Kursfahrt wegen randalierender Schüler abgebrochen

Eine Kursfahrt sorgte am Helmholtz-Gymnasium für einigen Wirbel.
Eine Kursfahrt sorgte am Helmholtz-Gymnasium für einigen Wirbel.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Am Helmholtz-Gymnasium musste eine Kursfahrt abgebrochen werden, weil drei Schüler in der holländischen Ferienanlage randalierten. Kein Einzelfall in Essen - so stehen die umstrittene Motto-Wochen und der Abi-Scherz ohnehin vor dem Ende.

Essen.. Es hätte eine entspannte Woche in Holland werden können für die 26 Jungen aus dem Sport-Leistungskurs des Helmholtz-Gymnasiums. Weil drei von ihnen aber über die Stränge schlugen und betrunken in der Bungalowanlage randalierten, mussten die Lehrer die Fahrt vor den Herbstferien nach nur zwei Tagen abbrechen.

Ein Vorfall, der unter Eltern und Lehrerschaft für Wirbel sorgte - und in der Essener Schullandschaft kein Einzelfall ist: Zuletzt einigten sich die Schulleiter im Sommer auf ein Verbot von Abischerzen und Mottowochen, nachdem brennende Papierkörbe, massive Beeinträchtigungen im Schulbetrieb und nicht zuletzt der Alkoholmissbrauch einzelner Schüler den Verantwortlichen der Schulen am Ende keine Wahl gelassen hatten.

Schüler tragen Konsequenzen

Beate Zilles, Schulleiterin am Helmholtz-Gymnasium, will den Vorfall nicht herunterspielen - ihn aber auch nicht pauschal als Indiz für eine Verrohung heutiger Schüler gelten lassen: „Spanien, Tschechien, Österreich - rund 180 Schüler haben in diesem Jahr an Kursfahrten teilgenommen, ohne, dass etwas Erwähnenswertes passiert wäre.

Das ist vergleichbar mit Fußball, wo einige wenige Fans ein schönes Spiel in Misskredit ziehen können. Nur, dass eine Schule so etwas nicht hinnehmen kann und darf.“ Löblich sei, dass die betroffenen Schüler für ihr Verhalten gerade stehen und den Schaden begleichen wollen - schließlich musste sogar eine professionelle Putztruppe anrücken, um das Chaos zu beseitigen.

Auch die Eltern stünden voll hinter den Konsequenzen, die eine kleine Schulkonferenz noch beschließen muss. Zilles ist jedoch vor allem der pädagogische Auftrag wichtig - mit der Null-Toleranz-Erziehung der Fünfziger-Jahre hat sie nichts am Hut: „Eine Schule muss pädagogische Grenzen setzen - ihren Schülern aber dennoch eine zweite Chance gewähren, Vertrauen zurück zu gewinnen“, sagt sie.

Ergebnis des schulischen Leistungsdrucks

Prof. Wilfried Breyvogel, der an der Uni Duisburg-Essen bis 2007 u.a. die Arbeitsgruppe für pädagogische Jugendforschung leitete, sieht in der Häufung der Schüler-Exzesse auch ein Ergebnis des schulischen Leistungsdrucks. „Dass in der Gruppe Hemmschwellen sinken, ist nicht ungewöhnlich. Zudem spielen der gestiegene Druck und eine größere Toleranzgrenze an den Schulen und in der Erziehung eine wichtige Rolle.“

Das mag Beate Zilles nicht in allen Punkten bestätigen. Wohl aber hat sie in den vergangenen 30 Jahren ihres Schuldienstes eine Steigerung „egozentrischen Verhaltens zur Durchsetzung der eigenen Interessen“ festgestellt - was aber nicht nur für Schule, sondern für weite Teile der Gesellschaft gelte. Mit der bloßen Ermahnung könne man einige wenige Schüler leider nicht mehr beeindrucken.

Abschaffung von Abischerz und Mottowoche

Auch aus diesem Grund befürwortet sie die Abschaffung von Abischerz und Mottowochen, die bei einer Konferenz der Schulleiter in vier Wochen erneut auf den Tisch kommt. Gemeinsam mit dem benachbarten Maria-Wächtler-Gymnasium habe man Schüler, Eltern und Lehrer nach Alternativen befragt.

Denkbar sei vor den Prüfungen eine intensive Vorbereitungswoche auf das Abitur, die mit Exkursionen und Projekten verbunden sein könnte. Den Spaß nehmen wolle man den Schülern nicht, nach den Prüfungen dürfe gefeiert werden, sagt Zilles und ergänzt: „Es wird aber keine Woche mehr geben, in der die Schüler machen können, was sie wollen.“