Lasst die Kinder bolzen!

Die Vorstellung ist irgendwie absurd: Es ist Sommer, lange hell, die Hausaufgaben sind erledigt. Man will raus, Freunde treffen, sich bewegen, herumbolzen, Spaß haben. Ein geeigneter Platz, sogar mit Kunstrasen ausgestattet, ist vorhanden. Er wurde eigens angelegt, um gemeinsame sportliche Betätigung außerhalb der Vereine mit ihren festen Trainingszeiten zu fördern. Doch der Platz ist abgeschlossen, wird erst morgens um 8 Uhr wieder geöffnet, wenn niemand aus der Zielgruppe Zeit zum Bolzen hat.

Gibt es nicht diverse Bemühungen, den Nachwuchs vom Computer wegzulocken und ihn zu motivieren, sich draußen zu bewegen? Schlagen Mediziner nicht ständig Alarm, dass Jugendliche oft zu dick und zu wenig fit seien?

Indem man einen tollen Bolzplatz für viel Geld anlegt, ihn aber genau dann abschließt, wenn Kinder und Jugendliche Zeit zum Toben haben, sorgt man nur unnötig für Frust. Natürlich haben die Anwohner ein Recht auf Ruhe. Der eingeschlagene Weg, miteinander zu reden und Verständnis für den anderen zu entwickeln, war und ist aber richtig. Statt diesen jetzt aufzugeben und einen Schließdienst zu engagieren, sollte man weiter auf Dialog setzen. Manche Dinge brauchen eben etwas länger.