Mau-Mau-Nacht - Auf Essens schrägster Kostümparty

Traditionelle Mau-Mau Nacht am Karnevalssamstag in der Kneipe am Zehnthof 17, riesen Partystimmung im überfüllten Saal Stargast René Pascal, " Schlagergott " Donnerstag der 16.02.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
Traditionelle Mau-Mau Nacht am Karnevalssamstag in der Kneipe am Zehnthof 17, riesen Partystimmung im überfüllten Saal Stargast René Pascal, " Schlagergott " Donnerstag der 16.02.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
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Was wir bereits wissen
Wer mit Karneval so gar nichts am Hut hat, geht zur „Mau-Mau-Nacht“ des Charity-Vereins „Salisa Freundeskreis Essen“, der wohl schrägsten Kostümparty während der Session in dieser Stadt. Auch bei der 19. Auflage drängelten sich wieder knapp 150 Gäste ins Hinterzimmer der Frillendorfer Kneipe „Zehnthof“.

Essen.. Wie kann man Karneval feiern, wenn man eigentlich gar nichts mit den ach so tollen Tagen am Hut hat? Man geht zur „Mau-Mau-Nacht“ des Charity-Vereins „Salisa Freundeskreis Essen“, der wohl schrägsten Kostümparty während der Session in dieser Stadt. Auch bei der 19. Auflage drängelten sich wieder knapp 150 Gäste ins Hinterzimmer der Frillendorfer Kneipe „Zehnthof“. Die Karten waren schon Wochen im Voraus ausverkauft.

Im Raum steht die Luft, es ist gefühlte 50 Grad. Dicht an dicht sitzen die Kostümierten auf den Bänken wie die Hühner auf der Stange, vor ihnen das Bier mit der obligatorischen Konfetti-Einlage. Drei Mädels in roter Star Trek-Wurstpelle stoßen kräftig an, eine Panzerknackerin huscht durchs Bild, ein buntes Irokesenpärchen hat sich die letzten freien drei Quadratmeter vor dem Mischpult gesichert: eigentlich doch typisch Karneval. Aber irgendwas ist anders.

"Die Mau-Mau-Nacht ist so schlecht, dass sie wieder gut ist“

„Ich hab nie Karneval gefeiert. Aber die Mau-Mau-Nacht ist so schlecht, dass sie wieder gut ist“, sagt meine Sitznachbarin. Tina, verraten will sie nur ihren Vornamen, ist schon zum vierten Mal hier. Ein bisschen peinlich, so scheint es, ist ihr das ganze Karnevalsding schon. Aber heute Abend, da nimmt sie mit weiß geschminktem Gesicht den Narrenexpress volle Fahrt mit.

Mit Schwung geht so eine Mau-Mau-Nacht auch los. Auf der Bühne ist es noch voller als davor, da drängeln sich Mensch und Blech des Brass-Orchesters „Tuba Libre“. Mau-Mau-Mitorganisator Thomas „Doc“ Ophelders ist Kopf der Truppe, versucht grell geschminkt im Nummerngirldress ein wenig Ordnung in die schrägen Töne hineinzudirigieren. Und der Saal steht schon fast Kopf. Die Perückenträger klatschen begeistert mit, egal ob beim Brecht/Weill-Schunkler „Whiskey Bar“ im Polkastil oder beim Pippi-Langstrumpf-Lied.

Guter Opener, die Menge ist warm, die Band auch, bei einem Posaunisten versagt der Kreislauf, er muss erstmal auf die Bretter. Schnell wird er wieder mit einem Glas Wasser hochgepäppelt denn schon folgt auf dem Fuße der Klassiker der Mau-Mau-Nacht, der einzig wirkliche Karnevalist des Abends, „Präsident“ Günther Burghardt aus Überruhr. Seine Imitation von Auerhahn und seine Hespertalbahnbahn gehören in jedem Jahr dazu.

Er sorgt für den einzigen Redebeitrag des Abends; und auch wenn man von den Parodien des 81-Jährigen kaum ein Wort versteht, so ist sein Adolf Hitler in Chaplin-Manier für meine zweite Nachbarin, eine Dame in den frühen Fünfzigern, doch ein bisschen zu viel. Martina – sie will wie ihre Namensvetterin ebenfalls nicht den Nachnamen nennen – schaut ganz konsterniert. Aber sie ist auch zum ersten Mal hier.

„Der normale Karneval willmit uns nichts zu tun haben“, erklärt „Doc“ Ophelders wenig überraschend. Bewusst abgrenzend oder gar als eine Gegenbewegung zum institutionellen Karneval sieht er die Mau-Mau-Nacht aber nicht. Wäre auch nicht richtig, denn auch wenn es vielleicht der eine oder andere Gast nicht so gerne hört, steckt verdammt viel richtiger Karneval drin.

Zum Beispiel beim „Vorstand“, der als nächster Act das Hinterzimmer zum Mitsingen und Schunkeln bringt, was das Zeug hält. Oder bei René Pascal, bei dem wie immer die halbe Bude Kopf und die Mädels auf den Bänken stehen. Doch es sind auch und gerade Nummern wie die „Dollhouse Sisters“, die wie eine Mischung aus Improvisations-Singspiel und autonomen Kindergeburtstag klingen, die der Nacht den Stempel aufdrücken. Oder wie es Partygast Hiltrud Schmutzler-Jäger, Grünen-Fraktionschefin im Rat und Ehefrau eines Tuba-Libre-Mitspielers, ausdrückt: „Es ist hier nicht schön, aber schräg.“