Man muss auch loslassen können

Wenn sich ein großes Unternehmen anschickt, die Fühler nach einem neuen Standort auszustrecken, dann kann dies eine Stadt nicht kalt lassen – gleich, ob es sich um das prosperierende Dickschiff einer gut verdienenden Branche handelt oder um eine Traditionsfirma wie Karstadt, die zweifelsohne schon mal deutlich bessere Zeiten gesehen hat.

Denn Konzerne sind ja nicht nur Arbeitgeber für Hunderte oder gar Tausende Mitarbeiter am Ort, sie sind nicht nur Steuerzahler und Imageträger, sondern auch Job-Magnete für Firmen aus ihrem jeweiligen Umfeld.

Darum darf man sich freuen, wenn Schenker, ifm und – brandaktuell – Energiedienstleister Ista in Essener Gefilden blieben und Thyssen-Krupp, Eon oder Brenntag herkamen. Und deshalb muss man einiges dafür tun, dass Karstadt – wie angeschlagen der Laden auch sein mag – Essen nicht hinter sich lässt.

Doch hinter dem Wortgeklingel vom „Kampf“ um den Konzern sollte man nicht verschweigen, dass der Warenhaus-Riese womöglich schwer zu halten ist: Die als Bedingung genannten mehr als 20.000 Quadratmeter Bürofläche bietet nicht einmal das leergezogene Rheinstahl-Hochhaus, für einen Neubau fehlt die Zeit und ein Bestandsgebäude in dieser Größenordnung ist schlicht nicht verfügbar.

Das kann man niemandem anlasten, weil Banken halt nur bei einer beachtlichen Vorvermietungsquote Geld für Neubauten verleihen und weil längst nicht jedes Unternehmen so solvent ist wie die Europa-Center AG, die auf eigenes Risiko an der A40 baute – und deren Wagemut mit Finanzdienstleister GFKL als Mieter belohnt wurde. In Düsseldorf gibt es genügend moderne Büroflächen, das könnte am Ende den Ausschlag geben. Schade für Essen wäre das, aber bis zum Beweis des Gegenteils nicht zu ändern.