Lernen fürs Leben

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch. Sonst hieße es ja Buchung.“ – Zugegeben, diese großen Worte stammen nicht von mir, sondern von Kabarett-Altmeister Dieter Hildebrandt, doch sie treffen ganz gut, worüber Deutschland seit der Twitter-Nachricht einer 18-jährigen Schülerin leidenschaftlich diskutiert – nämlich die Frage, was Kinder und Jugendliche in der Schule heute lernen sollen. Die junge Dame schrieb wörtlich: „Ich bin fast 18 und hab’ keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Donnerwetter. Da sag noch mal einer, die Jugend von heute verfüge über mangelnde Selbstreflexion.

Als Reaktion auf diese entwaffnend ehrliche Aussage bietet sich ein schier unerschöpflicher Fundus wohlmeinend-pädagogischer Binsenweisheiten an wie: „Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben.“ Dicht gefolgt von: „Man muss nicht alles wissen – man muss nur wissen, wo es steht.“ Was die Generation Google betrifft, hat Dieter Hildebrandt mal wieder Recht behalten. Ein paar Mausklicks investiert – dann klappt’s auch mit den Versicherungen. Und mit dem Erlkönig sowieso. Schöne neue Welt.