Lärmschutz: Pseudowahl für Politik

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Essener Norden..  Die Deutsche Bahn stellt die Bezirksvertretung IV (Borbeck) vor die Wahl: Welche Farbe sollen die Lärmschutzwände entlang der Bahnlinien im Essener Norden bekommen? Die Bezirkspolitiker werden – scheinbar – nach ihrem Geschmack gefragt. Doch die Weichen hat die Bahn schon lange vorher gestellt: Die Wände werden grün.

Das Programm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ ist inzwischen über ein Jahrzehnt alt. Für 920 Mio. Euro wurden in dieser Zeit Lärmschutzwände in einer Länge von 1400 Kilometer errichtet. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Allerdings sollen auch 155 Mio. Euro, die zur Verfügung standen, nicht abgerufen worden sein.

Im Essener Norden wartet man schon seit mehr als zehn Jahren auf den Lärmschutz. Bei einer Informationsveranstaltung im Haus Kuhlmann an der Haus-Horl-Straße hatten Ingenieure der Deutschen Bahn die geplanten Schutzmaßnahmen vorgestellt – das war am 30. November 2005.

Seitdem ist nicht viel geschehen. Wie sehr der Lärm an den Nerven der Anwohner in den nördlichen Stadtteilen zerrt, lässt sich auf der Internetseite „Essen soll leiser werden“ nachlesen. Sie wurde eingerichtet, damit die Bürger am Lärmaktionsplan mitarbeiten und damit einen „wichtigen Beitrag zur Lebensqualität“ liefern können. So könne man sich z. B. auf der Kaiserswerthstraße in Karnap, mehrere hundert Meter entfernt von der Güterstrecke, auf der Terrasse kaum unterhalten, wenn ein Zug vorbeifährt, klagt ein Anwohner.

Inzwischen ist der Bau der Schallschutzwände genehmigt, rund 3,8 Mio. Euro werden in den sogenannten „Knoten III“ investiert. Allerdings bittet die Bahn-Tochterfirma die Bezirksvertretung zuvor, ihr die gewünschte Farbe mitzuteilen. Erst dann könne die Heberger System-Bau aus dem Raum Ludwigshafen mit dem Bau der Lärmschutzwände beauftragt werden.

Im gleichen Schreiben erhalten die Lokalpolitiker aber schon den Hinweis, in welche Richtung sie sich entscheiden sollten: Die Wände in „zentrumsfernen Stadtbereichen“ wie Karnap und Dellwig (und auch Kray-Süd) sollten in grünen Tönen ausgeführt werden.

Wann die Lärmschutzwände nun tatsächlich errichtet werden, steht damit aber noch nicht fest. Laut städtischer Homepage werde es bis 2017 dauern. Gestern waren weder von der Stadtverwaltung noch von der Deutschen Bahn Stellungnahmen zu erhalten.

Derzeit werden Lärmschutzwände im Bereich des Bahnhofs Bergeborbeck auf einer Länge von 260 Metern errichtet.