Mathematiker prüft Hellseher
17.01.2008 | 19:36 Uhr 2008-01-17T19:36:54+0100"Wahrsagerchecker" Michael Kunkel nimmt Prognosen unter die Lupe
SERIE MITMENSCHEN Wissen, was das Leben bringt - mit dieser Verheißung wirbt die Firma Questico auf ihrer Homepage. Die AG erzielt einen Millionenumsatz mit einem der ältesten Gewerbe der Welt: der Wahrsagerei. Viele wollen wissen, wie sich ihr Leben entwickelt. Und andere behaupten, genau das vorhersagen zu können.
Der Mathematiker Michael Kunkel nimmt die Prognosen der Hellseher unter die Lupe. Und stellt fest: Sie verrechnen sich häufig. Dabei muss die Vorhersage gar nicht so skurril anmuten wie etwa diese: Ein Wahrsager sagte für 2007 voraus, Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il würde sich in Condoleeza Rice verlieben und zusammen fänden sie Osama bin Laden. So mutig, oder verrückt, sind die Wenigsten.
Carsten Kröncke beispielsweise hat sich ein praktisches Feld gesucht. Er behauptet, das Verhalten der Börsenkurse zu 80 Prozent vorhersagen zu können. Kunkel machte diese scheinbare Treffsicherheit stutzig. Er erkannte, dass die Trefferquote durch Raten oder Rechnen ebenfalls zu erzielen gewesen wäre. Seitdem ist Kröncke anscheinend vorsichtiger geworden. Auf seiner Internetseite gibt er keine genauen Daten mehr an.
Kunkel, der sich selbst als Skeptiker bezeichnet, begrüßt diese Entwicklung. Der Ruhm vieler Propheten beruhe auf dem schlechten Gedächtnis ihrer Zuhörer, zitiert Kunkel den italienischen Schriftsteller Ignazio Silone. Zudem seien viele Vorhersagen vage, getreu dem Motto: Ich sage genau was passiert, aber nicht wo und wann.
In Zukunft will der Mathematiker nicht nur Katastrophenprognosen kritisch begutachten. Sondern auch die Wahrsager individueller Schicksale entlarven.
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