Metzelder tritt als Mäzen auf
12.06.2009 | 18:58 Uhr 2009-06-12T18:58:00+0200
Jonas ist zwölf Jahre alt und der eher untypische Kunstfreund: Bekleidet mit einem Fußballtrikot, bewaffnet mit einem Autogrammbuch hat er sich in die Borbecker Fußgängerzone begeben.
Dort wird an diesem Freitag die Skulptur „Männlicher Torso” von Waldemar Otto eingeweiht. Fragt man Jonas, ob er sich für Kunst interessiert, zögert er, als ob er über eine höfliche Antwort nachdenke, sagt: „Es geht so.”
Vielen anderen geht es an diesem Nachmittag wie Jonas, sie sind nicht wegen des dicken nackten Mannes gekommen - sondern wegen Christoph Metzelder. Der ist 194 cm groß, schlank und Fußballprofi bei Real Madrid. Lächelnd posiert er für Fotos mit Fans, beschriftet T-Shirts, Jacken, Unterarme. Es fügt sich, dass erst OB Wolfgang Reiniger redet, so dass Metzelder sich um die Autogrammwünsche kümmern kann.
Reiniger spricht denn auch von einem „Happening”, dessen Hauptperson ohne Zweifel Christoph Metzelder sei, „noch vor der Plastik”. Die nämlich hatte lange Zeit vor einer Galerie auf dem Kennedyplatz gestanden und diese Heimstatt verloren, als die Galerie umzog. An dieser Stelle der Kunst-Geschichte kommt nun noch nicht der Fußballer, wohl aber sein Onkel Klaus Metzelder ins Spiel. Der ist ein überzeugter Borbecker, hat überdies Kunst- und Familiensinn. Und so gewann er seinen prominenten Neffen dafür, a) die Skulptur zu erwerben und sie b) an der Borbecker Gerichtsstraße aufzustellen.
Für Klaus Metzelder ist klar, dass Waldemar Otto in der Champions League der Kunstwelt spielt, doch nicht jeder im Stadtteil hat ihm sein Engagement gedankt. Viele wünschten den „hässlichen Nackten” fort. Zur Einweihung hat „ein Borbecker Bürger” einen Zettel am Fuß der Skulptur angebracht: „Das Ding muss weg.” Kleinlich findet Robert Bull diese Forderung, er sei selbst Künstler und wisse, dass viele Leute Spaß an der dem Torso hätten. „Nein, das bleibt”, kritzelt er auf den Zettel.
Kunst im öffentlichen Raum sei eben ein schwieriges Thema, das sich nicht auf Gefallen oder Nichtgefallen verkürzen lasse, befindet Reiniger. „Wenn sich die Menschen hier so lebhaft mit Kunst auseinandersetzen, fördert das auch die Wahrnehmung des Stadtteils.” Dass auch Christoph Metzelder seine Popularität zu diesem Zwecke einsetze, sei besonders erfreulich.
Der Fußballer selbst tut das als selbstverständlich ab, er sei froh, dass die Skulptur nun in Borbeck stehe. „In der Stadt meiner Väter.” Genau genommen handelt es sich um die Stadt seines Vaters, der in Borbeck geboren ist. Sohn Christoph wuchs in Haltern auf, war aber oft bei den Großeltern zu Besuch. Auch wenn er heute nach Deutschland komme, besuche er die Familie in Borbeck. Dass der „Torso” dort provoziert, nimmt Metzelder, der einige Kunstwerke besitzt, gelassen. Im übrigen hat er mit den Schülern vom Don-Bosco-Gymnasium wachsame Paten für die Statue gewonnen.
0mitdiskutieren