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Unprojekte

Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann

01.11.2009 | 09:47 Uhr

Essen. 40 von über 2000 möglichen Ideen zur Kulturhauptstadt wurden bisher eingereicht. Die Resonanz könnte besser sein. Eine Bilanz der Unprojekte und zwei Einzelfälle.

Über 2500 Projekte wurden bei der „Ruhr 2010” eingereicht – in der Hoffnung, dass die Ideengeber für die Verwirklichung Geld oder zumindest den offiziellen Stempel der „Ruhr 2010” bekommen. Zieht man grob kalkulierte 300 ab, die tatsächlich in dem Programmbuch auftauchen, bleiben immer noch über 2000 Ideen, die abgelehnt wurden und inzwischen auf der Unprojekte-Seite stehen könnten.

Tun die meisten aber nicht. Wie berichtet, wollen die Macher von Unprojekte mit ihrer Internet-Seite denjenigen eine Plattform geben, die von der „Ruhr 2010” abgelehnt wurden. Dazu können aber auch, und das betonen Holger Gathmann und Gabriel Gedenk ausdrücklich, ganz neue Ideen eingereicht werden. 40 sind es insgesamt, die man sich derzeit unter www.unprojekte2010.de anschauen kann. Das Spektrum reicht vom Künstlerstadtplan für Essen bis zum multimedialen Puppen- und Tanztheater (siehe auch die beiden Artikel unten).

„Die Crux ist, dass wir von der Ruhr 2010 die Adressen der abgelehnten Bewerber nicht bekommen haben”, erklärt Gathmann, aus Datenschutzgründen, wie es heißt. Außerdem müsse man der Sache auch ein wenig Zeit geben. Vor rund einem Monat wurde die Seite freigeschaltet. Immerhin 5000 Zugriffe zählten Gathmann und Gedenk. Auch zwei Sponsoren haben sich schon gemeldet.

Einige Ideen mussten sie allerdings ablehnen, weil sie zu kommerziell waren. Ansonsten gibt es nur ein Kriterium, das die Bewerber erfüllen sollten – die Ideen sollten einen lokalen Bezug haben. Gesammelt werden die Projekte noch bis zum Frühjahr. Im August 2010 soll es dann im Forum für Kunst und Architektur eine Ausstellung mit – per Internetabstimmung ausgewählten – Projektideen geben, plus Festival mit Bühne und Konzerten auf dem Kopstadtplatz.

Es fehlt ein Steg

Fall 1: Warum nicht neben der weißen Flotte eine schwarze? Warum nicht die Menschen über die Ruhr und den Baldeneysee gondeln lassen? Warum keine Ruhrgondeln? Das war (und ist) die Kulturhauptstadt-Idee von Rolf Schwermer. Und weil er jemand ist, der nicht nur Ideen hat, sondern sie auch umzusetzen versucht, hat er sich mit der Sache intensiv befasst, hat sich schlau gemacht, hat Kontakte geknüpft, hat sogar selbst ein paar Fahrstunden mit einer Gondel genommen und einen Antrag bei der Ruhr 2010 eingereicht. Der wurde abgelehnt. „Ich hatte allerdings den Eindruck, dass man sich dort nicht wirklich mit meiner Idee auseinandergesetzt hat”, meint Schwermer.

Was aber nicht der letztlich entscheidende Grund sein dürfte, dass es auch 2010 keinen Gondelverkehr (zum Beispiel zu den Ruhr-Atollen) auf dem Baldeneysee geben wird. Denn Schwermer braucht – zumindest für einen Probebetrieb – gar keine finanzielle Unterstützung von der „Ruhr 2010”. Er kennt jemanden in Bamberg, der Gondeln besitzt, mit denen auch umgehen kann und zwei der Kähne in Essen für einen Probebetrieb zu Wasser lassen würde. Acht bis neun Euro könnte so eine halbe Stunde Gondelei kosten, meint Schwermer. Gebraucht wird allerdings ein Steg zum Ein- und Aussteigen. Und daran ist die Umsetzung bisher gescheitert. Er habe einfach keinen Ruderverein gefunden, der einen Steg für die Gondeln zur Verfügung stelle.

Und warum Gondeln, wenn es Tretboote gibt? „Ach, mit Gondeln verbinden die Menschen doch viel mehr”, schwärmt Schwermer, Fernweh, Italien, „das ist einfach eine altertümliche, traditionsreiche Form des Ruderns”, sagt er. Und da ahnt der Zuhörer schon: Noch hat er die Idee nicht vollständig aufgeben - vielleicht meldet sich ja noch ein Ruderverein. Vielleicht gibt es ja noch Unterstützer. Die Seite mit den Unprojekten, von der er durch die NRZ erfahren hat, hält er nicht nur deshalb für eine „grandiose Idee”. Es sei einfach jammerschade, „wenn so viel kreatives Potenzial unbeachtet liegen bleiben würde”.

