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Migräne-Selbsthilfegruppe am Uniklinikum Essen bietet Hilfe für Betroffene und Angehörige

31.03.2011 | 18:00 Uhr
Migräne-Selbsthilfegruppe am Uniklinikum Essen bietet Hilfe für Betroffene und Angehörige
Hanne Seiltgen fand Hilfe bei der Migräne Selbsthilfe. Foto: Walter Buchholz

Essen.  Die Migräne-Selbsthilfegruppe am Uniklinikum Essen besteht seit fünf Jahren. Sie bietet Vorträge, Entspannungskurse und Erfahrungsaustausch für Patienten und deren Angehörige. Für manche Betroffene, wie Hanne Seiltgen, ist sie der einzige Lichtblick.

Sie sehe grau aus im Gesicht, hat ihre Kollegin morgens zu ihr gesagt. Müde Augen habe sie. Hanne Seiltgen fühlt es, alles ist so matt. „Ich denke, heute ist es das Wetter“, sagt Seiltgen. Seit 20 Jahren leidet die 60-Jährige unter Migräne-Attacken, auch heute. Dabei geht sie nie ein Risiko ein. Lebt gesund, meidet attacken-auslösende Lebensmittel, sucht Entspannung. „Da achtet man auf alles und bekommt trotzdem eine Schmerzattacke. Diese Unberechenbarkeit ist eigentlich das Schlimmste für mich“, fügt sie hinzu. Einen Lichtblick sieht sie aber doch – seit zwei Jahren besucht Seiltgen die Treffen der Migräne-Selbsthilfegruppe. Die Gruppe, vor gut fünf Jahren gegründet, feierte vor kurzem das Jubiläum.

„Anfangs haben wir die Treffen in meinem Wohnzimmer abgehalten“, blickt Gründungsmitglied Erika Dahmen schmunzelnd zurück. Doch die Betroffenenliste war so lang, dass die Gruppe weiter wuchs und bald für die monatlichen Treffen ins Westdeutsche Kopfschmerzzentrums am Uniklinikum wechselte. Immerhin hatte das Zentrum die Gruppe gemeinsam mit dem bundesweiten Dachverband „Migräne Liga“ initiiert. Mittlerweile treffen sich gut 30 Migräniker im Alter von 25 bis 70 Jahren zu Vorträgen, Entspannungskursen und Erfahrungsaustausch. Viele haben eine weite Anreise, sie leben in Witten oder Neuss. Dahmen ist heute noch dabei, als Gruppenleiterin. Und sie hat Pläne.

Jungen Betroffenen helfen

„Es ist noch nicht ganz spruchreif. Aber wir überlegen gerade, wie wir über die weiterführenden Schulen auch betroffene Jugendliche erreichen können“, erklärt Dahmen. Toll wäre es auch, wenn sich Eltern von erkrankten Kindern der Gruppe anschlössen. Denn leider seien viele Probleme geblieben: Gut drei Viertel aller Deutschen kennen Kopfschmerzen. Doch die meisten sehen sie als Bagatelle, die man mit rezeptfreien Medikamenten rasch in den Griff kriegt. Für die gut zehn Millionen Menschen, meist Frauen, die unter Migräne leiden, macht dieses Bild das Leben nicht leichter – weiß auch Seiltgen: „Man denkt dann jedes Mal, das ist doch eine Kleinigkeit und man müsse sich nur zusammenreißen. Auch manche Ärzte verbreiten dieses Bild.“ Doch damit kommt man der häufigsten neurologischen Erkrankung nicht bei.

„Der Schmerz geht nicht von alleine weg“, sagt Seiltgen, „Bei einer Attacke brauche ich sogenannte Triptane, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben. Das hält dann für zwölf Stunden. Wenn ich Glück habe, ist die Attacke dann vorbei.“ Am liebsten würde die 60-Jährige ohne Medikamente leben. Doch heilbar ist Migräne derzeit nicht. Nur die Symptome lassen sich lindern. Immerhin. Jahrelang hämmerten die Attacken auf Seiltgen ein, ohne das jemand die Migräne-Erkrankung überhaupt erkannte. Zig Ärzte hat sie konsultiert und entsprechend viele Behandlungsideen umgesetzt. Erst eine Urlaubsvertretung ihrer Hausärztin erkannte die Migräne und schickte sie zum Neurologen, ein Zufall.

Alles vermeiden

Jahrelang erduldete Seiltgen alles: Jedes Mal spielt zuerst ihr Magen nicht mehr mit. Essen kann sie noch, aber sie muss sich überwinden. Dann kommt der einseitige Kopfschmerz an Auge und Schläfe. Am liebsten würde sie eine Sonnenbrille aufsetzen, sich zurückziehen – jeden Geruch, jedes Geräusch, jedes Lichtfitzelchen ausblenden. Doch meist siegt die Übelkeit, bis hin zum Erbrechen. „Fatal ist es, wenn man sich zurückzieht. Man darf nicht alleine bleiben. Aber es gibt ja die Gruppe“, summiert Seiltgen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Westdeutschen Kopfschmerzzentrum des Universitätsklinikums Essen, Hufelandstraße 26 (2. Etage, Eingang Ladenspelder Straße). Die Teilnahme ist kostenfrei. Nicht nur Betroffene auch Angehörige wie beispielsweise Eltern von migränekranken Kindern sind willkommen – ohne Anmeldung. Weitere Infos: www.migraene-shg-essen.com oder beim Selbsthilfedachverband Wiese e.V. unter 20 76 76.

Anne Wohland



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