Linguisten fahren zum NSU-Prozess

Die Sprache im aktuellen Gerichtsprozess gegen die rechtsradikale Terror-Organisation NSU steht im Fokus von Essener Sprachforschern. Wie wird über den NSU-Prozess berichtet und was sagt das über den Sprachgebrauch aus? Das wollen vier Studierende der Universität Duisburg-Essen (UDE) erkunden. Zusammen mit der Sprachwissenschaftlerin Dr. Derya Gür-Şeker fahren sie in dieser Woche an das Münchener Oberlandesgericht, um zwei Sitzungen des Gerichtsverfahrens persönlich verfolgen zu können.

Zwei Sitzungen werden verfolgt

Dr. Derya Gür-Şeker: „Wir wollen untersuchen, wie im Gerichtssaal gesprochen wird und wie die Medien den Prozess wiedergeben. Welche Wörter werden verwendet? Wie werden mutmaßliche Täter, Opfer und zentrale Akteure bezeichnet? Wie genau und detailliert können die journalistischen Protokolle überhaupt sein – ohne Aufzeichnungsmöglichkeit?“ Den Studierenden soll auf diesem Weg praktisch vermittelt werden, dass sich sprachwissenschaftliche Methoden auch auf gesellschaftspolitisch relevante Themen anwenden lassen und Rückschlüsse darauf erlauben, wie sensibel mit der Sprache öffentlich umgegangen wird.