Mehr Durchlauf in den Geschäften

Borbeck..  Als 2012 die Kaufland-Filiale in der Borbecker City eröffnete, ging so etwas wie Aufbruchstimmung durch den Stadtteil. Anwohner und Ladeninhaber schöpften Hoffnung, dass durch die Neueröffnung auch die Innenstadt wieder belebt würde. Der Andrang war vor knapp drei Jahren groß und ebenso die Erwartungen, die mit der Immobilie verbunden waren.

Belebter Platz

Und wenn Besucher in Borbeck heute einen Blick auf den Höltingplatz werfen, dann sehen sie immer noch einen belebten Platz. Lauscht man den Gesprächen der Passanten auf der Marktstraße, dann fällt auch häufig das Wort Kaufland. „Wir brauchen noch Klopapier“, sagt ein älterer Mann zu seiner Ehefrau. Sie entgegnet: „Das können wir gleich mit den anderen Einkäufen bei Kaufland besorgen.“

Und auch das Unternehmen Kaufland zieht nach drei Jahren eine positive Bilanz für die Neuansiedlung: „Generell sind wir mit der Geschäftsentwicklung in Essen-Borbeck zufrieden, diese Filiale wird von unseren Kunden gut angenommen“, heißt es aus der Pressestelle des Konzerns.

Weggang von Hertie

Mit dem Weggang des Stadtteilkaufhauses Hertie im März 2009 blieb an dem Standort zunächst Leerstand zurück. Die Karstadt-Krise und die Pleite des Mutterkonzerns Arcandor hinterließen in vielen Innenstädten ihre Spuren – Borbeck war in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Für die Menschen im Stadtteil fiel dadurch eine Möglichkeit weg, direkt vor ihrer Haustür die Einkäufe des alltäglichen Lebens zu besorgen. „Ein paar Sachen des täglichen Bedarfs waren tatsächlich vor Ort nicht mehr zu erhalten“, sagt die Vorsitzende des Initiativkreises Centrum Borbeck (CeBo), Klaudia Ortkemper.

Das änderte sich durch den Neubau von Kaufland. Die Lebensmittel-Einzelhandelskette brachte 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche nach Borbeck zurück. „Für die Einwohner haben sich durch unsere Ansiedlung die Angebotsvielfalt sowie die Möglichkeit, günstig Verbrauchs- und Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs einzukaufen, erhöht“, heißt es bei Kaufland.

Leerstand beseitigt

Für Klaudia Ortkemper ist aber noch ein anderer Aspekt entscheidend: „Wichtig aus unserer Sicht war, dass das leerstehende Gebäude weg war“, so die CeBo-Chefin. Eine so große Immobilie wie das Hertie-Haus ist für einen Einzelhandels-Standort immer eine Belastung, wenn es leer steht.

Kaufland selbst spricht zudem von einer „positiven Wechselwirkung zur Innenstadt“, die in Borbeck zu beobachten sei. „Durch ihre Magnetwirkung trägt unsere Filiale zu einer Belebung des gesamten Bezirks bei“, so Andrea Kübler, Pressesprecherin der Lebensmittelmarkt-Kette.

Klaudia Ortkemper stimmt dieser Aussage grundsätzlich zu, aber relativiert sie ein wenig: „Die meisten Leute spüren den höheren Durchlauf in den Geschäften, der durch Kaufland kommt.“ Sie fügt aber gleich hinzu, dass viele Geschäftsleute sich mehr Effekte durch die Ansiedlung gewünscht hatten.

Das liegt für sie auch daran, dass Kaufland etwas abseits der anderen Geschäfte liegt. Der Weg vom Kaufland-Gebäude zur Marktstraße ist nicht weit. Und auch direkt gegenüber der Filiale der Lebensmittelkette liegen bereits andere Geschäfte. Aber die Menschen sind in Zeiten des boomenden Online-Handels bequem geworden, was ihre Einkäufe anbelangt.

So kommen viele Kunden mit dem Auto, parken direkt vor Ort, erledigen ihre Einkäufe und sind wieder weg. Es ist der typische „One-Stop-Einkauf“. Das beobachtet auch die CeBo-Chefin.