Messe Essen: Der Bauzeitplan ist das erste Opfer

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Die Bürgerbeteiligung in Sachen Messe ist gerade mal in Phase 1 bei der Unterschriftensammlung, da gibt es schon ein erstes Opfer. Der Bauzeitenplan für den Teilneubau ist offenbar so eng getaktet, dass die dreimonatige gesetzlich vorgeschriebene Handlungspause zur Verschiebung des gesamten Vorhabens um immerhin ein ganzes Jahr führt. Auf den ersten Blick klingt das pausibel. Neben Geld ist Zeit so ziemlich das, was die Messe am wenigsten hat. Und der Neubau ist eine Operation am offenen Herzen, müssen doch alle Messen auch während der dreieinhalbjährigen Bauphase irgendwie über die Bühne gehen. Das erfordert einen ausgeklügelten Baustellen-Plan, der selbst kleine Störungen nicht verzeiht. Und das Bürgerbegehren, so legitim es ist, wirkt wegen des Ausgabestopps wie eine solche Störung.

Die Grünen reagierten perplex auf die Nachricht der Verschiebung und sind auch wegen des irreführenden Slogans „Messe nicht um jeden Preis“ seit Wochen in der Defensive. Den „Staatstragenden“ unter den Grünen scheint langsam aufzugehen, welch gewaltige Verantwortung sie sich durch die Initiierung des Bürgerbegehrens aufgeladen haben. Hier geht es eben nicht um zwei Straßennamen ja oder nein, hier geht es um ein äußerst komplexes Vorhaben, an dem sehr viel hängt: Es geht um Arbeitsplätze, den Wirtschaftsstandort Essen und nicht zuletzt um bereits getätigte Investitionen in Millionenhöhe. Ein Abgang von Großmessen wie Equitana oder „Schweißen & Schneiden“ wäre extrem schädlich.

Messe Was auf dem Spiel steht, ist seit gestern also noch klarer. Allerdings: Auch die Messe muss sich fragen, ob sie derzeit ein vertrauenswürdiges Bild abgibt oder ihren Gegnern nicht vielmehr Munition liefert. Bisher hieß es im Brustton: „Bis zur Schweißen & Schneiden muss die neue Messe fertig sein.“ War das nur taktisches Geschwätz, geht es doch anders? Messe-Chef Egon Galinnis fehlt zudem das Gespür dafür, dass jeder seiner öffentlichen Sätze derzeit auf dem Seziertisch landet. Wenn Galinnis über das Für und Wider der „Galeria“ oder des Immendorff-Fensters schwadroniert, wenn es um das nicht ausfinanzierte Kongress-Zentrum geht, wenn neue Spekulationen um das Messehaus Süd hochkommen, dann sind all das zwangsläufig Themen. Das Erstaunen darüber ist naiv.

Die Kommunikation mit der Stadtgesellschaft ist und bleibt das große Problem bei der Messe. Und gerade jetzt wäre es so wichtig wie nie, jemanden zu haben, der souverän den Überblick behält, klar argumentiert und das Engagement der vielen Messe-Freunde zu bündeln vermag.