Mangel an Ärzten trifft den Norden zuerst
23.06.2009 | 16:46 Uhr 2009-06-23T16:46:00+0200Praxen im Süden sind wegen Privatpatienten deutlich beliebter.
Der bundesweite Ärztemangel macht auch vor den Grenzen der Stadt nicht halt. Die Versorgung ist bislang zwar nicht eingeschränkt, doch zeichnet sich sowohl im Bereich der niedergelassenen Praxen als auch in den Klinken ab, dass es zunehmend schwerer ist, frei werdende Positionen zu besetzen. Manchmal vergehen sogar Monate, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist.
Im Stadtgebiet gibt es 386 Hausärzte - also Allgemeinmediziner und Internisten - sowie 446 niedergelassene Organfachärzte, wie Orthopäden, Neurologen, Radiologen oder Kinderärzte. „Seit über zehn Jahren gibt es einen Zulassungsstopp für Kassensitze in Essen”, erklärt Dr. Ralph Köhn, Sprecher aller Ärzte in Essen.
Momentan sind diese Kassensitze alle besetzt, doch fünf hausärztliche Praxen suchen nach Angaben der Zulassungsstelle in Düsseldorf einen Nachfolger. Diese Situation wird sich verschärfen. „Der Anteil der über 60-jährigen Ärzte liegt bei rund 20 Prozent”, gibt der Mediziner zu bedenken. „In absehbarer Zeit wird es wohl zu Problemen bei der Besetzung der frei werdenden Kassensitze kommen.”
Schon jetzt wirft der bundesweit zu beobachtende Ärztemangel seine Schatten voraus. „Im Vergleich zu Düsseldorf dauert es im Stadtgebiet schon jetzt etwa doppelt so lange, eine Praxis mit einem Nachfolger zu besetzen”, gibt Köhn an. „Die Problematik ist allerdings stadtteilbezogen.” So sei es sehr viel schwerer den medizinischen Nachwuchs für Praxen im Norden oder Osten der Stadt zu begeistern.
Die Ursachen für die Probleme bei der Stellenbesetzung sind vielschichtig. „Inzwischen streben nur 30 Prozent aller Medizinstudenten eine Tätigkeit in Kliniken oder Praxen an”, erklärt Köhn. „Stellen in Forschung, Industrie oder im Ausland scheinen oftmals attraktiver.” Hinzu kommt die zunehmende Arbeitsintensität sowie die wirtschaftliche Entwicklung. „Regelleistungsvolumina und Fallzahlbegrenzung bremsen das Wachstum der Praxen und erschweren die anfangs oft notwendige Kreditaufnahme”, so Köhn. „Eine hohe Anzahl von Privatpatienten ist der Ausweg.”
So zeigt sich auch im Stadtgebiet der Trend, dass Kassensitze aus den bevölkerungsreichen Stadtteilen im Norden und Osten in wirtschaftlich attraktivere Gebiete im Essener Süden abwandern. So wechselte zuletzt ein Orthopäde und ein Kardiologe den Standort. „Vor dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft ist diese Entwicklung problematisch”, meint Köhn. „Denn für den Patienten werden die Anfahrtswege länger und für die Kassen die Kosten höher, sofern die Fahrten erstattet werden müssen.”
09:08
Da sollten vielleicht finanzielle Anreize zur Ansiedlung von Ärzten im Norden und Osten geschaffen werden.
- Kredite zu niedrigeren Zinsen
- Bereitstellung von Räumlichkeiten (Leerstand dürfte genug vorhanden sein)
Das ganze sollte natürlich an eine gewisse Standortbindung über einen gewissen Zeitraum gebunden sein.
Denkbar wäre auch ein Modell ähnlich der Polyklinik in der Ärzte verschiedener Fachrichtungen ggf. als Angestellte tätig sind.
Diese Kliniken können ja gern von den gesetzlichen Kassen betrieben werden um die Kosten im griff zu behalten.
08:51
Da die Interessenvertretung der Ärzte auch an all diesen Regelwerken beteiligt ist, haben die Ärzte also auch eine Teilschuld an der drohenden Unterversorgung. Also auch hier -genauso wie bei Gewerkschaften- treiben die angeblichen Interessenvertreter die Problem weiter, statt Lösungen aufzuzeigen.