Liederabend mit gepflegten Grenzen

Das war einmal ein Programm fern der Ödnis üblicher Recitals. Maximilian Schmitt, neu aufzubauende Tenor-Hoffnung, stellt sich mit einer Arie aus Schuberts „Fierabras“ vor, geht dann über eine Romanze aus Webers „Euryanthe“ zu Heinrich Marschners „Wie ein schöner Frühlingsmorgen“ aus der Oper „Der Vampyr“. Und beweist mit der einst vielgeliebten Hymne aus Friedrich von Flotows „Alessandro Stradella“, dass der schwärmerische Ton des komponierenden mecklenburgischen Uradligen heute noch das Ohr entzückt. Leider wurde Flotows freundlich-ironische „Martha“ – die Arie gab Schmitt als Zugabe – seit geraumer Zeit an Rhein und Ruhr nicht mehr gespielt.


Klar, dass der junge Sänger auch mit Bekannterem zeigen will, was ihn ihm steckt; mit Webers „Freischütz“ etwa, oder mit dem Gebet aus Wagners „Rienzi“. Seine gepflegte Artikulation nimmt für ihn ein, die gleichmäßige Führung der Stimme kann überzeugen. Schmitt weiß, wovon er singt: Die Qualität der musikalischen Rede verrät es. Stimmliche Mittel dagegen sind begrenzt: ein fester, kaum flexibler Ton, eine oratorienhaft kühle Lyrik. Die Farben fehlen; das Hymnische von Flotows „Jungfrau Maria“ bleibt ihm ebenso im Hals stecken wie das Entsetzen in Marschners „Vampyr“. Patrick Lange leitet das WDR Sinfonieorchester Köln. Ein toller Klangkörper, ein sorgsam waltender Dirigent der modernen Sorte: Langsames droht zu zerfallen, Schnelles wird überhetzt.