Migrantenvereine hängen in der Warteschleife

Die alte Schule Heßlerstraße 208-210.
Die alte Schule Heßlerstraße 208-210.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die fünf Migrantenvereine und das Awo Jugendwerk Essen können zunächst aufatmen. Voraussichtlich bis Anfang 2016 bekommen sie eine Galgenfrist.

Essener Norden/Altenessen.. Die fünf Migrantenvereine und das Awo Jugendwerk Essen können zunächst aufatmen. Voraussichtlich bis Anfang 2016 bekommen sie eine Galgenfrist für den Verbleib in ihren Räumlichkeiten in der alten Schule Heßlerstraße 208-210. Eigentlich hätten sie zur Mitte dieses Jahres ihre Heimat räumen müssen. Eine neue Unterkunft haben sie immer noch nicht gefunden. Die Zeit wird knapp. Ideen sind vorhanden.

Es ist eine Hängepartie, die mittlerweile allen Beteiligten an die Nieren geht. Seit Mitte 2012 suchen die Selbsthilfe-Vereine. Die Stadt will Schule und Turnhalle abreißen und das Gelände als Bauland vermarkten. Bis zu 45 Einfamilienhäuser sollen Geld in die leere Kasse spülen. Seitdem starteten die Vereinsvertreter wahre Odysseen, um sich verschiedenste Alternativen anzuschauen Zuletzt scheiterte die Ellernstraße 29 an einer Finanzierungslücke von rund 14.000 Euro.

„Natürlich drückt das auf die Stimmung der Vereine. Die Frage, ob und wie man sich engagieren soll, stellt sich hier jede Woche neu“, gab Frank Bente, Geschäftsführer des Kreisjugendwerks der Awo, auf einem Info-Treff mit Politik, Verwaltung und Vereinen einen Blick in das Innenleben Heßlerstraße. Das Kreisjugendwerk betreibt hier zusammen mit dem Forum der Russlanddeutschen in Essen den Jugendclub „H21-Zero“. Neben dem Forum nutzen der Slowenische Kultur- und Sportverein Bled, der Türkische Elternverband Essen, die Türkische Gemeinde Rhein Ruhr und ein weiterer türkische Kulturverein das Haus. „Ich schätze, dass mit Vereinsmitgliedern und Gästen im Jahr rund 3000 Menschen zur Heßlerstraße kommen“, so Muhammet Balaban, Vorsitzender des Verbundes Essener Immigrantenvereine.

Bleiben, bis für alle Lösung gefunden ist

Da ist guter Rat nicht nur teuer, sondern – so die Stadt – nicht möglich. „Wir können nichts anbieten, wir haben keine geeigneten Immobilien mehr“, so Stefan Schulze, Pressereferent der Stadt. Seit längerem läuft alles gegen die Migranten. Erst war es die Einrichtung von zahlreichen Kitas in der Stadt, nun sind es Flüchtlingswelle und wieder steigender Bedarf bei Grundschulen. Frank Bente: „Wir gehen nicht davon aus, dass alle Vereine gemeinsam unterkommen. Wir wollen aber bleiben, bis für alle eine Lösung gefunden ist.“

An einer Heimat für zumindest drei Vereine arbeiten gerade die Russlanddeutschen. „Wir sind in Gesprächen mit der evangelischen Gemeinde Altstadt“, berichtet Igor Wenzel, Vorsitzender der Russlanddeutschen, von der Zwinglistraße 26. Ein Konzept sei geschrieben, auch ein Antrag auf Förderung liege beim Bundesamt für Migration in Nürnberg vor. Denn mehr Geld als bisher, das unterstrichen nahezu alle Politiker, werde es nicht geben. Auch nicht für ein Kulturzentrum in der ehemaligen Hauptschule Karnap, das Friedrich Frentrop vom Essener Bürgerbündnis (EBB) noch einmal auf den Tisch brachte.

Klar aber ist in jedem Falle: „Die Zeit wird sehr knapp“, so Igor Wenzel. Dass Interessent Allbau bei der Bebauung des Geländes abgesprungen ist und die Fläche nach Beendigung des Bebauungsplanverfahrens noch vermarktet werden muss, kommt den Vereinen entgegen. Die Verwaltung warnt jedoch. Stefan Schulze: „Darauf soll man sich bitte nicht ausruhen. Es kann sein, dass es in 2016 an der Heßlerstraße schnell geht.“