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Männer mit "falscher" Hautfarbe scheitern in Discos in Essen an Türstehern

05.04.2013 | 10:00 Uhr
Männer mit "falscher" Hautfarbe scheitern in Discos in Essen an Türstehern
Wurde ohne Angabe von Gründen von den Türstehern einer Essener Disco abgewiesen: Der Journalistik-Student Lucas Gunkel braucht Gehstützen.Foto: Matthias Graben

Essen.   Männer mit "falscher" Hautfarbe oder einer Behinderung scheitern auffallend oft in Essener Discos an den Türstehern. So hat es nicht nur Sahil Arora, ein Essener mit indischen Wurzeln, unzählige Male vor der "Musikpalette" erlebt. Die Verantwortlichen wehren sich gegen die Vorwürfe: "Alles Lügen", sagen sie.

„Schau in den Spiegel, dann weißt Du, warum wir Dich hier nicht reinlassen“, bekam Sahil Arora nach eigenen Angaben zu hören, als er zum x-ten Mal versuchte, in die „Musikpalette“ (Mupa) zu kommen. In der Szene heißt es seit langem: Die Disco in der City habe ein Problem mit Menschen, denen ihre Herkunft im Gesicht geschrieben steht. Sie kommen an den Türstehern nicht vorbei, unabhängig davon, wie seriös sie auftreten, was sie anhaben und ob die Mupa voll ist oder nicht.

„Besonders die Art, wie die Türsteher sich äußern, ist wirklich erschreckend. ,Verpisst Euch’, ist da noch nett“, sagt Sahil Arora. Der 18-jährige Abiturient hat sich sogar brieflich an die Betreiber gewandt hat, um diese Form der Diskriminierung anzuprangern. Eine Antwort bekam er nie. Inzwischen hat der Essener mit indischen Wurzeln resigniert. „Ich fühle mich hilflos und ausgegrenzt.“ Außerdem, wer wolle schon in Läden gehen, in denen er nicht erwünscht ist.

Ähnliche Erfahrungen machte Luis Miguel Berscia. Auch der peruanische Student der Sprachwissenschaften, der für acht Wochen an der Uni Deutsch gelernt hat, scheiterte an den Ordnern vor dem Tanzlokal unweit der Kettwiger Straße. Er ist sicher, ihnen gefiel nicht sein ausländisches Aussehen. „Ich hätte mit dieser Art von Rassismus in Deutschland nicht gerechnet“, sagt Berscia.

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Als Lungenkranker in der Disco unerwünscht? Ein Essener wurde am Oster-Wochenende an der Tür eines Clubs nicht eingelassen - weil er ein Atemgerät bei sich trug. Die Chefs von Tanzlokal und Sicherheitsdienst positionieren sich zwar gegen Diskriminierung, verteidigen aber ihre Mitarbeiter.

Willy Schüffler, Chef der zuständigen Sicherheitsfirma „Ruhr Security“ weist das alles von sich. Keiner werde aufgrund seiner Herkunft abgewiesen. „Das sind alles Lügen“, behauptet Schüffler. Wenn überhaupt, zählen andere Gründe für die Verweigerung: „Wir lassen keine Betrunkenen rein und müssen die Sicherheit beachten, wenn die Mupa zu voll ist.“

Auch der jüngste Fall, als einem jungen Mann mit Sauerstoffgerät der Eintritt verwehrt wurde , sei keineswegs Diskriminierung. „Wir haben uns nur Sorgen um die Gesundheit und Sicherheit des Mannes gemacht und wollten die Verantwortung nicht übernehmen.“

Fünf durften rein, der sechste nicht

Ob das auch die Gründe waren, warum Lucas Gunkel am Ostersamstag nicht in die Rüttenscheider Discothek „Frida“ kam? Der Journalistik-Student ist spastisch gelähmt und läuft mit Hilfe von Gehstützen.

„Eigentlich habe ich nie ein Problem gehabt, in Discos zu kommen.“ Mit fünf nicht behinderten Freunden wollte er gegen 23 Uhr in den Tanzclub, als die Türsteher in stoppten: Ihr fünf dürft rein, du aber nicht, sagten sie zu dem 26-Jährigen. Als die Freunde nach dem Grund fragten und das Wort Diskriminierung in den Mund nahmen, wurden sie heftig beschimpft.

Auch hier eine ähnliche Reaktion: „Das glaube ich nicht“, sagt Geschäftsführer Mario Bimmermann, „bei uns wird niemand ausgegrenzt. Wahrscheinlich war es zu voll oder der junge Mann war betrunken. Wir begrüßen das eigentlich immer, wenn Menschen mit Handicap zu uns kommen.“

Vera Eckardt



Kommentare
05.04.2013
17:39
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #29

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05.04.2013
17:12
Männer mit
von diesel87 | #28

Mit diesem Problem, der holprigen Abweisung an der Tür einer Discothek, habe ich jahrelange Erfahrung. Es ist sehr schade, wenn man als gepflegter Akademiker mit ausländischen Wurzeln in vielen Clubs keinen Eintritt bekommt. Wenn man als einziger einer Truppe Deutscher nicht in den Club hereingelassen wird, fragt man sich nach den Gründen. Das hat mit dem Hausrecht doch rein gar nichts zu tun. Das ist pure Diskriminierung. Diese ist aber nicht nur an den Türen der Clubs anzutreffen,sondern auch in vielen anderen Bereichen.

