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Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht

07.03.2012 | 06:00 Uhr
Ortstermin im Kamptal: Tobias Hartung, Forstverwaltung, mit Roland Haering, Grün und Gruga in der Altholzinsel.Foto: Remo Bodo Tietz

Essen.  Der Konflikt im Schönebecker Kamptal scheint vor einer Lösung zu stehen. Bei einer Ortsbegehung mit den Bezirksvertretern schlug der Leiter der Forstverwaltung, Roland Haering, einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma Biker gegen Bäume vor. Ein Gutachten soll den Schutz der Bäume voran bringen.

 Die alten Buchen im Schönebecker Kamptal sollen ein Modellfall dafür werden, wie Grün und Gruga wertvolle Baumbestände im Wald künftig wirksam schützen kann. In erster Linie vor Dirtbikern , aber auch vor Hundehaltern und Kindern. Die Bezirksvertretung IV wird nach spontaner Bildung einer großen Koalition im Wald die Anschubfinanzierung übernehmen.

Anfang des Jahres hatte Grün und Gruga einen Hilferuf ausgestoßen. Die Verkehrssicherungspflicht zwingt den städtischen Betrieb, auch illegale Nutzer des Waldes vor Unfallfolgen zu schützen. In letzter Konsequenz müssten deshalb die alten Buchen im Kamptal gefällt werden, weil herabstürzende Äste den Radlern gefährlich werden könnten, die sich dort illegal ihre Querfeldeinpisten gebaut haben (wir berichteten).

Hier muss Ruhe reinkommen

Der Hilferuf wurde in der Bezirksvertretung Borbeck zu einem Aufschrei der Entrüstung: Beim Konflikt Bäume gegen Biker formierte sich sofort eine große Koalition zum Schutz der Bäume. Bei einem Ortstermin zeigte Roland Haering, Leiter der Forstverwaltung, den Bezirksvertretern einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma.

Unter den alten Buchen formulierte Haering seine Bitte: Die Bezirksvertreter sollten aus ihrem Etat rund 4000 Euro für ein Gutachten freigeben, das den Geldwert des alten Baumbestandes im Kamptal beziffert und Vorschläge für einen effizienten und rechtssicheren Schutz des Naturschutzgebietes macht.

Vorbild für weitere Gebiete

Mit diesen Argumenten im Rücken sieht sich Grün und Gruga nach Haerings Einschätzung in der Lage, diesen Schutz auch finanziert zu bekommen. Er könnte bestehen aus einer Kombination von Verbotsschilder, Zäunen und Reisigwällen. Haering: „Dies ist ein Kleinod, aus dem wir die Menschen heraus halten müssen. Irgendwie muss hier auch mal Ruhe reinkommen.“ Nach diesem Muster könnte Grün und Gruga später auch die 25 weiteren Flächen schützen, die in den Wäldern der Stadt illegal von Dirtbikern genutzt werden. Auf längere Sicht könnte das Modell auch ein Vorbild sein für weitere Naturschutzgebiete, Altholzbestände und so genannte Referenzflächen, die völlig der Natur überlassen bleiben.

Spontane finanzielle Zusage

Revierförster Tobias Hartung beschrieb, warum die Altholzbestände in den Wäldern aus ökologischer Sicht wichtig sind: „Es gibt alte Bäume, die müssen wir fällen. Und es gibt alte Bäume, die wollen wir nicht fällen. Im morschen Holz haben sich Tierarten über Jahrzehnte auf diesen Lebensraum spezialisiert.“ Neben Insektenarten sind das Vogelarten wie Specht und Kauz.

Coole "Tricks" und mehr im Dirtpark

Spontan sagten Regina Hallmann (CDU) und Ulrich Schulte-Wieschen (SPD) beim Ortstermin auf dem ganz kleinen Dienstweg die finanzielle Unterstützung der Bezirksvertretung zu. Wenn das Geld noch im März frei gegeben wird, könnte Grün und Gruga noch vor der Sommerpause das Gutachten mit der Bewertung des Altholzbestandes auf dem Tisch haben. Haering hofft, im Sommer loslegen zu können mit dem Schutz der alten Buchen.

