Lorengarten in Altendorf weckt nostalgische Gefühle

Zu einem Paletten-Workshop trafen sich am Wochenende Hobby-Gärtner im Lorengarten Altendorf. Stefan Maß arbeitete an der Säge.
Zu einem Paletten-Workshop trafen sich am Wochenende Hobby-Gärtner im Lorengarten Altendorf. Stefan Maß arbeitete an der Säge.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Hobby-Gärtner zimmen unter fachkundiger Anleitung Hochbeete aus Euro-Paletten. Boden ist start belastet. Aber Gemeinschaftsgarten wächst und gedeiht.

Essen-Altendorf.. Der Altendorfer Lorengarten hinter dem Treffpunkt Altendorf an der Kopernikusstraße wächst und gedeiht. Am vergangenen Wochenende trafen sich zwölf Hobby-Gärtner und zimmerten unter fachkundiger Anleitung Hochbeete aus alten Euro-Paletten. Ab März/April sollen die ersten Samen in die Erde des Gemeinschaftsgartens wandern. Welche das sein werden, das entscheiden die Aktiven selbst. Eingeladen mitzumachen ist jeder Interessent. Aus Altendorf muss er nicht unbedingt kommen.

„Ich habe so eine nostalgische Vorstellung. Wir sitzen zusammen im Garten und um uns herum grünt alles.“ Lange will Wiebke Jünger (28) auf diesen Traum nicht mehr warten. Die zugezogene Altendorferin und Initiatorin des Lorengartens – der Name geht auf die ehemalige Kruppsche Lorenfabrik an dieser Stelle zurück – arbeitet schon seit Beginn des vergangenen Jahres an dem Gemeinschaftsgarten im eher betongrauen Stadtteil. Bei der Stadttochter Grün und Gruga stieß sie auf viel Wohlwollen. Im Mai 2015 gab dann auch die Bezirksvertretung (BV) III grünes Licht, nun will man mit dem Beginn der Pflanzsaison im Frühjahr den Traum zum Blühen bringen. Im Sommer soll es endlich so weit sein.

Zusammenkommen in Großstädten fördern

Doch im Moment legen die Interessenten noch die Basis. „Nicht in Nägel treten oder die Finger absägen“, kommandiert Frank Münter mit einem Augenzwinkern. Der Kommunikationsdesigner und Inhaber der Inoo GmbH in der Innenstadt, mit der er u.a. auch Möbel aus Paletten herstellt, ist als ehrenamtlicher Unterstützer mit allerlei Werkzeug an die Kopernikusstraße gekommen. Begeistert von der Transition-Town-Initiative, die Selbstversorgung mit eigenem Angebautem und das gemeinschaftliche Zusammenkommen in Großstädten fördern will und aus deren Reihen schon zahlreiche Gemeinschaftsgärten in der ganzen Stadt entstanden sind, stellt er regelmäßig Know-How und Werkzeuge zur Verfügung. Die Paletten, die die „Schützlinge“ gerade zersägen und nach ihren Wünschen zusammenhämmern, haben die Altendorfer selbst gesammelt. Die Seitenwände aus Holz sind die Einfassungen, auf den Böden werden dann Plastikplanen ausgebreitet, darüber kommen Erde und Samen.

Gruppe trifft sich an jedem zweiten Mittwoch

„Wir können hier nur das Obst, Gemüse oder die Kräuter verzehren, wenn wir sie in Hochbeeten anbauen. Der Boden ist zu verschmutzt“, erklärt Initiatorin Wiebke Jünger mit Blick auf die vier Hochbeete, mit denen die Stadt die Aktiven unterstützt hat und die von Arbeitern der Essener Arbeit (EABG) im vergangenen Januar zusammengehämmert wurden. „Wie viele wir dazustellen, wird sich zeigen. Mal sehen, wie weit wir mit unserem Material kommen.“

Spenden sind willkommen

Zunächst einmal will die Gruppe nur die Hälfte der großen Rasenfläche nutzen. Wege sollen noch angelegt werden, auch ein kleiner Geräteschuppen ist in Planung. Eine Kompostierung steht schon. Neben Obst, Gemüse und Kräutern sollen auch Sonnenblumen gepflanzt werden, die etwas für das Auge der Nachbarn bieten. gleichzeitig aber auch Sichtschutz garantieren. „Wir arbeiten uns in kleinen Schritten vor, es soll möglichst wenig Kosten verursachen“, erklärt Wiebke Jünger, die sich in den kommenden Wochen mit einigen Mitstreitern um Saatgut bemühen wird. Spenden sind dabei natürlich hochwillkommen, auch einiges an Gärtner-Werkzeug können die Altendorfer noch gut gebrauchen.

Unter ihnen ist auch Katharina Küpers (28), Mitstreiterin der ersten Stunde. „Der Reiz so eines Projektes ist vielfältig“, erklärt sie: „Etwas zu schaffen, wo man sich aufhalten kann, das Anbauen selbst, die Gemeinschaft“, zählt sie auf. Auch sie musste, wie Wiebke Jünger, bislang auf dem Balkon den grünen Daumen ausleben. Doch das ist nun bald nicht mehr nötig.