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Gewalt gegen Kinder

Vernachlässigung - Besorgte Nachbarin informiert Jugendamt

02.11.2012 | 06:00 Uhr
Vernachlässigung - Besorgte Nachbarin informiert Jugendamt
1060 Meldungen über Gewalt in Familien gingen 2011 beim Jugendamt ein.Foto: Dirk Bauer

Essen.  Wegschauen oder reagieren? Eine Essenerin sorgt sich um das Wohl eines 14-jährigen Nachbar-Mädchens. Nun hat sie das Jugendamt eingeschaltet – und bis heute keine Rückmeldung bekommen. Das Amt sagt, es nehme jeden Fall ernst und erklärt, wie es in solchen Fällen reagiert.

Ein vernachlässigtes Mädchen, eine besorgte Nachbarin – und das Gefühl, dass das Jugendamt nichts tut. Das Amt sagt: „Wir nehmen jeden Fall ernst.“ 300 Kinder nahm es im Jahr 2011 sofort aus ihren Familien.

Manchmal sieht sie Laura* noch durchs Fenster und winkt der 14-Jährigen zu. Maria Kellermann* will dem Mädchen zeigen: „Ich hab’ dich nicht vergessen“. Laura hat früher mit ihren Kindern gespielt, kam zur Nachhilfe. Das habe Lauras Mutter nun untersagt, da Maria Kellermann das Jugendamt informiert hat.

"Ob Gewalt im Spiel ist, wissen wir nicht"

Die Nachbarin sorgt sich: „Ob Gewalt im Spiel ist, wissen wir nicht.“ Aber die 14-Jährige sei völlig verwahrlost, gehe mit immer gleichen, nicht passenden Kleidern zur Schule. „Da wird Laura ausgegrenzt und gemobbt“, hat Maria Kellermann von dem Mädchen erfahren. Laura habe in letzter Zeit oft jämmerlich geweint, habe gebrüllt, dass sie nicht mehr nach Hause wolle, sei nicht zu beruhigen gewesen: „Dabei ist sie sonst ein ruhiges, verschlossenes Mädchen.“ Maria Kellermann will helfen, ist nun aber selbst hilflos und enttäuscht: „Immer wieder hört man, dass Nachbarn nicht wegschauen dürfen.“ Nun hat sie das Jugendamt eingeschaltet – und bis heute nichts gehört. „Tut sich überhaupt was?“

Mehr öffentliche Aufmerksamkeit

Ulrich Engelen, stellvertretender Amtsleiter des Jugendamtes, hat Verständnis dafür, dass Melder auf einen Rückruf seiner Mitarbeiter hoffen. Doch jeder noch so oberflächlich gehaltene Rückmeldung ist auch schwierig, weil sie das Datenschutzgesetz verletzt, sagt er. Das beginnt schon mit der Information, dass das Jugendamt die betroffene Familie besucht hat.

Meldung vom 19.9.12
Im

Die Stadt muss am Personal sparen und das in allen Bereichen. Geht es nach der Verwaltung, soll im „Familienpunkt“ eine Stelle abgebaut werden....

Die Sozialpädagogen und -arbeiter haben ihre Arbeitsplätze in neun Außenstellen in den Stadtbezirken. Im Vorjahr bekamen sie 1060 Meldungen, bei denen sie sofort tätig geworden sind. Diese Zahl wird 2012 noch überschritten werden, sagt Engelen. Vor fünf Jahren waren es rund 700. „Das sind keine Fälle, in denen ein Kind zu spät zum Unterricht kommt, sondern akute Kinderschutzfälle, sagt es Engelen, der vom Kevin-Effekt spricht. Mit dem Tod des Jungen wurde 2006 erstmals ein Fall öffentlich, in den ein Jugendamt involviert war, sagt Engelen. „Danach ist die öffentliche Aufmerksamkeit deutlich gestiegen.“

Fachleute müssen die Situation betrachten

Kommen die Meldungen über Gewalt, Missbrauch oder Misshandlungen beim Jugendamt an, rücken zwei Mitarbeiter aus: in Kitas, Schulen oder zu den Familien. Sie müssen Zugang zu den Eltern finden, ohne dass das gleich die Nachbarn erfahren. In der Regel gelingt es ihnen, die erste Aufgeregtheit der Betroffenen aufzulösen, so dass ein Gespräch möglich ist, sagt Engelen. Zudem müssen die Fachleute die Situation betrachten, um das Gefahrenpotenzial für das Kind einschätzen zu können. Hinweise kann eine schimmelige und absolut vermüllte Küche geben oder eine in Kinderhöhe abgeknibbelte Tapete im Kinderzimmer, in dem das Kind vielleicht tagelang eingesperrt ist.

„In 80 Prozent der gemeldeten Fälle besteht Handlungsbedarf“, sagt Engelen. In den meisten geht es um Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder suchtkranken Eltern. Ein steigendes Problem seien die psychischen Schwierigkeiten der Eltern und Kinder, die in der Schule über und Tische und Bänke gehen oder Mitschüler im Internet mobben , sagt Engelen.

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Kommentare
04.11.2012
15:52
Vernachlässigung - Besorgte Nachbarin informiert Jugendamt
von Moehrenbaby74 | #9

Ich möchte mal eine Lanze für "das Jugendamt" im Allgemeinen brechen.
In meinem Beruf habe ich es des Öfteren mit vernachlässigten Kindern zu tun,...
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/laura-weint-oft-und-will-nicht-nach-hause-id7249630.html
2012-11-02 06:00
Essen, Gewalt, Kinder, Jugendamt, Jugendliche, Misshandlungen
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