Zurück ins goldene Bühnenzeitalter
06.09.2010 | 02:32 Uhr 2010-09-06T02:32:00+0200Essen. Eine umjubelte Uraufführung feierte das Theater im Rathaus am Freitagabend: Im ausverkauften Haus erntete Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Folker Bohnet für sein jüngstes Werk „Ein Goldjunge für Emily“ viele Bravos. Und das zu Recht.
Mit der Tragikomödie ist dem 72-Jährigen eine echte Überraschung gelungen. War er als Autor von Werken wie „In anderen Umständen“ oder „Alles Böse zum Geburtstag“ eher auf boulevardeske, leichte Kost abboniert, schmeckte seine aktuelle Kreation, die er zusammen mit seinem Co-Autoren Alexander Alexy schuf, auch Theater-Gourmets.
Eine Liebeserklärung ans Theater
Das liegt in erster Linie natürlich an dem intelligent konstruierten Stück, das geradezu eine Liebeserklärung ans Träumen, ans Theater, ans Älterwerden ist. Im Mittelpunkt des Geschehens steht das gealterte Schauspielerehepaar Emily und Henry. In vielen großen Stücken standen die Beiden auf der Bühne, ob nun „Romeo und Julia“, „Faust“ oder Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Nur mit der Hollywood-Karriere hat es nicht so ganz hingehauen. Henrys große Chance, als junger Darsteller auf der großen Leinwand zu glänzen, ist ihm genauso verwehrt geblieben wie Emily, die zwar schon oft vor der Kamera gestanden zu haben scheint, aber letzten Endes nie im Film zu sehen war: Ihre Auftritte wurden stets Opfer der Schere. Kein Wunder, hätte sie mit ihrer Ausstrahlung bestimmt Cher und Co. ausgestochen!
Dennoch: Auch im Alter bleiben die Zwei echt Vollblutschauspieler — und erklären ihr Wohnzimmer zur Bühne. Mal schlüpfen sie hier in alte Paraderollen wie Hamlet und Ophelia, mal spielen sie ihre eigene Komödie, in der sie sich die schärfsten Wortgefechte liefern. Und so fiebert das Paar der Oscarverleihung entgegen: Denn schließlich muss doch dieses Mal der Ehren-Goldjunge für wenigstens einen der Beiden drin sein.
Viel Herzblut im Stück
Ein Schauspieler ist jedoch nichts ohne Publikum: Und dieses besitzen Emily und Henry in Gestalt des jungen Jeffs. Dieser versorgt das Paar nicht nur mit Essen, sondern auch mit reichlich Applaus für ihre Darbietungen. Doch Jeff scheint ein persönliches Interesse an den Beiden zu hegen...
Bohnet hat viel Herzblut in das Stück gelegt. Warmherzig und respektvoll charakterisiert er das Paar, das sich seine eigene Welt aufbaut, um sich vor den Rückschlägen der Realität zu schützen. . Auch in er Rolle des Henrys überzeugt er, ebenso wie Brigitte Grothum als Emily. Die Beiden erwecken mit ihrem Spiel die Sehnsucht nach der goldenen Zeit des Theaters, als Charme, Ausstrahlung und große Gesten noch wichtiger waren als billige Effekte und intellektuelle Verkopftheit. Wenn Markus Lorenz da als Jeff im Vergleich etwas blass bleibt und die zweite Hälfte etwas Witz zu Gunsten von Rührseligkeit einbüßt: Der „Goldjunge“ ist ein echtes Goldstück.
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