Messerattacke: Das Opfer kommt mit Pistole ins Gericht

Die Polizeibeamtin, hier neben ihrem Anwalt Rudolf Esders, sagte am Mittwoch im Gericht aus. Dabei trug sie ihre Dienstwaffe.
Die Polizeibeamtin, hier neben ihrem Anwalt Rudolf Esders, sagte am Mittwoch im Gericht aus. Dabei trug sie ihre Dienstwaffe.
Foto: Ulrich von Born
  • Polizistin auf der Wache in Altenessen vom Festgenommenen am Hals verletzt
  • Bei ihrer Aussage vor dem Schwurgericht trägt sie ihre Pistole im Holster
  • Landgerichtssprecher betont: Klarer Verstoß gegen die Sicherheitsrichtlinien

Essen.. Sicherheitspanne im Landgericht: Im Prozess vor dem Schwurgericht um die Messerattacke auf eine Polizistin kam das Opfer der Tat am Mittwoch bewaffnet in den Gerichtssaal. Das Landgericht sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Sicherheitsrichtlinien, will der 24-Jährigen aber keine böse Absicht unterstellen.

Laut eigenem Geständnis hatte der Angeklagte Sebastian H. (32) die Beamtin am 14. Dezember 2015 auf der Altenessener Wache „erschrecken“ wollen und ihr hinterrücks ein Messer an den Hals gehalten. Nachdem sie sich befreit und mit dem Angeklagten auf dem Boden gelandet war, blutete sie aus einer Wunde am Hals.

Schusswaffe rechts im Holster

Seit Dienstag muss Sebastian H. sich vor dem Schwurgericht verantworten. Die Polizistin nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil, wird beraten von Rechtsanwalt Rudolf Esders. Der 76-Jährige hatte bis 2004 das Schwurgericht selbst geleitet. Sie zeigt in Uniform Präsenz. Dass sie am Mittwoch ihre Schusswaffe rechts am Gürtelholster trägt, fällt offenbar den übrigen Prozessbeteiligten nicht auf. Wenn der Angeklagte es gesehen hätte, dann muss er darauf vertraut haben, dass sein Opfer seelisch stabil ist. Doch Opfer sind oft psychisch labil. Hans-Georg Bothe, sein Verteidiger, hatte die Pistole nicht gesehen. „Sonst hätte ich ihr gesagt, sie soll sie schleunigst in den Schrank legen. Um jede Gefährdung auszuschließen.“

Polizisten dürfen bewaffnet ins Landgericht kommen: Wenn sie Zeugen sind oder aus dienstlichen Gründen auftreten, etwa um einen Prozess zu sichern. Wenn sie „in eigener Sache“ auftreten, hat die Waffe im Gericht aber nichts zu suchen, stellt Landgerichtssprecher Johannes Hidding auf Anfrage dieser Zeitung klar. „Das ist ein klarer Verstoß gegen die Sicherheitsrichtlinien“, sagt er. Den aktuellen Fall nimmt Landgerichtspräsidentin Monika Anders zum Anlass, in einem Schreiben an die Polizei erneut an die Sicherheitsrichtlinie zu erinnern.

Waffe ungeladen?

Den Justizmitarbeitern an der Sicherheitsschleuse am Eingang sei kein Vorwurf zu machen. Denn für sie sei es kaum zu erkennen, aus welchem Grund ein uniformierter Polizist das Gericht betrete.

Die Polizistin und ihr Anwalt sind am Nachmittag nicht mehr zu erreichen. Es heißt aber, die Waffe sei ungeladen gewesen. Aber warum führt man sie dann mit sich?