem, wenn nicht dem beliebtesten, Naherholungsgebiet der Stadt. Tausende Menschen kommen bei schöner Witterung täglich an den See und zunehmend auch nach Kupferdreh, in dem in einem Radius von rund 200 Metern Stadterneuerung stattfindet. Parkplätze gibt es für Inline-Skater und Radler, die ihre Touren am Wasser entlang dort starten.

Gastronomische Betriebe, bei denen sich nett am See verweilen lässt. Und nicht zuletzt gibt es den neuen Bahnhof Kupferdreh – der schön sein könnte, könnten sich Bahn und Stadt einigen. Ein Fußballfeld groß ist die Schotterfläche am Bahnhofszugang, nahe dem künftig Busse ihren neuen Haltepunkt haben sollen. Wie der Streit ausgeht, ist offen. Fest steht hingegen: Für Ausflügler ist der Stadtteil ungleich attraktiver geworden.

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