„Liberté, Égalité, Tätärätä“ – Karnevalisten können Politik

Der Karneval in den Stadtteilen ist aber nicht nur familiär, sondern kann sogar politisch sein. Wie in Werden. Gleich mehrere der Bollerwagen greifen die Terroranschläge in Paris und ihre Nachbeben auf – und die Motivmacher trauen sich sogar einen Seitenhieb in Richtung der übergroßen Karnevalshochburg Köln zu.

„Charly est Werden“ steht auf einem der Bollerwagen, vorneweg laufen ein Mann und eine Frau, verkleidet als Charly Chaplin. Die Anspielung auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den nach dem Anschlag mit zwölf Toten weltweit bekannt gewordenen Slogan „Je suis Charlie“ ist unverkennbar. Auf der Vorderseite des Wagens wird die Politik mit karnevalistischem Humor gewürzt: „Liberté, Égalité, Tätärätä“ heißt es dort in bunten Buchstaben. Ein anderer Bollerwagen stellt die „Motivfrage“, über die in den Wochen vor dem Kölner Rosenmontagszug diskutiert worden war. Dort stoppte das Festkomitee den Bau eines Charlie Hebdo-Wagens – in Werden fällt dazu der Spruch: „Ohne Karikatur und Persiflage wär’s Närrische auch im A...Eimer.“ Die „Alten Weiber“ des Stadtteils geben zu guter Letzt den Feinden der angeblichen Islamisierung des Abendlandes ihr Fett weg: „Aule Wiewer statt Pegida“ skizziert ihr Bollerwagen.

Dem Essener Prinzenpaar dürfte es gefallen haben, wenngleich ihnen vom Werdener Rathausbalkon wahrscheinlich der Blick für die Details fehlt. Für Wolfgang I. und Nicole II. ist es ein anstrengender Tag, nach dem Besuch in Werden geht es für sie weiter beim „Schweinekarren-Rennen“ im Altenessener Allee-Center, wohl nicht der letzte Einsatz an diesem Tag und schon gar nicht in diesen Tagen: Beim Rosenmontagszug in Rüttenscheid werden sie für zwei Stunden auf einem der Wagen unterwegs sein. Zu Essens zentralem Rosenmontagszug werden rund 100 000 Menschen erwartet. Start ist um 13.11 Uhr auf dem Platz vor der Grugahalle, das Ziel liegt an der Rolandstraße.

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