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Meditation im Schulunterricht setzt sich durch

28.02.2016 | 07:00 Uhr
Meditation im Schulunterricht setzt sich durch
Ein Bild vom „Achtsamkeits-Training“ am Nord-Ost-Gymnasium: Lehrerin Christine Steinert leitet die Kinder an, ruhig zu werden und auf ihren Atem zu achten.Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Nordviertel.   Das Gymnasium Nord-Ost erhält für sein neues Konzept für mehr Ruhe und Konzentration im Klassenzimmer einen bundesweit renommierten Preis.

Gute Ideen für den Schulalltag werden in der Regel dort geboren, wo nicht nur die Idylle zuhause ist. Sondern dort, wo sich ein gesellschaftlicher Wandel am deutlichsten abzeichnet. Das Nordost-Gymnasium zum Beispiel – es liegt an der Katzenbruchstraße in Uni-Nähe. Und somit in einem Viertel, das nicht unbedingt auf Rosen gebettet ist.

Die Schule hat schon lange mit dem zu tun, was man heute „Heterogenität“ von Schülern nennt: Sie sind alle sehr verschieden. Dieser Veränderung wusste man am Gymnasium Nord-Ost schon immer zu begegnen: Als erstes städtisches Gymnasium startete es bereits Anfang der Neunziger den Ganztagsbetrieb. Als erstes städtisches Gymnasium richtete es eine Stelle für einen Sozialarbeiter ein, verzichtete dafür sogar auf eine Lehrerstelle.

Zwei Stunden pro Woche Meditation

Und jetzt erhält die Schule bundesweite Anerkennung für ein Konzept, das nichts mit Esoterik, sondern letztlich handfester Bio-Wissenschaft zu tun hat: Auf der Bildungsmesse „Didacta“ in Köln erzielte das Nord-Ost-Gymnasium den bundesweit ersten Platz beim „Cornelsen Stiftungspreis Zukunft Schule“. Ausgezeichnet wurde die Schule für ihr Achtsamkeits-Training, das sie im vergangenen Schuljahr eingeführt hatte – für alle Fünftklässler, verpflichtend.

Laien denken dabei an Meditation, und es ist letztlich auch gar nicht so schwer: Zwei Stunden pro Woche kommen die Klassen im ersten Halbjahr im Stuhlkreis zusammen, der Lehrer leitet dann Atem-Übungen an oder so genannte „Reisen durch den Körper“. Die Uni Duisburg-Essen begleitete das Vorhaben wissenschaftlich und konnte messbare Effekte nachweisen – Achtsamkeitsübungen, so die Resultate, wirken sich gut auf die Konzentrationsfähigkeit von Schülern aus. Lehrer bestätigten: In den Klassen wird es ruhiger, die Kinder lassen sich viel weniger ablenken. Fortan weitete die Schule das Angebot aus, bildete mehr Pädagogen fort zu Achtsamkeits-Trainern. Mittlerweile sind acht Pädagogen der Schule fit in Achtsamkeits-Training. Die Grundlagen berufen sich auf die Arbeiten des renommierten US-Biologen Jon Kabat Zinn. Er ist es, der den Begriff „Achtsamkeit“ in Europa überhaupt salonfähig machte.

Preis ist mit 5000 Euro dotiert

Das Konzept des Nord-Ost-Gymnasiums, urteilt jetzt die Jury unmissverständlich, habe es „verdient, von anderen Schulen übernommen zu werden“. Besonders die konsequente wissenschaftliche Begleitung wurde lobend erwähnt. Die Schirmherrschaft des Stiftungspreises hat übrigens Moderator Günther Jauch inne.

Der Preis für das Nord-Ost-Gymnasium ist mit 5000 Euro dotiert. Mit dem Geld soll womöglich die Ausweitung des Projekts ermöglicht werden, kündigt Schulleiter Udo Brennholt an: „Über die Anerkennung freuen wir uns sehr.“

Das Geld könnte aber auch für neues Unterrichtsmaterial ausgegeben werden, das den neuesten Anforderungen für „sprachsensiblen Unterricht“ entspricht: Das nächste große Thema, zumindest für jene Schulen, die verstanden haben, dass nur eins beständig ist – und zwar der Wandel.

Martin Spletter

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2016-02-28 07:00
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