Kai Süselbeck



Kommentare
07.03.2012
22:02
Abgekartetes Spiel? - 3
von Narkozy | #13


Nein, das Gutachten ist deshalb nötig, um ganz offiziell den "unerwartet geringen" ökologischen Wert festzustellen, um dann in einem zweiten Schritt den Bebauungsplan aus der Tasche zu zaubern.
Aus keinem anderen Grund werden hier willkürlich die Leute gegeneinander aufgehetzt. - Das Ganze ist womöglich nichts als ein abgekartetes Spiel.
Mal auf den Zahn fühlen?

(In Altenessen waren die Grünen vor ein paar Jahren an einer ganz ähnlichen Sache beteiligt. Also von denen kann man alles erwarten, aber nicht unbedingt Unterstützung beim Erhalt von Grünflächen.)

07.03.2012
21:59
Abgekartetes Spiel? - 2
von Narkozy | #12

Keinerlei Spuren von Fahrradreifen; erst recht keine der typischen Erosionsschäden. Und auch keine Spuren irgendeiner Streckenbautätigkeit. Habe zwar die Wege nicht verlassen (Naturschutzgebiet), doch wenn da wirklich was wäre, hätte man den großen Skandal der interessierten Öffentlichkeit doch gern fotografisch präsentiert, oder?

Den Ausschlag gegeben hat die "spontane finanzielle Zusage" der Bezirksvertretung, einen Betrag von sage und schreibe 4000 Euro für die Erstellung eines Gutachtens über den Wert des Baumbestandes bereitzustellen. Jeder weiß, daß die BVen notorisch klamm sind und nicht mir nichts dir nichts 4000 auf den Tisch blättern für eine Information, die die zuständigen Forstbeamten mit hinreichnender Genauigkeit einfach aus dem Ärmel schütteln könnten. Oder der nächste Holzhändler.

Nein, das Gutachten ist deshalb nötig, um ganz offiziell den "unerwartet geringen" ökologischen Wert festzustellen, um dann in einem zweiten Schritt den Bebauungsplan aus der Tasche zu zaub

07.03.2012
21:57
Abgekartetes Spiel?
von Narkozy | #11

Nach meinem heutigen Besuch im Kamptal stellt sich die Angelegenheit ein wenig anders dar:

Die Geschichte von der Verkehrssicherungspflicht erschien von vornherein ungereimt und konstruiert. Bereits bei der Veröffentlichung des ersten Dirtbiker-Artikels hatten sich einige Kommentatoren zu Recht daran gestoßen.
Habe mal in Detmold recherchiert: Die im Artikel vom 17.2.2012 aufgestellten Behauptungen entsprechen so nicht der Wahrheit. Nach meinen Informationen ist kein Waldbesitzer zu Schadenersatz verurteilt worden.

Das Kamptal wirkt insgesamt nicht wie ein gepflegtes Naturschutzgebiet, sondern wie eine der vielen strapazierten Grünflächen, wie man sie in Ballungsräumen eben vorfindet: Ein Jogger, 10 Hunde, übrigens keiner davon angeleint; kein Radfahrer.
Das gesamte Areal ist kreuz und quer durchzogen von Trampelpfaden. Sowas ist jedoch nicht mehr als ein Nachweis planerischen Unvermögens bzw. von Desinteresse an den Bedürfnissen der Bürger.
Aber: Keinerlei Spuren von Fahrradreifen;

1 Antwort
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von frx-rider | #11-1

die Mountainbiker werden nur in Visier genommen,da sie die wenigsten sind.
Die kleine Gruppe kann sich nicht wehren.
Dabei stört jeder der einen Wald betritt den Naturschutz.Selbst der Förster.
Aber auch Hundebesitzer,Jogger und andere.
Demnach dürfte niemand mehr in die Wälder-Sperrzone!
Und dann entscheiden so Leute,"wir müssen den Wald schützen".Naturschutz geht vor.Nach feierabend schnell in den V8 gesetzt (ca 18 Liter Sprit auf 100km) und mit 80 durch die Stadt gebrettert.

