Mit dem Großraumtaxi zur Gala auf die andere Ruhrseite

Heisingen..  Als ein besonderer Diamant in der Krone des Werdener Karnevals funkelten früher die beliebten Maskenbälle, deren Atmosphäre von den malerischen Winkeln und engen Gassen dieses Städtleins zweifellos begünstigt wurden.

Ein an längst vergangene Zeiten erinnernder Zauber verbreitete sich, wenn nach Eintritt der Dunkelheit vermummte Gestalten eilenden Schrittes vorbeihuschend den Balllokalen zustrebten, schreibt ein Chronist.

Schöne gute alte Zeit. Aber die ist vorbei. Jahrzehntelang fand sich die 1. Große Karnevalsgesellschaft Völl Freud zu ihrer Gala-Sitzung im Hespertal ein. Doch Inhaber Kruse hat sein Lokal geschlossen, mit den Domstuben klappte es nicht.

So nahm man den Pfarrsaal St. Georg in Heisingen in Augenschein und betrat Neuland. Kommen denn die Werdener zum Feiern auf die andere Ruhrseite? „Aber ja, wir waren umgehend ausverkauft“ sagte erstaunt Sigrid Notthoff, 1. Vorsitzende. Und die Gäste trafen auf Räumlichkeiten, eine Bühne und einen Service vom Allerbesten. Siggi Kern, Dieter Sies und Heinz Voss bedankten sich per Handschlag beim Team für die vorzügliche Bedienung. Sie waren zu Sieben mit einem vorher bestellten Großraum-Taxi gekommen, zu einem Preis von 70 Euro für Hin- und Rückfahrt.

„Karneval – Wie geht das?“ lautet ein Standardwerk. Den Karnevalsjux und die fünfte Jahreszeit hat Völl Freud schon lange verinnerlicht, vom Aufmarsch über den Wagenbau bis zur Zugteilnahme am Rosenmontag. „Karnevalisten suchen Nachwuchs“ heißt es aktuell. Die traditionsreiche 85-jährige Gesellschaft macht sich keine Sorgen. Sie wird für ihre lange und anerkannte Jugendarbeit mit öffentlichen Mitteln gefördert. Und Ehrenpräsident Werner Katz wurde nicht umsonst dafür mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Begeisternd das Tanzmariechen Fee, die Juniorengarde mit ihrem Schautanz, der Paartanz und der Gardetanz der Großen Tanzgarde.

„Das ist Akrobatik, Hochleistungssport und gehört in die Königsklasse“ lobte auch Co-Moderator Sascha Beier. Der ist 2. Vorsitzender, Vizepräsident, Fanfarencorpsleiter und präsentierte mit seiner Mannschaft in einem Bühnenspiel Stimmungslieder der feinen Art. Der 23-Jährige empfindet Völl Freud als eine „große Familie“.

Karneval ohne Ehrenamt geht nicht. Schatzmeisterin Monika Meck ist 66 und seit 31 Jahren dabei. „Ich freue mich darüber, wenn wir zusammen etwas auf die Beine stellen.“ Karin Förster-Kirch gehört dem Verein 17 Jahre an, ist Zeugmeisterin, Bühnenbaumeisterin, Marketenderin und sitzt im Elferrat. Sie nähte die Nonnen-Kostüme für den Spätlese-Auftritt. Mit dem eigenen Völl Freud-Song endete auf der Bühne die erste Galasitzung auf der anderen Ruhrseite.