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Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen

20.09.2012 | 15:56 Uhr
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Um dieses Gelände ging es: Vorne Schacht 1/2/8, hinten die Fläche. Das Bild stammt von 2008.

Essen.   Seit Ende 2005 war der saudische Scheich Hani Yamani in Gesprächen mit Stadt, Stiftung Zollverein und dem Land über den Bau einer „Designstadt“ auf Zollverein. Jetzt ist er raus. Das Land hat den Kaufvertrag gekippt, unter anderem, weil Yamani den Kaufpreis für ein Gelände auf dem Weltkulturerbe nicht bezahlt hat.

Das NRW-Bauministerium kippt den Kaufvertrag mit dem saudischen Scheich Hani Yamani über das Gelände für die Designstadt auf Zollverein. Yamanis Unternehmen mit Sitz auf Malta hat weder den Kaufpreis noch die Wettbewerbskosten für das mehr als 30.000 Quadratmeter große Grundstück auf dem Weltkulturerbe bezahlt.

Seit Ende 2005 war der 45 Jahre alte saudische Scheich in Gesprächen mit Stadt, Stiftung Zollverein und dem Land über den Bau einer „Designstadt“ auf Zollverein.  Nach einer erfolglosen europaweiten Ausschreibung des Projekte s waren die deutschen Partner erneut an Yamani heran getreten. Nach weiteren zähen Verhandlungen war Ende März der Kaufvertrag geschlossen worden.

Weltkulturerbe
Saudischer Scheich kauft 31.500 Quadratmeter Zollverein

Der saudische Scheich Hani Yamani wird auf dem Zechengelände für rund 120 Millionen Euro ein Hotel, Büros und einen Neubau für Design-Studenten der...

Vertraglich verpflichtet hatte sich Yamani zum Bau eines Gebäudes für die Designstudenten der Folkwang Universität der Künste als Ergänzung zum Sanaa-Gebäude  an der Gelsenkirchener Straße , das die Folkwang-Uni schon seit 2010 nutzt. Die Kosten für den Design-Neubau beziffert das Land auf  56,4 Millionen Euro.  Zudem plante der Scheich den Neubau eines Hotels und von Bürogebäuden, in die Designer und Firmen der Kreativwirtschaft einziehen sollten. Das Gesamtvolumen des geplanten Engagements der Yamani-Firma „Hazy Trading Est & Associates Ltd.“ wurde auf 140 Millionen Euro beziffert.

"Rücktritt vom Vertrag unvermeidbar"

Trotz mehrerer Fristverlängerungen sei der Investor seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen, sagte Gunther Adler, Staatssekretär im Bauministerium und stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates Zollverein: „Dadurch war für das Land der Rücktritt vom Vertrag unvermeidbar.“

Der Düsseldorfer Konsul Claus Wessing, der den Scheich die gesamte Zeit über vertreten und begleitet hatte, erklärte hingegen, der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB habe sich mit der Beglaubigung eines letzten, entscheidenden Papiers zu viel Zeit gelassen. Darin sei es um eine pauschale Entschädigung von 900.000 Euro für das Land gegangen, wegen der neuen Verzögerungen, die seit dem Frühjahr wieder entstanden sind. „Da vergingen Monate“, sagt Wessing, „in denen dem Scheich die ersten Partner abgesprungen sind.“

Gourmetmeile auf Zollverein 2012

"Das wird knapp“

Das Bauministerium sucht nun einen neuen Investor für den Folkwang-Bau, damit die Designstudenten wie geplant Ende 2014 ihr Domizil auf Zollverein beziehen können . „Das wird knapp“, räumt Ministeriumssprecher Bernhard Meier ein. „Notfalls baut das Land in Eigenregie“ - mit der Landestochter BLB, die den Neubau der Musikbibliothek gestemmt hat. Die Folkwang Uni jedenfalls pocht auf den Zeitplan: „Wir freuen uns darauf, Ende 2014 auf Zollverein mit allen Werkstätten, Mitarbeitern, Lehrenden und Studierenden umzuziehen“, sagt Rektor Prof. Kurt Mehnert. Mahnender Nachsatz: „Für den Fachbereich Gestaltung ist dies von existenzieller Bedeutung.“

