Meisterschaft am Bettelstab
03.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-03T00:00:00+0200Für die Ausrichtung der Kanupolo-EM 2009 auf dem Baldeneysee gibt die Stadt keine Ausfallbürgschaft. Jetzt wackelt die Veranstaltung. Der Sportbund warnt vor dem Abwandern attraktiver Sportereignisse
Den Zuschlag hat der Essener Kanu-Sportverein Rothe Mühle in der Tasche, doch Anlass zum Jubeln gibt es hinsichtlich der Kanupolo-Europameisterschaft 2009 auf dem Baldeneysee noch lange nicht. Die Stadt hat sich aus der finanziellen Unterstützung hochkarätiger Sportveranstaltung zurückgezogen. Espo-Chef Wolfgang Rohrberg prophezeit deshalb eine Verödung der Sportstadt Essen: "Auf Sicht werden wir so viele attraktive Veranstaltungen verlieren."
Anlass der Diskussion: Im Sportausschuss wurde eine vom Verein beantragte Ausfallbürgschaft der Stadt in Höhe von 25 000 Euro abgelehnt. Vereinsvorsitzender Jürgen Konrad ist besorgt und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. An einer weiteren EM 1997 im Grugabad sowie der WM 2002 habe sich die Stadt schließlich ebenfalls beteiligt.
Ganz überraschend kam das Nein freilich nicht: Schon vor der Bewerbung des Kanupolo-Klubs hatte die Politik signalisiert, dass es angesichts leerer Kassen hinsichtlich finanzieller Unterstützung eng werden könnte. Seit 2004, so Stadtdirektor Christian Hülsmann, übernehme die Stadt solche Ausfallbürgschaften nicht mehr. Die Entscheidung im Sportausschuss war für den Verein dennoch ein Schlag.
Es sei nicht so, dass der Verein immer wieder die Stadt in Anspruch nehmen wolle. Andere Großveranstaltungen den internationalen Deutschland-Cup mit über 2000 Aktiven finanziere man stets aus der eigenen Tasche, doch bei einer EM, die zwingend eine Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung erfordere und hohe Auflagen an die Organisation richte, sei der Aufwand für den Klub allein zu groß. "Solch ein Groß-Event hätte angesichts des nahenden Kulturhauptstadt-Jahres sicher auch positive Auswirkungen auf die Stadt. Auch solche Signale haben wir aus der Politik erhalten und uns deswegen Hoffnung gemacht", sagt Konrad.
Das Ausweichen auf den Baldeneysee mit entsprechend höheren Kosten sei angesichts der stetig wachsenden Bedetuung der Sportart unumgänglich: "1997 hatten wir noch 400 Teilnehmer aus 13 Nationen, jetzt sind es 700 aus 20. Wir brauchen deshalb die Möglichkeit, ein drittes Spielfeld sowie drei Aufwärmfelder zu errichten. Das Bad ist zu klein."
Der Klub rechnet mit Gesamtkosten von 70 000 bis 80 000 Euro. Das sei günstig, weil ein Großteil der Tribünen und notwendigen Anlagen bereits in Vereinsbesitz sei. "Die letzte EM in Frankreich hatte einen Etat von 400 000 Euro", rechnet der Vorsitzende vor. Den Eigenanteil wolle man über Sponsoren, Standgebühren für Caterer und Fanartikel-Verkäufer, Werbung, sowie kleine Landes- und RVR-Zuschüsse erzielen. "Da noch 25 000 Euro mehr reinzuholen ist schwierig. Das gelingt ja selbst Tusem, RWE oder den Moskitos kaum."
Falls nicht doch noch eine Bürgschaft gewährt werde, wisse der Klub nicht, wo er sparen solle. Kooperation mit anderen Vereinen wie der Kanu-Gesellschaft Wanderfalke bei den Aufbauarbeiten habe es schließlich schon in der Vergangenheit gegeben, so dass sich keine Einsparpotenziale gebe. "Das Budget ist schon minimal. Meine Sorge ist, dass ich irgendwann keine andere Wahl habe, als dem Verband mitzuteilen, dass unsere Finanzierung nicht steht", sagt Konrad. Seine Befürchtung: Künftig hätte Essen bei Bewerbungen auf die prestige-trächtigen Veranstaltung keine Chance mehr. "Dabei ist NRW doch eine Kanupolo-Hochburg."
Genau diese Sorge teilt der Espo-Chef. Im Sportausschuss warnte er beredt vor einem Abwandern großer Sportereignisse. Auch in Nachbarstädte, die die Ausrichter noch unterstützen.
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