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Lebern schenken Leben

22.10.2008 | 19:22 Uhr

GESUNDHEIT. Im Transplantationszentrum des Uniklinikums wurde die 3000. Leber und 1500. Niere verpflanzt. Aber: 12 000 Patienten stehen derzeit bundesweit auf der Warteliste für ein neues Organ.

Neue Lebensqualität, neues Leben: Franz Brecklinghaus und Barbara Völker. (NRZ-Foto: Uniklinikum) TRANSPLANTATIONSZENTRUM: ZAHLEN UND FAKTEN

"Ich spreche jeden Morgen mit dem Spender, wo immer er auch sein mag, und verspreche ihm, dass sein Geschenk bei mir gut aufgehoben ist", sagt Barbara Völker. Die 49-Jährige bekam 2004 am Transplantationszentrum des Uniklinikums eine neue Leber eingepflanzt, als sie nach kurzer Krankheit von akutem Leberversagen bedroht war. Mittlerweile konnte das Transplantationszentrum 3000 Nieren und 1500 Lebern verpflanzen. 4500 Geschenke also, die die Lebensqualität Schwerstkranker verbesserten, Leben retteten. Anläßlich des Jubiläums wurden jetzt drei Empfänger von Spenderorganen zur Feierstunde eingeladen.

Barbara Völker führt heute mit ihrer kleinen Tochter ein ganz normales Leben. Ihre Mutter und ihre Schwester starben an Leberkrankheiten. Bei ihr selbst brach die Krankheit schnell aus, sie war innerhalb von nur vier Wochen von akutem lebensgefährlichen Leberversagen bedroht. "Damals hatte ich zehn Schutzengel. Das sagten mir auch die Ärzte. Es wurde ganz schnell eine passende Leber gefunden, und ich konnte nach wenigen Stunden in Essen operiert werden. So wurden mir bis heute vier Jahre geschenkt, und es geht mir gut. Mittlerweile kann ich die Leber als meine eigene annehmen."

Zu den Beschenkten gehört auch Franz Brecklinghaus (66). Er lebt seit 28 Jahren mit einer neuen Niere, die er von einem verunglückten jungen Motorradfahrer bekommen hat. Nach vier qualvollen Jahren der Heimdialyse, bei denen er seine Kinder mit blutdurchströmten Schläuchen erschreckte. Nach der Transplantation entdeckte der leidenschaftliche Tischtennisspieler den Sport für sich und hat mittlerweile knapp 50 Titel errungen, unter anderem bei den internationalen Meisterschaften der Transplantierten. "Die zähle ich schon gar nicht mehr", so der wesentlich jünger aussehende 66-Jährige.

Tim (17) war von Geburt an schwer krank, hat einen langen Leidensweg hinter sich. In Essen bekam er seine zweite Spenderniere und eine neue Leber. Damals war er elf. Auch wenn er, wie alle Transplantationspatienten, darunter leidet, dass er Medikamente nehmen muss, die die Abstoßung der Organe verhindern. Aber, so sagt er, er führt ein ganz normales Leben, treibt Sport. Sein Hobby und seine Leidenschaft ist der Fußball. Ob er vielleicht mal Arzt werden möchte? "Ja, wäre nicht schlecht", sagt er. Eine Chance, Geschenke zurückzugeben. (dang)Seit 1972 wurden am Uniklinikum 4500 Nieren und Lebern transplantiert. Derzeit sind 100 Mitarbeiter, darunter 30 Chirurgen, mit Transplantationen von Nieren, Lebern und Lungen befaßt. Das beinhaltet auch psychosomatische Begleitung. Da in Essen viele Schwerstkranke behandelt werden, ist die Versorgung mit Organen durch "Eurotransplant" gut, heißt es. Insgesamt ist die Zahl der geeigneten Organe jedoch rückläufig. Die Klinik für Transplantationschirurgie war im vergangenen Jahr wegen der Ermittlungen gegen den suspendierten Chirurgen Prof. Christoph Broelsch in die Schlagzeilen geraten.

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