Theater im Rathaus landet Volltreffer mit Rahn
11.03.2010 | 19:55 Uhr 2010-03-11T19:55:00+0100
Essen. Einen echten Volltreffer hat das Theater im Rathaus mit der Premiere von „Das Fußballwunder von Bern“ gelandet: Das Stück über Essens Fußball-Legende Helmut Rahn hat alles, was gutes Theater ausmacht.
Das 3:2 gegen Ungarn, das Rahn im Finale der Fußballweltmeisterschaft 1954 schoss und damit Deutschland zum ersten Mal überhaupt den Titel sicherte, machte Rahn zum Helden. Doch jeder Held hat auch seine tragische Seite: So litt Rahn zusehends darunter, auf dieses eine Tor reduziert werden. Daran knüpft Dirk Schröter an: Er zeigt den gealterten Rahn als desillusionierten, verbitterten Mann, zu dessen wenigen Freuden der regelmäßige Besuch in seiner Stammkneipe gehört — hier kann er einfach er selbst sein. Henning Schimke verleiht seinem Rahn eine unglaubliche Bühnenpräsenz: Auch wenn er nichts sagt, spricht sein sehnsuchtsvoll-gebrochener Blick Bände.
In der Kneipe wartet ein junger, forscher Reporter (Jan Opderbeck) auf ihn: Er drängt Rahn, aus dessen Leben zu erzählen. Anfangs weigert sich der Exfußballer, doch schließlich schildert er seine Version der Fußballweltmeisterschaft, die sein Leben für immer veränderte.
Fiktive Liebesgeschichte
In Rückblenden verwandelt sich Rahn in einen ungestümen Draufgänger: Armin Sengenberger verkörpert den jungen Rahn mit viel Elan. Gerade dadurch, dass Schröter die beiden Zeitebenen nicht nur gegenüberstellt, sondern überlappen lässt, wird der Kontrast zwischen jungem und altem Helden besonders deutlich.
In Gestalt des DDR-Reporters Hempel wird die politische Dimension der damaligen Fußballweltmeisterschaft vor Augen geführt. Stephan Bürgi lässt Hempel pendeln zwischen Abscheu für den Klassenfeind im frisch geteilten Deutschland und Begeisterung für den Erfolg der eigentlichen Landsmänner.
Auch webt Schröter eine fiktive Liebesgeschichte zwischen dem jungen Rahn und einem Zimmermädchen (Esther Leggener) ein, die schließlich eine Verbindung zwischen forschem Reporter und dem alten Rahn knüpft.
Schröter schuf ein äußerst dichtes, packendes und intelligent konstruiertes Drama über die Vergänglichkeit des Ruhms. Das Ensemble spielt durchweg überzeugend in einem von Zoltan Labas clever erarbeiteten Bühnenbild, das einem stilisierten Strafraum gleicht. Keine Frage: Das Stück ist weltmeisterreif.
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