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Mehr sparen geht nicht

14.12.2007 | 21:05 Uhr

GESUNDHEIT. Pflegedirektorin des Uni-Klinikums sieht Belastungsgrenze erreicht. Klinikleitung will sparen, indem sie nur noch Pflegekräfte der DRK-Schwesternschaft einsetzt. Das sorgt für Ärger.

Beim Blick in den Klinikführer Rhein-Ruhr erfährt es das Universitätsklinikum oft: Die Patienten sind mit Leistungen von Ärzten und Pflegekräften unzufriedener als an anderen Essener Häusern. Die Klinikleitung weiß auch, warum: Größere Stationen, mehr Auszubildende, anonymere Abläufe. "Oft ist die Bindung zwischen Patienten und Pfleger nicht so intensiv", räumt Pflegedirektorin Irene Maier ein.

Mehr Patienten in der Ambulanz

Hinzu kommt, dass sich in den letzten Jahren ein Trend abzeichnet: Mehr Patienten werden in den Ambulanzen behandelt, die Zahl der Menschen sinkt, die für mehrere Nächte bleiben. Zweiter Trend: Die vergleichsweise teuren Pflegekräfte werden nur eingesetzt, wo es nicht anders geht. "Wenn teure Pflegekräfte Nachttische abwischen, haben wir etwas falsch gemacht."

Seit 1996 arbeitet Irene Maier am Essener Uni-Klinikum. Und sie betont: Anders als andere Häuser habe man kein Personal abgebaut. Aber die Arbeit - das räumt sie ein - ist stressiger geworden. "Mehr Einsparungen sind nicht mehr zu kompensieren, wir haben eine Grenze erreicht, wo das nur über Veränderungen in den Strukturen geht", sagt sie.

Eine Struktur hat sich bereits verändert - und sorgt für Unmut: Das Uni-Klinikum stellt keine Pflegekräfte ein. Wer sich bewirbt, findet sich als Vereinsmitglied der Schwesternschaft des Roten Kreuzes wieder - egal, ob Mann oder Frau. Das spart jährlich einen sechsstelligen Betrag, erklärt Prof. Gerd Holtmann, ärztlicher Direktor. Denn die Schwesternschaft verwaltet sich kostengünstiger, zudem ist die Altersvorsorge für Beschäftige - und Arbeitgeber - billiger und besser: Die Schwesternschaft arbeitet mit kapitalgedeckter Betriebsrente - und nicht mit einem System, das der gesetzlichen Rentenversicherung ähnlich ist.

Gegen bessere Renten für die Pflegekräfte hätte auch die Personalvertretung nichts, sie aber sieht Mitbestimmungsrechte für die Beschäftigten gefährdet. "Für uns ist das illegale Arbeitnehmerüberlassung", so Stephan Gastmeier vom Personalrat. Vor allem, dass es keine Wahlfreiheit mehr gibt, sondern eine Zwangsmitgliedschaft in einem Verein - das stößt auf. Für Irene Meier hingegen ist der Einsatz der Krankenschwestern (dazu gehören dann auch Männer) über Jahrzehnte gepflegte Tradition im Zeichen des Roten Kreuzes.

Springerpool soll Ausfälle kompensieren

Sie versucht, die steigende Arbeitsbelastung durch ständige Weiterbildung der etwa 2000 Pflegekräfte sicherzustellen. Ein Springerpool sichere die Personalstärke auch bei Ausfällen. Diese Jobs seien auch bei den ausgebildeten Pflegern sehr beliebt. Sie würden so in wenigen Jahren mit allen Bereich der Pflege vertraut - und sie bekommen nach zwei Jahren im Springerpool eine bevorzugte Übernahme angeboten. Deswegen will das Klinikum auch die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege - außer bei der Kinderkrankenpflege - nicht senken. Pflege hat Perspektiven - aber rosig sind sie nicht immer. (Herm)

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