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Lebendig und aktiv

06.10.2008 | 18:38 Uhr

Vor sechs Monaten übernahm Professor Dr. Ulrich Radtke das Amt des Rektors der Universität Duisburg-Essen. Im WAZ-Interview berichtet er von seinen ersten Eindrücken und erläutert zukünftige Aufgaben.

Voller Optimismus und Tatendrang  nahm er im Frühjahr seine Arbeit als Rektor der Universität Duisburg-Essen (UDE) auf. Inzwischen ist Prof. Dr. Ulrich Radtke seit gut sechs Monaten im Amt, hat sich einen Überblick verschafft und hat auch schon ein Rumoren in den Geisteswissenschaften überstanden. Im WAZ-Interview berichtet er von seinen ersten Eindrücken.

Wie haben Sie die erste Zeit an der UDE erlebt?Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Und nach dem ersten Kennenlernen sind wir nun auf der Arbeitsebene angekommen. Seit Anfang Oktober ist auch das Rektorat personell komplett besetzt.

Gibt es Bereiche, in denen es hakt?Nein. Ich habe zwar angekündigt, alles kritisch anschauen zu wollen. Aber ich sehe momentan keinen Bereich, in dem es brennt.

Die ersten Monate brachten sogleich Aufregung in die Geisteswissenschaften. Romanistik und Philosophie bangen um ihre Existenz. Wie geht es weiter?Die Fächer bleiben natürlich. Wir haben einen sehr fruchtbaren Dialog. Um die Absolventenzahlen zu verbessern, sollen ein verstärktes Tutorenprogramm und ein obligatorisches Auslandssemester eingeführt werden. Zudem ist eine zusätzliche Professur für die Didaktik der romanischen Sprachen in Aussicht gestellt. Linguistenkongress und der Kongress der Philosophie waren kürzlich erfolgreich.

Zum Profil der UDE gehören also auch zukünftig gut aufgestellte Geisteswissenschaften?Die Geisteswissenschaften sind ein integraler Bestandteil der Universität.

Aber die MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieur-, Naturwissenschaften, Technik) sollen gestärkt werden, da es an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren mangelt. Ja, aber es geht darum, bereits vorhandene Kapazitäten in diesen Fächern zu nutzen und mehr Studenten in diese Fächer zu locken. Das bedeutet aber nicht, dass das auf Kosten der Geisteswissenschaften geht.

Zum Wintersemester soll die bundesweit einzigartige Online-Lernplattform der Hochschul-Allianz mit einem virtuellen Campus der Ruhrgebiets-Universitäten starten. Was ist der Hintergrund?Es soll ein Mehrwert für die Studenten entstehen, auch die Lehrangebote anderer Universitäten nutzen zu können.

Steht ein Gedanke dahinter, zukünftig Lehrveranstaltungen einsparen zu können?Nein, absolut nicht. Lehren heißt auch Präsenz. Ich sehe in dem virtuellen Campus eher Chancen, als eine Gefahr. Er soll kein Ersatz für Lehrveranstaltungen sein.

Wie entwickeln sich die Planungen hinsichtlich der Anbindung der Uni an die Innenstadt?Noch in diesem Monat soll der Wettbewerb zur Gestaltung des Bereichs zwischen Innenstadt und Uni ausgeschrieben werden. Das „Tor zur Stadt - Tor zur  Universität” mit einer neuen Bibliothek soll sichtbar sein. Es soll dadurch leichter studentisches Leben  in die Stadt getragen und die Bevölkerung verstärkt in die Uni gelockt werden.  Ich bin gespannt auf die Lösungen der Architekten. Der Zeitpunkt, diese Planung jetzt anzugehen, ist günstig, um mit Krupp-Gürtel- und Limbecker-Platz-Gestaltung auch diesen Innenstadtbereich attraktiver zu machen.Worin liegen die Aufgaben der nächsten Monate?Die UDE ist eine lebendige und aktive Uni. Es gilt nun Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit allen Fachbereichen zu treffen. Zudem muss sich die UDE im Wettkampf der Universitäten behaupten. Die Zukunft der Universität entscheidet sich über gute Berufungen. Außerdem möchten wir beim nächsten Exzellenz-wettbewerb punkten.

Laut Studien zieht es immer weniger Studenten an die Hochschulen. Würden Sie heutzutage studieren?Unbedingt! Jeder der die Fähigkeit dazu hat, sollte es tun. Vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens, sollten junge Leute die bestmöglichen Chancen nutzen.

Interview: Andrea Kleemann

Zur Person: Prof. Dr. Ulrich Radtke ist seit April Rektor der Universität Duisburg-Essen. Zuvor war er Leiter der Arbeitsgruppe Quartätforschung und Geoökologie imInstitut für Geographie der Universität Köln und Dekan der Mathematischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät. Radtke ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Töchtern und einem Sohn. Radtke studierte in Düsseldorf und schrieb seine Habilitation über das Problem von Meeresspiegelschwankungen anhand von Fallstudien aus Chile, Argentinien und Barbados.

Andrea KLEEMANN

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