Lok-Fan werkelt jeden Samstag für die Hespertalbahn

Harald Engelskamp baut nicht nur an den Dampfrössern der Hespertalbahn. Er fährt sie auch.
Harald Engelskamp baut nicht nur an den Dampfrössern der Hespertalbahn. Er fährt sie auch.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Harald Engelskamp hat schon als Kind seine Liebe für die Dampfrösser der Hespertalbahn entdeckt. Seit nun 30 Jahren baut er an den alten Eisen.

Essen.. „Diese Lady kenne ich in- und auswendig, die habe ich komplett auseinander und wieder zusammen gebaut“, sagt Harald Engelskamp und klopft dabei fast zärtlich auf die eiserne schwarze Dame neben ihm. Die steht im neuen Lokschuppen der Hespertalbahn und wird von dem Maschinenbautechniker für den Einsatz zum großen Geburtstagsfest ein letztes Mal geölt, geschmiert und auf Herz und Nieren getestet, bevor sie durch Kohlen befeuert unter Dampf gesetzt wird.

Unter Dampf ist auch Harald Engelskamp, aber auf eine etwas andere Art: Sein Herz brennt seit über 30 Jahren für die Museumseisenbahn am Baldeneysee, seit er als kleiner Junge das erste Mal mitgefahren ist. „Jeden Sonntag habe ich so lange gequengelt, bis mein Vater mit mir hierhin gefahren ist und mich in den Waggon gesetzt hat“, erinnert sich der Werdener. Mit 14 ist er dann in den Verein eingetreten, seitdem sind die Samstage komplett verplant. Engelskamp schraubt, fräst, hämmert und lötet unermüdlich an den nostalgischen Ungetümen.

Harter Kern kümmert sich um den Erhalt

Zu tun gibt es immer etwas, schließlich müssen nicht nur die beiden derzeit einsatzbereiten Lokomotiven (Dampf und Diesel) alle sieben Jahre durchgecheckt werden, im Schuppen wartet auch noch eine weitere Dampflok auf ihre erste Fahrt. „Die 005 bringen wir gerade auf Vordermann“, sagt der 45-Jährige, „aber das dauert noch ein bisschen“. Auch danach kommt keine Langeweile auf: Unter einer Plane versteckt steht die Pörtingsiepen VII, eine original Hespertal-Dampflok, auf dem Abstellgleis; auch sie muss noch in Eigenarbeit komplett restauriert werden.

Dass das irgendwann gelingt, daran zweifelt Engelskamp nicht. „Wir sind ein harter Kern von 15 Leuten, die die Leidenschaft für die Hespertalbahn vereint und die sich jedes Wochenende treffen“, sagt er und wischt die ölverschmierten Hände an seiner braunen Hose ab, die vor Urzeiten mal weiß gewesen sein muss. Nebenan schleift ein Kollege gerade eine Weiche, dass die Funken fliegen und der Geruch von heißem Eisen den Schuppen füllt. „Das ist auch so ein Eisenbahnverrückter wie ich“, sagt Engelskamp. Spaß haben sie alle, „sonst würden wir das nicht machen“. Die Arbeit ist hart, den Luxus eines Lokschuppens genießt der Verein erst seit zwei Jahren, als auch mit Hilfe der Investoren des neuen Wohngebiets Seebogen dieser finanzielle Kraftakt möglich wurde. „Vorher haben wir 38 Jahre lang bei Wind und Wetter unter freiem Himmel geschraubt.“

Samstage bleiben reserviert

Wie die meisten Mitglieder des harten Kerns hat auch Engelskamp eine komplette Ausbildung durchlaufen – vom Bremsbeamten bis zum Lokführer. „Diese Maschinen zu fahren ist einfach das Größte.“ Und es ist ziemlich zeitaufwendig: Bevor so eine Dampflokomotive rollt, muss sie erst mal vier Stunden lang mit Kohle vorgeheizt werden. 1000 Grad herrschen dann im Kessel und lassen Lokführer und Heizer mächtig schwitzen.

Anders als bei manchem Hobby-Eisenbahner erträgt seine Familie seine Leidenschaft ohne Murren. „Samstags gehört Papi mir“ hieß mal ein DGB-Slogan – bei den Engelkamps läuft das etwas anders. „Meine Frau hat mich ja so kennengelernt, die weiß, dass die Samstage für die Hespertalbahn reserviert sind“, sagt er und zeigt dabei ein verschmitztes Jungenlächeln. Und auch die sechs- und neunjährigen Kinder sind verständnisvoll. Eine Ausnahme macht der bekennende Lokalpatriot allerdings: Wenn die Rot-Weissen Zuhause auflaufen, „dann bin ich natürlich dabei“.