Mehr Hitze-Unfälle

Sommerferien- staufreie Zeit in der Stadt? Von wegen. Die A 40-Sperrung bringt viele Autofahrer –  wie hier in Frillendorf –  ins Schwitzen.
Sommerferien- staufreie Zeit in der Stadt? Von wegen. Die A 40-Sperrung bringt viele Autofahrer – wie hier in Frillendorf – ins Schwitzen.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Autofahrer unterschätzen die Gefahr. Polizei und Verkehrswachtin Essen rufen zu mehr Rücksicht und Vorsicht auf.

Essen.. Am Dienstag 32 Grad, am Samstag 30 Grad – das Tropenwetter hat mit einer kurzen Unterbrechung in der Wochenmitte auch die nächsten Tage Essen fest im Griff. Und bringt viele Autofahrer, aber auch andere Verkehrsteilnehmer nicht nur stark ins Schwitzen, sondern ebenso an die Grenzen ihrer Reaktionsfähigkeit.

Sie fühlen sich schlapp, die Sonne brennt, manche werden fahrig, andere passen schlicht nicht mehr auf. Und bleibt der Wagen auch noch im Stau – etwa wegen der A40-Sperrung – stecken, erreichen die Innentemperaturen Sauna-Werte.

Hitze kann Konzentration massiv schwächen

Das Polizei und die Essener Verkehrswacht warnen: Der Hochsommer wird oft unterschätzt. „Seit die Hitzewelle da ist, haben wir es in Essen mit einer Steigerung der Verkehrsunfälle zu tun“, stellt Polizeisprecher Marco Ueberbach fest. Dabei sei es zum Glück meist bei Blechschäden geblieben.

„Die Hitze kann die Konzentration der Verkehrsteilnehmer massiv schwächen“, mahnt Marco Ueberbach. „Wir können bei diesem Wetter nur jedem raten, sich der Gefahr bewusst zu sein. Aber manche machen sich überhaupt keine Gedanken darüber.“

Sein Tipp: Wem es im Auto zu warm wird, sollte sich einen schattigen Parkplatz suchen „und ein paar Minuten Auszeit nehmen.“ Das hilft.

Sommer-Baustellen bremsen Autofahrer aus

„Zu jeder Jahreszeit gibt es spezielle Probleme auf den Straßen“, betont Karl-Heinz-Webels, Vorsitzender der Verkehrswacht in Essen. Und im Hochsommer „sind es vor allem die Ermüdungserscheinungen durch Wärme und Sonneneinstrahlung.“ Webels empfiehlt den Autofahrern, „ihre Kräfte besser einzuteilen.“ Und zu berücksichtigen, dass auch andere unter der Wärme leiden und Fehler machen. Deshalb sei es wichtig, defensiv zu fahren, zumal in den Ferien auch die Kinder verstärkt auf den Straßen spielen. „Bei den bis zu 14-Jährigen verunglücken definitiv mehr Kinder im Freizeitverkehr als auf dem Schulweg“, so Webels. Eine weitere Gefahr drohe im Sommer durch Fußgänger, aber auch durch Radfahrer, die sich nach einem Biergarten-Besuch auf dem Heimweg machen.

Ferienzeit – staufreie Zeit. Schön wär’s. Wären da zum einen nicht die Sommer-Baustellen, die Autofahrer abbremsen, wie jetzt auf der A40. Oder der ebenso stauverdächtige Freizeitverkehr, wo Radfahrer und Skater mit Fußgängern auf manchen Trassen auf Kollisionskurs geraten – wie am Baldeneysee. Oder Sport-Biker ganze Fahrbahnen für sich in Anspruch nehmen und Pkw-Fahrer nicht überholen lassen. „Da geht es zu wie in einer Ellbogengesellschaft“, ärgert sich Karl-Heinz Webels von der Verkehrswacht, der fast gebetsmühlenartig an alle appelliert: „Ohne Rücksicht läuft nichts richtig.“

Mehr Kinder unterwegs

Jetzt sind die Abende auch besonders lang, kehren viele nach einem Ausflug erst spät nach Hause zurück. „Und der Alkohol spielt dabei auch eine Rolle. „Es besteht die Gefahr, dass Radfahrer und Fußgänger es mit dem Trinken übertreiben“, so Webels. Die Verkehrswacht rät deshalb zu mehr Vorsicht. Im Einzelnen:

Autofahrer müssen sich darauf einstellen, dass mehr Kinder unterwegs sind – und am Abend auch mehr Fußgänger und Radfahrer. Dabei steigt auch das Risiko, dass während der Biergarten-Saison mehr Angetrunkene auf den Straßen sind.

Fußgänger sollten auf helle, reflektierende Kleidung achten. Wer ein Bier zuviel getrunken hat, sollte sich abholen lassen oder mit dem Taxi nach Hause fahren.

Kolonnenfahrten ab 30 Personen anmelden

Radfahrer müssen ebenso darauf achten, dass sie gesehen werden. Vorteilhaft sind Radspuren auf Fahrbahnen. Auf Radwegen kann es passieren, dass Biker an Einmündungen und Kreuzungen übersehen werden. Wer Alkohol getrunken hat, „sollte das Fahrrad generell stehen lassen“, meint Webels, der die 1,6-Promille-Grenze für Biker für viel zu hoch hält.

In der warmen Jahreszeit nutzen Sport-Radler die Fahrbahnen für schnelle Sprints. Nebeneinander fahren ist aber nicht erlaubt. „Das dürfen sie nur auf einer Fahrradstraße“, betont Harald Bräunlich vom Amt für Straßen und Verkehr. Und: Kolonnenfahrten ab 30 Personen müssen angemeldet werden, da es sich um eine „übermäßige Straßenbenutzung“ handele. Bräunlich. „Und dafür braucht man eine verkehrsrechtliche Erlaubnis.“