Achja arme Welt.Menschen wollen sich eben nur gegenseitig fertig machen.

07.03.2012
11:18
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von E6Z7A8 | #10

Da ist den Teilnehmern der Ortsbegehung sein bar ein großer Ast auf den Kopf gefallen.

07.03.2012
10:35
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von derausEssenkommt | #9

Eine Lösung sieht für mich aber anders aus als die Jugendlichen aus dem Wald zu vertreiben.
Für gröhlende, saufende und pöbelde Fußball Fans ist Geld in Milionenhöhe da aber für Jugendliche die ihrem Sport mit ehrgeiz und sehr hohem persöhnlichem Angagement nachgehen kann nicht mal ein Bereich zur verfühgung gestellt werden.
Diese Leute wollen ja keine fertig gebauten Strecken. Im Gegenteil. Diese Jugendlichen bauen sich ihre Strecken selber. Sie brauchen also nur einen Platz auf dem sie sich austoben können.

4 Antworten
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von thedeep | #9-1

Leider ist der Sport nicht populär und auch zeitweilig recht gefährlich.

Und Jugendlichen, die dafür nicht bezahlen können, ein Waldstück zur Verfügung zu stellen geht ja mal gar nicht. Es könnte sich ja etwas schönes und positives daraus entwickeln. Gemeinschaftsgefühl, Stolz und Ehrgeiz...

Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von assindia1964 | #9-2

Was für eine Lösung schlagen Sie denn vor? Diese "Jugendlichen", die zum Teil deutlich älter sind, wollen sich doch keine Strecken bzw. Areale vorschlagen lassen.

Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von thedeep | #9-3

Zu aller erst keine fadenscheinigen Ausreden mehr auf Seiten der Verantwortlichen.
99% dieser Leute haben sich noch nicht näher mit dem Sport und den Sportlern befasst als Verbote auszusprechen und Verurteilungen über die Presse laufen zu lassen, MTBler machen alles kaputt.

Essen benötigt zu aller erst mal legale Möglichkeiten den Sport auszuüben, bevor man Verbote ausspricht und die MTBler von einer Ecke in die andere scheucht.

Essen hat eine der populärsten CTF-Veranstaltungen NRWs, man sollte auf die lebendige Szene vielleicht auch mal zugehen und da habe ich innerhalb Essens noch nichts von mitbekommen. (Abgesehen von Marketingveranstaltungen wie das geplante 4X-Event auf dem Kennedyplatz).

Statt dessen wird hier angeblich geltendes Recht angeführt, weswegen man sonst angeblich Bäume abholzen müsse, um die illegalen Dirtbiker vor Unfällen zu schützen. Das ist mit Verlaub absoluter Unsinn. Ich habe übrigens noch niemanden für meine Fehler verklagt... (Biker gegen Baum-These)

Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von frx-rider | #9-4

Der Sport gewinnt immer größere Popularität.
In Winterberg findet jedes Jahr das größte Mountainbikefestival in Europa statt!


Bochum,Dortmund,Wuppertal......Alle haben legale Strecken für Mountainbiker.
Und damit meine ich was richtiges.Nicht so einen Zustand wie in Essen-Steele!Das war nur rausgeschmissen Geld.Etwas halbherziges was nurnoch kleine Kinder mit Motorrollern nutzen.Die sich anschließend dort besaufen und kiffen.(aber das wird von der heutigen Jugend anscheinend verlangt).
So sieht die Lösung in Essen aus!Ist echt alles ein bisschen Peinlich was eine Kulturhauptstadt für die Bürger und vorallem für die Jugend macht.

Aber in Essen geht eben die Kultur vor.Ist leider lediglich nichts für Jugendliche.Die Jugend ist die Zukunft.Doch anscheinend nicht in Essen.



Grüße

07.03.2012
10:08
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von glabowski | #8

Wörtlich: „Insbesondere die mangelnde Standfestigkeit von Bäumen im Bestand ist eine typische Gefahr, für die keine Verkehrssicherungspflicht besteht.“
Allerhöchstens eine Ausschilderung eines Gefahrenbereiches, wo sich umsturzgefährdete Bäume befinden, kann erforderlich sein.
An Waldrändern und an Waldwegen sieht das natürlich anders aus. Aber hier geht es ja ums Fahren mitten im Wald.