1 Antwort
Männer mit
von Kommandeur | #28-1

@diesel87

ich verstehe Sie vollkommen, aber es gibt in diesem unserem Lande KEINEN RECHTSANSPRUCH ! auf BEWIRTUNG!!!

Nenne mir den Paragraphen, der das garantiert!

Wenn sich das herumsprechen würde, gäbe es diese Diskussion nicht!

05.04.2013
16:51
Männer mit
von defcon | #27

Neulich wurde ich vor einer Teestube abgewiesen, ob das aufgrund meiner Herkunft
geschah kann ich nicht sagen. Ich verstand leider kein Wort, aber ich arbeite dran.

05.04.2013
16:42
Wir werden auch benachteiligt! Täglich!! Immer mehr!!!
von FredBasset | #26

Heute mußte ich lesen, daß bei Bränden mit türkischen Opfern Deluxe-Ermittlungen mit Super-Ermittlern aus ganz Europa durchgeführt werden. Werde ich als Deutscher Opfer, dann gibts halt nur die 08/15-Dorfpolizei-Ermittlung. Aber ich darf die Deluxe-Ermittlung wenigstens bezahlen.

Rumänen und Bulgaren dürfen in Duisburg Müll jeglicher Art einfach vor die Türe werfen, die Wirtschaftsbetriebe kommen täglich kostenlos, bzw. auch hier zahle ich das über meine Gebühren. Es gibt auch keine unangenehmen Fragen, die man mir stellen würde, wenn ich mich so verhielte. Kein Verständnis für meine andere Art zu leben.

Ich habe dieses ständige Meckern und Fordern satt. Wem es nicht paßt, möge gehen, schnell und weit weit weg!

05.04.2013
16:14
die böse "Tür"
von Visionaer | #25


Was soll denn das Pallaver ?

Als Betreiber einer wie auch immer gearteten location bin ich doch nicht die caritas, sondern habe es auf eine entsprechende Gäste-Zielgruppe abgesehen, von der ich mir möglichst hohe Einnahmen bei möglichst kleinem Ärger erhoffe.

Zu diesen Zielgruppen gehören beim location-Typ "Disko" eben manche "Kulturkreise" nicht, da sie nur Aufwand durch Ärger produzieren, nichts einbringen, also konsumieren und mir obendrein noch meine angepeilte Zielgruppe verscheuchen.

Also warum zum Teufel soll ich die reinlassen ?
Das war so, ist so und wird so bleiben

05.04.2013
16:13
Objektiv betrachtet
von Ausgehfreund | #24

Was soll man zu diesem Thema noch großartig schreiben? Ja es werden Menschen an Türen abgewiesen - mal mehr mal weniger nett. Vergleichen wir das doch also einfach mal mit den Jehovas Zeugen oder GEZ Vertretern die bei uns klingeln - kein Mensch der bei Verstand ist lässt die rein - und freundlich bleibt man auch eher nicht an der Tür. Ähnlich ist es mit einem Club, es wollen ca. 900-1000 Leute an einem Abend in einen Club sofern dieser gut läuft, da ist es doch nur verständlich wenn man eine gewisse Selektion vornimmt um eine möglichst homogene Partycrew zusammen zu stellen. Gewisse Erfahrungen zeigen ja auch wer des öfteren Stress anfängt. Ich kann unseren ausländischen Mitbürgern nur empfehlen in Frauenbegleitung zu kommen und nicht als Rudel..Bei Menschen mit Behinderungen muss man als Betreiber abwägen, hier kann man der Mupa und dem Frida nur bedingt einen Vorwurf machen - beide Läden sind nur über eine Treppe in einen Keller zu erreichen - was bei einem Brand fatal wäre...

05.04.2013
16:13
Männer mit
von Wahl-Wuppertaler | #23

Man könnte fast meinen, hier sei ein Sammelbecken für die MuPa-Stammgäste.

Diskriminierung mit Hausrecht-Floskeln rechtfertigen zu wollen, fällt auch nur den Leuten ein, die sich an den Wochenenden das Hirn in Keller-Discos wegsaufen.

Um die Essener Partylocations scheint es allgemein auch sehr schlecht zu stehen, wenn man solch drittklassige Clubs so vehement verteidigen muss.

1 Antwort
Männer mit
von Kommandeur | #23-1

FALSCH!!!

Bin selbst Betreiber einer Kneipe! Wen ich aber bediene, bestimme immer noch ICH und kein Gesetz der Welt!

05.04.2013
16:05
Männer mit
von buntspecht2 | #22

Wie lange wird das Thema jetzt wieder durchgekaut ?

05.04.2013
16:02
Männer mit
von Kommandeur | #21

Ich bin GEGEN jegliche Diskriminierung!!
Aaaaber, mit WELCHEM RECHT verlangt man uneingeschränkten Zutritt zu einem privaten Betrieb.
Ich lasse auch nur den in meine Räume, der mir genehm ist!
Da behalte ich mir mein HAUSRECHT vor!!

05.04.2013
16:00
Männer mit
von Schluppi | #20

Die Betreiber haben das Hausrecht, welches sie von den Türstehern durchsetzen lassen. Also steht es ihnen doch frei, wen sie rein lassen und wen nicht. Warum müssen sie sich dafür überhaupt erklären/rechtfertigen? Ich lasse doch auch nicht jeden in meine Wohnung.

2 Antworten
Männer mit
von sneiper | #20-1

Wenn dem so ist bei dir, dann besuche ich dich auch nicht!

Männer mit
von Kommandeur | #20-2

@ sneiper

...ist auch gut so, denn bei mir MUSS geraucht werden!

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