Mit dem Rad von Essen nach Bristol zum Finale der „Grünen Hauptstadt“

Nils Hoffmann auf „Dienstreise“ nach Bristol. Die Kosten trägt er übrigens selbst, denn die Evag muss sparen
Nils Hoffmann auf „Dienstreise“ nach Bristol. Die Kosten trägt er übrigens selbst, denn die Evag muss sparen
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Evag-Sprecher Nils Hoffmann ist mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Bristol, wo Essen sich um den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ bewirbt.

Essen.. Es sind noch 20 Meilen bis zum nächsten Etappenziel, als wir Nils Hoffmann am Telefon erreichen. Der Pressesprecher der Essener Verkehrs-AG (Evag) gönnt sich bei einem Zwischenstopp in einem Fahrradladen in der Ortschaft Thatcham eine Tasse Kaffee. „Wie es mir geht?“, wiederholt Hoffmann die Frage des Reporters. „Die Beine tun mir tierisch weh.“

Wen wundert’s? Es ist der fünfte Tag einer Reise, die den Radsport begeisterten Evag-Sprecher von Essen nach Bristol führt. In der amtierenden „Grünen Hauptstadt Europas“ greift Essen am Mittwoch nach dem Titel – mit Nils Hoffmann als radelndem Botschafter.

700 Kilometer von Essen bis Bristol

Es war eine dieser spinnerten Ideen, als einer aus der Runde im Rathaus, die Essens Auftritt in Bristol vorbereitet, die Frage stellte: Wie kommt man da möglichst ökologisch hin? „Mit dem Fahrrad“, warf Nils Hoffmann in die Runde. Fortan gab es für den 52-Jährigen, der in seinem Urlaub gerne mal Etappen der Tour de France nach fährt, kein Zurück mehr.

700 Kilometer sind es von Essen bis Bristol. 700 Kilometer in sechs Tagen - das darf man anspruchsvoll nennen auch für jemanden, der gerne und regelmäßig in die Pedale tritt. Drei Tage braucht Hoffmann bis zur Kanalküste. In Flandern bläst ihm der Gegenwind so heftig ins Gesicht, dass er beinahe die Fähre in Dünkirchen verpasst. Jenseits des Ärmelkanals geht es auf und ab, mit Steigungen von bis zu 18 Prozent! Im Großraum London ist der Empfang typisch britisch: Nebel zieht auf, Nieselregen begrüßt den Gast aus Germany. Kilometer um Kilometer führt der Weg vorbei an uniformen Reihenhäusern. Hoffmann hat keine Touristen-Route gewählt, sondern den kürzesten Weg bis ans Ziel. Die Beschilderung dorthin beschreibt er als abenteuerlich. Radwege sucht er vergebens. Von wegen fahrradfreundlich! „Ihr hättet viel zu schreiben“, sagt Hoffmann.

„Grüne Hauptstadt“ ist ein Zukunftsentwurf

Als Mitglied der Essener Delegation wird er der Jury in Bristol berichten, wie es sich im Ruhrgebiet Rad fährt, wie es weitergeht mit dem RRX und mit der Verlängerung der Straßenbahnlinie 109 vorbei am Hauptbahnhof. Die „Grüne Hauptstadt“ ist eben ein Zukunftsentwurf. Auch wenn aktuell einiges daraufhin deutet, dass die Stadt aus finanzieller Not beim Nahverkehr den Rückwärtsgang einlegen muss. Auf Nils Hoffmann wartet in Bristol also ein anspruchsvoller Schlussspurt.

Eine Tagesetappe ist es noch bis Bristol. Eine Frage bewegt wohl jeden Freizeitradler: Was hilft gegen einen wunden Hintern? „Eine gepolsterte Radlerhose und Gesäßcreme. Die hält drei Stunden. Der Rest sind Schmerzen.“ Ob es das wert war, weiß Hoffmann am Donnerstag gegen 13 Uhr, wenn es in Bristol heißt: „Green Capital 2017 is. . .“