Verschleuderung von Potential

Fall 2: Die Vorbereitungszeit schien lang – wurde dann aber immer kürzer: Bereits im Jahr 2007 entstand in Rüttenscheid die Idee zum Projekt „Rü de Lux”, erarbeitet von einer Gruppe rund um den umtriebigen Gastronomen Hannes Schmitz, den Architekten und Lichtkünstler Peter Brdenk und Rolf Krane vom Initiativkreis Rüttenscheid. Das Vorhaben in Kurzform: Künstler sollten sich mit Gebäuden, Ecken, Orten der Rüttenscheider Straße befassen und Lichtinstallationen entwickeln, so dass schließlich 2010 eine Lichtkunstmeile entlang der Rü entsteht.

Pünktlich zum Abgabeschluss wurde das Projekt am 30. Oktober 2007 bei der „Ruhr 2010 GmbH” eingereicht. Eine „qualifizierte Absage” erfolgte am 20. Oktober 2008 – also fast ein komplettes Jahr später. „Qualifiziert” heißt: Die „Ruhr 2010” wollte das Projekt nicht in ihr Programm aufnehmen, gab es aber an die Stadt weiter. Im Sommer dieses Jahres gab das Kulturhauptstadt-Büro der Stadt grünes Licht, diskutiert wurde nun über die Höhe des Zuschusses. 10 000 Euro sollten es schließlich sein. An Kosten waren allerdings rund 750 000 Euro veranschlagt.

Erst überlegte die Gruppe noch, ob es eine Supersparversion geben könne, so Rolf Krane, im September entschied man sich aber für eine Absage. „Es hätte so keinen Sinn gemacht.” Hannes Schmitz ist jedenfalls noch immer sauer über die Verzögerungen. „Fast zwei Jahre ist nichts passiert.” Als die Antworten kam, war es zu spät – zu spät, um mit der Zusage in der Tasche auf Sponsorensuche zu gehen, zu spät auch für die Vorbereitungen. „Sie brauchen ja zwei Jahre, um die Hausbesitzer unter einen Hut zu kriegen.” Abgesehen von den technischen Arbeiten, die bei solchen Lichtinstallationen nötig sind.

„Einen Haufen Arbeit und einen Haufen Geld” haben in dem Projekt gesteckt, sagt Schmitz. Auch eine Reihe von Künstlern sei schon ans Werk gegangen. Sein Fazit: „Da ist viel Privatinitiative verschleudert worden.”

Christof Wolf

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Kommentare
01.11.2009
11:47
Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann
von schaustellermuseum | #5

#2 Pinne
Sie haben Recht. Und 750 000 Euro ist wirklich stark überzogen. In diesem Rahmen bewegten sich unsere Anträge natürlich nicht...

01.11.2009
04:52
Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann
von dasKollektiv | #4

Frage 1: Warum hat man nicht Jemand mit Ahnung an der Spitze gebracht?
Frage 2: Warum hat man nicht auf die Bürger die hier leben gehört?

31.10.2009
17:02
Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann
von arbeitswilliger | #3

die beknackte Einblendwerbung mit den Luftballons ist nervig, ätzend und schreckt ab.
Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei...

31.10.2009
10:50
Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann
von Pinne | #2

Also da muss ich das Hauptstadtbüro mal in Schutz nehmen:
Die beiden Beispiele zeigen doch auch, dass hier überzogene Erwartungen bestanden.

Fall 1: Wo ist der Ruhrgebietsbezug? Wo ist der Mehrwert. Eine juxe Idee ohne thematischem Bezug.

Fall 2: 750000 Euro? Wenn man so ein Projekt plan, was erwartet man denn? Das das Kulturhauptstadtbüro mal eben 500000 Euro aus dem Hut zaubert? An anderer Stelle wird ja genau darüber immer gejammert, das es die leuchtturmprojekt sind, die so viel Geld verschlingen und dann nichts für die Kleinen da ist.

Übrigens kann Journalismus auch mal mehr sein, als Beschreiben. Man kann auch mal hinterfragen!

31.10.2009
10:48
Was mit den Ruhr2010-Ideen auch passieren kann
von schaustellermuseum | #1

Fall 2 ist im Prinzip auch unsere Projektgeschichte.
Irgendwann muss - auch aus Gründen des Selbstrespekts - mal Schluss sein mit
Antragstellen, sonst läuft man Gefahr, die Loser-Rolle zu verinnerlichen...
(Unprojekte)

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