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Westfälisches Berufskolleg inszeniert „Körper-Sinfonie“

08.02.2012 | 18:55 Uhr
Westfälisches Berufskolleg inszeniert „Körper-Sinfonie“
Die Bewegung anstelle des Wortes erzählt die Geschichte: Das ist „Körper-Sinfonie“.. Foto: Oliver Müller.

Essen.   Es sind vielleicht fünf Minuten, in denen überhaupt gesprochen wird, der Rest ist Licht, Klang und vor allem Bewegung: Die Inszenierung „Körper-Sinfonie“ des Rheinisch-Westfälischen Berufskollegs für Schwerhörige und Gehörlose setzt auf wenige Worte und viel Gestik.

Der Raum ist dunkel, nur spärlich erhellen ein paar Scheinwerfer vier Bühnen, die sich im Halbrund um die Zuschauer gruppieren. Jeweils zwei Gestalten stehen dort, ihre leuchtend orange-farbenen Gewänder heben sich deutlich von dem schwarzen Hintergrund ab. Zu sanfter Klaviermusik bewegen sie sich, alle unterschiedlich und der Zuschauer muss sich entscheiden: Wo sehe ich hin?

Das aktuelle Theaterprojekt des Rheinisch-Westfälischen Berufskollegs für Schwerhörige und Gehörlose ist alles anderes als „normales“ Theater. Die Produktion von Lehrer Markus Edler und seinen acht Schülern fordert den Zuschauer auf ganz besondere Weise, Teil des nahezu wortlosen Geschehens auf den Kleinbühnen zu werden. „Nicht ohne Grund sind die Zuschauer mittendrin, sie gehören zu der Aufführung dazu“, erläutert Edler die Idee des ambitionierten Projekts, das vor allem auf Bewegung setzt, „alles ist in Bewegung, auch die Zuschauer, die ständig entscheiden müssen, wo sie hinschauen wollen.“

Wer sich entschieden hat, der sieht zum Beispiel den jungen Mann, der eigentlich ganz ruhig da sitzt, dessen rechter Arm sich aber in schöner Regelmäßigkeit wie von allein zu heben beginnt. Mit einer unwarteten, blitzschnellen Bewegung reißt er das eigenwillige Körperteil zurück und sitzt sofort wieder regungslos da. Eine Bühne weiter stehen eine junge Frau und ein Mann nebeneinander; sie scheinbar völlig ruhig, fast schon apathisch, während er aufgeregt durch den Raum schaut. Völlig unvermittelt schreit sie los, schreckt die Zuschauer auf: „Was glotzt ihr denn so? Habt ihr noch nie einen Menschen gesehen? Das kotzt mich an!“ Die gerade noch so leblos wirkende Frau wirkt plötzlich angespannt bis in die Zehenspitzen. Ihr Nachbar beruhigt: „Das meint die gar nicht so, das ist eigentlich eine ganz Liebe.“

Egal, für welche Bühne sich der Zuschauer entscheidet,auf jeder spiegeln sich vor allem Gegensätze wider. Laut und leise ist auch die Musik, mal sanft beschwichtigend, mal ohrenbetäubend aufbrausend untermalt sie die starken Gesten der Darsteller. Die Individualität jedes einzelnen von ihnen wird für den Zuschauer deutlich spürbar; es ist ihre ungeheure Spielkraft, welche die Inszenierung trägt - und zumindest eine Entscheidung leicht macht: Anschauen!

Anna Gemünd

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