Kunst zwischen Bauzaun und Bergeshöhe

Künstler- und Ehepaar:  Esther Miranda und Jesus Miguel Rodriguez de la Torre in der Galerie Klose.
Künstler- und Ehepaar: Esther Miranda und Jesus Miguel Rodriguez de la Torre in der Galerie Klose.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Obrist flankiert die Folkwang-Schau von Detlef Orlopp. Klose zeigt Hommage an den Musiker Jordi Savall. Am Kopstadtplatz wird der Raum neu ausgelotet.

Essen.. Galerie am Museum, kurz „GAM“, heißt der Ausstellungsraum von Torsten Obrist in fußläufiger Nähe zum Museum Folkwang. Und auch thematisch stellt man die Nachbarschaft in diesen Tagen unter Beweis. Parallel zur imposanten Folkwang-Ausstellung „Nur die Nähe – auch die Ferne“ adelt die Galerie den Fotokünstler Detlef Orlopp mit einer kleinen, feinen Begleitausstellung, die nicht nur die Felslandschaften und Seestücke in den Mittelpunkt stellt, aus denen Orlopp in den vergangenen 50 Jahren ein beeindruckendes Lebenswerk geschaffen hat, sondern auch etwas Neues wagt. Einige Arbeiten dieses grandiosen Bilder-Puristen und unermüdlichen Strukturen-Forschers, der sich ganz und gar der analogen Schwarzweißfotografie verschrieben hat und auch noch selbst entwickelt, sind bei Obrist erstmals als Epson Digigraphie zu sehen. Das spezielle Druck-Verfahren ermöglicht diese sonst streng im quadratischen Format gehaltenen Bilder in einem größeren Format und kleiner Auflage zu präsentieren. Orlopp selbst zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung angetan von der technischen Neuerung.

Flirrende Lebendigkeit Andalusiens

Von den zerklüfteten Berghöhen und bewegten Gewässern geht es auf die belebten Straßen und in die verträumten Gedankenwelten Andalusiens. Jesús Miguel Rodriguez de la Torre und Esther Miranda sind ein Künstler- und Ehepaar, das in der Galerie Klose nun in anregender Ergänzung künstlerische Innen- und Außenwelten aufeinanderprallen lässt. Während Esther Miranda die flirrende Lebendigkeit Andalusiens in ihren Straßenszenen aufnimmt, „La Bella“ anmutig über die Straße stolzieren lässt, ohne sich im rein Abbildhaften zu verlieren, hat Rodriguez de la Torre seine Motive wie hinter einen Schleier aus Licht und Farbe gelegt. Eindrucksvollstes Werk der Ausstellung ist seine malerische Hommage an den Musiker Jordi Savall, Meister der Vilola da Gamba und derzeit auch Residenz-Künstler der Essener Philharmonie. So wie Savall vergangene Klangwelten in die Konzerthäuser bringt, so überträgt der in Sevilla und Granada ausgebildete Maler, der mittlerweile auch in Wuppertal lebt, Renaissance-Architektur und mythologische Gestalten in die heutige Wahrnehmungswelt.

„New Space“ verspricht die Ausstellung im Forum Kunst & Architektur und dann steht man erst einmal vor einem Bauzaun. Die mit Tonspuren begleitete Absperrung hat Sabine Hey mitten in den Schauraum am Kopstadtplatz gewuchtet und doch sind die Gedanken so frei in dieser Doppelausstellung, die die an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen ausgebildete Künstlerin Hey zusammen mit Melanie Balsam-Parasole kreiert hat. Die beiden kennen sich schon aus Studienzeiten, gemeinsam ausgestellt haben sie noch nie. Doch die auf den ersten Blick recht unterschiedlichen Handschriften finden im abwechslungsreichen Dialog zwischen Abstraktion und schemenhafter Abbildung zueinander. Während Balsam-Parasoles kleinformatige, sanft-glimmende Farbobjekte wie Leuchtkörper in den Raum hinein ragen, spielt Hey mit dem Zeigen und Auslassen. Ihre Kinderbilder, die erst wie ein nostalgischer Gruß aus der Kindheit herüberwehen, beinhalten immer auch die Leerstelle für das eigene Erinnern und Weiterdenken. Während ihre Bilder von Ruhrgebiets-Architektur Geschichte und Gegenwart mit zeichnerischem Gestus verbinden. „New Space“ fürs Revier.