Londoner Sinfonie-Orchester überzeugt

Was für ein spannendes Konzert, dieses Gastspiel des Philharmonia Orchestra London! Nicht nur, weil es aufgrund eines annullierten Fluges verspätet begann und ein Teil der Musiker erst pünktlich für die Sibelius-Sinfonie nach der Pause eintraf. Sondern vor allem, weil und wie Pultstar Esa-Pekka Salonen zuvor die „Eroica“ geradezu sensationell ins Licht rückte.

Von revolutionärem Geist durchdrungen war diese Dritte zu erleben: Ohne romantisch aufgeblähten Orchesterapparat, ohne breites Heldenpathos und gegen jede glättende Stromlinie. Stattdessen durchleuchtete Salonen die Partitur con brio in kristalliner Durchsichtigkeit, verlieh ihr packendes Relief und elektrisierende Phrasengestaltung. Kantig und zart, wild und kantabel – genial, wie er Beethovens zerklüftete Welt zwischen hochpräsenten Streichern, prägnanten Holzbläserfarben und explosiven Blech-Attacken auszutarieren vermochte.

Als Gruß aus der finnischen Heimat dann die Fünfte von Sibelius, mit dem man sich hierzulande immer noch schwer tut. Salonen erwies sich freilich als künstlerischer Botschafter, der die diffusen musikalischen Verläufe dramaturgisch gestrafft, vital und scharf belichtet formte und einen höchst differenzierten, gerundeten Klangteppich ausbreitete. Dessen Pianissimo-Valeurs trieb er im zugegebenen „Valse triste“ bis an die Hörbarkeitsgrenze.

Da könnte man noch zum Sibelius-Fan werden …