07.03.2012
10:03
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von MANFREDM | #7

Einige Rollen Natodraht auf den Gefällstrecken würden das Problem lösen.

1 Antwort
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von trickflyer | #7-1

stimmt

07.03.2012
10:01
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von An77 | #6

@foxtrott | #2

..."Ja klasse, einzäunen, der Deutschen liebsten Beschäftigung"...

Leider geht es ja wohl nicht anders. Was soll man sonst tun?
Auf Einsicht der betroffenen "Dirtbikern" brauchen Sie ja wohl nicht zu hoffen...
Das Problem ist ja, wenn etwas passiert und einer dieser Fahrer bekommt mal nen Ast vor seinen Kopf - Was glauben Sie was passiert?
Er wird natürlich nicht eingestehen das er im Unrecht ist, er wird, mittels Klage, noch versuchen Profit aus seiner Dummheit zu schlagen.
Der typische Deutsche heutzutage.....leider.

@thedeep | #3

Eine Lösung wäre die Einhaltung der sog. "Dirtbikern" vom hiesigen Recht. Hier wird keine "Minderheit" eingeschränkt, im Gegnteil. Eine Minderheit ist hier der Meinung auf kosten ihres Freizeitvergnügens (!) über Baum,- bzw. Naturschutz zu stehen.


1 Antwort
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von thedeep | #6-1

Ich habe noch von keinem MTBler gehört, der versucht hat die Stadt zu verklagen, weil er einen Ast vor den Kopf bekommen hat.

Hier werden fadenscheinige Gründe vorgeschoben, weil das Radfahren in freier Wildbahn dem "geordneten Vorstadtbürger" nicht passt.

Biker behandeln den Wald wahrscheinlich besser als die meisten Wanderer und Spaziergänger, die Müll und Flaschen auch schonmal im Wald liegen lassen um dann wieder in ihre Autos zu steigen, denn ohne kommt man ja nicht hin zum Wald...

07.03.2012
09:55
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von glabowski | #5

Bei „Grün und Gruga“ sitzen Leute, die keine Ahnung haben.
Ein Leser hat bereits beim ersten Artikel auf ein Fachpapier zur Problematik der Verkehrssicherungspflicht im Wald hingewiesen.

Danach besteht überhaupt keine rechtliche Veranlassung, ein Waldgebiet abzusperren oder gar abzuholzen, nur weil einem Pilzsammler ein morscher Ast auf den Kopf fallen könnte oder ein Dirtbiker vor einen bösen Baum kacheln könnte. Mitten im Wald Pilze sammeln und Fahrradfahren geschieht auf eigenes Risko. Es ist nicht ein einziges Urteil bekannt, welches diesen simplen Sachverhalt anders sieht. Nachzulesen hier. http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/skript84.pdf Seite 16 – Waldbestände (abseits von Wegen)

07.03.2012
09:34
Lösung scheint bei Essener Dirtbikern in Sicht
von RockytheRooster | #4

In Naturschutzgebieten hat kein Mensch was verloren. Wenn sich daran jeder halten würde, bnräuchte man diese Lösung nicht.
Da aber in unserer egoistischen Spaßgesellschaft jeder meint, das Recht zu haben, sich nicht an geltendes Recht zu halten, finde ich diese Lösung absolut gerechtfertigt.
Und mit dem Fahrrad durch den Dreck kann man auch legal fahren.

1 Antwort
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von thedeep | #4-1

Nur das die Radfahrer ÜBERALL verscheucht werden und mit Zäunen an ihrem Hobby gehindert werden, wenn sie es nicht hochgradig heimlich machen.
Dabei sind Radfahrer weniger schädlich als die meisten anderen Waldbesucher, denn MTBler hinterlassen äußert selten Müll.

Die Versuche Trails zu legalisieren sind mit so vielen Stolperfallen gespickt, dass sich kaum ein oftmals jugendlicher Radler da ran traut.

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