„Mehr kannst du nicht erreichen“
09.08.2011 | 15:07 Uhr 2011-08-09T15:07:00+0200
Essen-Kettwig. Vor der Handballabteilung des KTV 1870 liegt eine sicherlich anstrengende und spannende Saison, denn Kettwig 70 wird erneut mit vier Seniorenmannschaften an den Start gehen. Und alle Teams spielen in Ligen, die große Anforderungen stellen werden.
Kein anderer Essener Verein kann eine derartige Leistungsdichte aufweisen. So spielt die 1. Mannschaft von Kettwig 70 seit vielen Jahren in der Verbandsliga, die 2. Mannschaft hält sich in der Landesliga - und dort spielt nun auch der Überraschungs-Aufsteiger, die 3. Mannschaft. In der Bezirksliga ist die 4. Mannschaft zu Hause. Nach Umstrukturierungen - Kettwigs Trainerlegende Klaus Albat übergab an Basti Kessler - gehen dort zahlreiche A-Jugendliche an den Start.
Auch für Sven Liebenau wird es eine außergewöhnliche Saison. Im Dezember 2010 trennten sich Kettwig 70 und Trainer Jens Leiß. Anhaltende Erfolglosigkeit, Tabellenplatz zehn und ein nervöser Blick auf die Abstiegsplätze waren die Gründe. Eine Interimslösung wurde gefunden: Sven Liebenau, zu dieser Zeit Spieler der Landesliga-Mannschaft, und Männerspielwart Manfred Müller übernahmen die Verantwortung.
Was dann kam, passte. Und Liebenau blieb in dieser Position, wird folgerichtig 2011/2012 erstmals allein verantwortlich für das Aushängeschild der Handballabteilung sein. Urgestein. Ein abgenutzer Begriff. Doch auf den 29-jährigen Banker trifft er zu. Sechs Jahre alt war er, als er beim KTV anfing. „Ich habe die komplette Historie einmal durch - und nichts anderes gesehen“, sagt er - und grinst. Angebote gab es. Einige sogar. Aber er blieb immer, „weil Kettwig eben Kettwig ist“. Er war Kapitän der 1. Mannschaft, ist jetzt ihr Trainer. „Mehr kannst du nicht erreichen“, sagt er und weiß, „dass ich selbst nicht der einfachste Typ für meine Trainer war“. Wird er also im Umfang mit seinen Jungs nachsichtig sein, an seine eigene Vergangenheit auf dem Feld denken? Sven Liebenau grinst erneut.
Wie schaut es mit dem Modell Spielertrainer aus? In der vergangenen Saison hat er den Spagat oftmals gewagt. „Ich werde mir zwar ein Trikot mitbestellen, aber ich sehe bei dem Kader, den wir haben, den Bedarf nicht. Vielleicht laufe ich bei einer unserer anderen Seniorenmannschaften auf... Tendenziell plane ich mich fürs Verbandsliga-Team nicht ein.“
Tendenziell. Ein gutes Stichwort. Wo will er hin, mit der Ersten? „So schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, das ist sein erstes Ziel. Er hält nichts davon, einen Rang vorzugeben. „Wenn alle gesund bleiben und dran ziehen, dann kann es gut laufen...“. Gestützt auf eine gute Abwehr, will er Tempohandball spielen lassen. Alex Pütter kehrt zurück zwischen die Pfosten, Fabian Fuchs verstärkt die Erste - 17 Spieler wird sein Kader haben. Einen Teil der Vorbereitung nimmt ihm Benjamin Kalinowski ab. „Er hat eine Menge Erfahrung gesammelt, auch in anderen Ligen. Und ihm und mir ist Teamarbeit besonders wichtig.“ Viel Erfahrung bringt auch Georg Stienemeier mit, der „bei Bedarf als Torwarttrainer zur Verfügung steht“.
Ans erste Saisonspiel mag Sven Liebenau noch nicht denken, denn „egal, gegen wen es geht - das erste Spiel will man unbedingt gewinnen“. Und dass es dann auch noch zum Lokalderby gegen Aufsteiger SG Überruhr kommt, macht es nicht einfacher. Gut, dass Kettwigs Verbandsligist mit einem Heimspiel starten wird. Die Zuschauer, die Fans - auch ein Thema, das Sven Liebenau beschäftigt. „Wir brauchen wesentlich mehr Unterstützung von den Rängen. Aber das kann nur die Mannschaft erreichen. Wir müssen Spaß vermitteln, und dann kommen die Leute auch.“
Eine weitere Schraube an der gedreht werden muss, ist die Jugendarbeit im Verein. Ohne A- und B-Jugend geht Kettwig 70 in die Saison. „Wir haben zu wenig auf den Nachwuchs geachtet. Das muss sich ändern, wir müssen ganz neu anfangen“, sagt Liebenau.
Da wäre noch ein Problem. „Die Hallenzeiten, die sind ein Drama.“ Aber dieses Problem wird selbst der engagierteste Trainer nicht lösen können...
20:21
Machet Spüli!
Meine Daumen sind gedrückt.