Das aktuelle Wetter Essen 9°C
Essen

Mehr als 2000 Gräber bleiben ohne Pflege

09.10.2012 | 00:09 Uhr
Mehr als 2000 Gräber bleiben ohne Pflege
Das Feld 61 auf dem Parkfriedhof werden All inclusive Gräber getestet. Das Bild von Montag, 8.10.2012 zeigt das noch unbelegte Grabfeld.

Nach Jahren des Sparens und Schrumpfens in der Friedhofsverwaltung geht der städtische Eigenbetrieb Grün und Gruga in eine Vermarktungs-Offensive. Weil immer mehr Menschen die Gräber ihrer Angehörigen nicht mehr pflegen können oder wollen, will die Stadt ihnen gemeinsam mit den Friedhofsgärtnern diese Sorge abnehmen - 25 Jahre lang.

Pflege im Preis inbegriffen

Das Modell heißt „Memoriam Garten“ und funktioniert schon in vielen Städten in NRW. Auf einem Grabfeld des Parkfriedhofes werden Friedhofsgärtner, die sich für dieses Projekt zusammen geschlossen haben, im nächsten Frühjahr einen Park modellieren, in dem unterschiedliche Möglichkeiten der Bestattung angeboten werden. Im Preis für das Grab inbegriffen ist eine Dauerpflegevereinbarung über 25 Jahre. Nicht nur für das Grab: „Wir übernehmen auch die Pflege der gesamten Fläche“, sagt Carsten Nöll, Vorsitzender des Fachverbandes rheinischer Friedhofsgärtner. Der Preis für dieses Arrangement soll je nach Bestattungsform zwischen 3000 und 10 000 Euro liegen, sagt Hans-Joachim Hüser von der Friedhofsverwaltung.

Den Bedarf an diesem Rundum-Sorglos-Paket schätzt Hüser hoch ein und nennt Zahlen: Für 1598 Gräber haben Angehörige allein im Jahr 2011 die Nutzungsrechte vorzeitig zurückgegeben, weil sie sich um das Grab nicht mehr kümmern konnten oder wollten. Für 683 weitere Gräber hat die Friedhofsverwaltung im letzten Jahr die Nutzungsrechte eingezogen, weil die Gräber erkennbar nicht mehr gepflegt wurden.

Die neue Kooperation zwischen Grün und Gruga und den Friedhofsgärtnern entlastet die Angehörigen von Verstorbenen. Den Friedhofsgärtnern bringt es planbare Aufträge und Umsätze, und Grün und Gruga verspricht sich davon eine Aufwertung der Friedhöfe: nicht nur des einzelnen Grabfeldes, sondern auch der Umgebung. Der Memoriam-Garten soll nicht nur Angehörigen offen stehen, sondern auch Anliegern und Menschen, die im Grün Erholung suchen. Bernd Schmidt-Knop, Werkleiter von Grün und Gruga: „Nach all dem Sparen müssen wir auch mal wieder was für die Qualität unserer Friedhöfe tun.“

Und die Grün-Qualität wird hoch sein im Memoriam-Garten, dafür sorgen Richtlinien. Das Geld der Grabkäufer verwaltet eine Treuhandstelle. Sie investiert ausschließlich in Finanzanlagen, die als sicher gelten, und kontrolliert nicht nur die Vergabe der Mittel an die Friedhofsgärtner, sondern auch die Verwendung für die Grabpflege. Die Rheinische Treuhand, sagt Carsten Nöll, „verwaltet inzwischen 160 Millionen Euro.“

Kai Süselbeck

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7177984/create

Umfrage
Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Skydiving als Belohnung
Video
Extremsport
RWE U17 1:1 gegen BVB
Bildgalerie
Fußball
Kettwig von oben
Bildgalerie
aus der Luft
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Luftbilder
Aus dem Ressort
Frauenverein hilft Türkinnen bei häuslicher Gewalt
Selbsthilfegruppe
Seit Beginn des Jahres bietet der Essener Verein türkischer Frauen eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Gewalterfahrungen an. Ziel der Gruppe ist es, dass die Frauen sich ablenken, zur Ruhe kommen und nach und nach wieder Vertrauen fassen.
Essen bietet erstmals Freiwilliges Soziales Jahr in Kitas an
Erzieherberuf
Alexandra Hölser und Tobias Erle helfen ein Jahr lang im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Kita. Während sie den Kindern Spiele und Sprache beibringen, lernen sie den Arbeitsalltag kennen. Die erste FSJ-Runde wird so gut angenommen, dass bereits über eine Ausweitung des Angebots...