Die Zukunft von Hotel und Design-Gewerbebau ist dagegen wieder völlig offen. Die Stiftung Zollverein ließ durchblicken, das Bekenntnis des Landes zum  Folkwang-Neubau sei derzeit das Wichtigste. Das meint auch Essens Chefplaner Hans-Jürgen Best, der es als bitter empfindet, nach so vielen Jahren der Verhandlung nun wieder „mit leeren Händen dazustehen“: „Wir hoffen, dass der Neubau für die Folkwang-Uni, trotzdem fristgerecht entstehen wird.“

Kai Süselbeck und Martin Spletter

Kommentare
21.09.2012
09:41
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von formicat | #5

Na denn man zu!
Wenn das Land selber baut, werden es mit sicherheit eher 156,4 Mio € (siehe z.B. Duisburg).
MfG
4micat.

21.09.2012
01:00
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von boehmann | #4

G... sie Dank, eine Ruine weniger. Diese Fläche wird man noch benötigen als Mehrzweck - Platz für Kirmes , Busparkplatz , Demonstrationen (Tahrierplatz), Austragungsort für Stock Car Rennen, Austsellungsfläche für Oldtimertreffen, Trödelmarkt, zusätzlicher PPlatz für Zeche Zollverein, Campingplatz für Landfahrer, Zeltstadt für Katastrophen, ...usw.

1 Antwort
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von The_Rebel | #4-1

..oder einfach ein paar Bäume pflanzen und den Rest die Natur machen lassen. Ist billiger und schöner als jedes Gebäude!

20.09.2012
18:35
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von spindoctor | #3

Nun hat auch NRW hat seinen Nürburgring.

Ok, nicht ganz, aber irgendwie muss das Geld doch rauszuhauen sein, nicht dass es in der Landeskasse verschimmelt. Nicht, dass jetzt einer fragt - welches Geld?

20.09.2012
17:23
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von damalsinessen | #2

Es ist zudem ein Zeichen der groben Ahnungslosigkeit (im Bereich der Terminstrukturen bei Planung- und Abwicklung von Bauprojekten) hier noch von einem Einzugstermin Ende 2014 im Falle einer schnellen Realisierung mit einem anderen Investor zu reden. UTOPISCH und unrealistisch! Die tatsächlichen Kosten dürften zudem ohnehin deutlich höher liegen.

Herr Meier ist somit typisch für die Politik die Dinge schön zu reden. Hoffe, das nicht das Land/ bzw. die Stadt hier an Zollverein noch Steuergeld versenkt.

20.09.2012
16:43
Land NRW kippt Vertrag mit Scheich über Projekt Designstadt Zollverein in Essen
von damalsinessen | #1

Kein Wunder, dass der Scheich einen Rückzieher gemacht hat. Bei auch nur ein wenig Ahnung über Wirtschaftlichkeit bzw. Projektentwicklung von Immobilien, wird man schnell zu dem Schluss kommen, dass die ganze Bebauung ein reines Verlustgeschäft ist.

Bei ehrlicher Betrachtung kann man die Investitionskosten direkt das Klo herunterspülen. Das hat anscheinend der Scheich bzw. seine Betrater auch erkannt.

Entweder die ohnehin bankrotte Stadt Essen verschenkt das Grundstück und finanziert einem Investor einen langfristigen Mietvertrag in dem Projekt von rd. 10EUR/m² oder die Sache ist einfach langfristig unwirtschaftlich.

Es müsste sich schon ein Liebhaber finden bzw. eine Stiftung die Verluste aus einem solchen Projekt locker verkraften kann, denn mit der "Kreativwirtschaft" und einem Hotel dürfte die Investition ein großes schwarzes Millionengrab werden.

Wenn man in Essen jedoch Geld für eine neues Stadion hat, dürfte der Steuerzahler Zollverein evtl. auch noch finanzieren.

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