Messe: Die Grünen kriegen kalte Füße

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Was wir bereits wissen
Die Grünen haben alles getan, um den Weg zum Messe-Bürgerentscheid fast unumkehrbar zu machen. Auf den letzten Metern suchen sie nun den Notausgang aus ihrem strategischen Dilemma und hoffen darauf, dass CDU und SPD ihnen inhaltlich entgegenkommen. Wie das gehen soll, ist schleierhaft.

Langsam scheint den Essener Grünen aufzugehen, dass sie mit dem Messe-Bürgerbegehren so richtig glücklich wohl doch nicht werden. Wurde uns bis vor kurzem noch erzählt, die Bürger müssten bei einem strittigen Bauvorhaben dieses Volumens und vor dem Hintergrund der Haushaltslage auf jeden Fall direkt entscheiden, so waren die Töne gestern auffallend andere. Derart dringend wurde um einen Kompromiss geworben, fast konnte man den Eindruck gewinnen, niemand wäre glücklicher als die Grünen, wenn der Bürgerentscheid am 19. Januar doch nicht käme.

Wie das? Nun, die Grünen und mit ihnen mindestens einige der ihnen nahestehenden Vertretungsberechtigten sind in einem strategischen Dilemma, das indes schon seit Monaten bekannt ist. Verlieren sie den Bürgerentscheid, dann sind sie halt Verlierer. Gewinnen sie ihn aber, gerät die Messe in eine schwer kalkulierbare Lage, die existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann. Das fatale Signal in die Messebranche wäre: Essen kannst du vergessen. Folgen? Man weiß es nicht, Abwanderungen sind aber denkbar. In jedem Fall wären sieben Millionen Euro verloren, die für die Neubaupläne bereits ausgegeben wurden. All das klingt nicht sonderlich verlockend, und auch die Grünen möchten halt mehrheitlich ungern als Totengräber der Messe in die Stadtgeschichte eingehen, was ja für ihre Vernunftbegabung spricht.

Nur: Ein Bürgerentscheid ist inzwischen kaum noch aufzuhalten, denn worin soll eigentlich inhaltlich die Kompromisslinie bestehen? SPD und CDU, der OB sowieso, haben sich auf den Teilneubau der Messe festgelegt, und für die Vorarbeiten - wie erwähnt - bereits tief in die Tasche gegriffen. Es ist naiv zu meinen, ein paar gutgemeinte Gespräche würden sie davon abbringen. Und warum auch? Natürlich ist der eingeschlagene Weg ein Risiko. Aber, und das ist der springende Punkt: Auch die Grünen und die Initiatoren des Bürgerbegehrens können nicht beweisen, dass ihre Vorstellungen richtig sind. Einen Plan B gibt es nicht, ihn zu entwickeln kostet weiteres Geld und viel Zeit. Und ob das dann eine Lösung wäre, zu der alle freudig Ja sagen könnten, ist unwahrscheinlich. Dazu ist die Messe-Materie viel zu kompliziert.

Die Messe ähnelt einem Treck, der auf dem Weg zum anderen Flussufer schon etliche Meter im Wasser zurückgelegt hat. Die Grünen wollen nun mitten im Strom die Pferde wechseln, nehmen dabei sehenden Auges hin, dass ein großer Teil der Ladung über Bord geht. Für mich klingt ein solch abrupter Wechsel noch um einiges riskanter als das Durchhalten.

Aber lasst die Essener das doch jetzt einfach entscheiden. Am 19. Januar 2014.