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Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag

28.03.2011 | 18:31 Uhr
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
Streit um das Aufführungsverbot am Aalto: Stefan Soltesz verweist darauf, dass dort zu Karfreitag seit mehr als zehn Jahren Oper oder Ballett auf die Bühne gebracht werde.

Essen.   Auf Weisung der Bezirksregierung Düsseldorf hat das Ordnungsamt Essen die Premiere von Puccinis "Madama Butterfly" am Karfreitag im Aalto verboten. Grund ist das NRW-Feiertagsgesetz. Generalmusikdirektor Stefan Soltesz hat Anwälte eingeschaltet.

Riesenärger im Aalto-Theater: Das Ordnungsamt hat der Theater und Philharmonie (TUP) die Premiere von Puccinis „Madama Butterfly“ am Karfreitag verboten. Die Weisung kam von der Bezirksregierung Düsseldorf, die auf das NRW-Feiertagesgesetz pocht. Generalmusikdirektor Stefan Soltesz hat Anwälte eingeschaltet und lässt rechtliche Schritte prüfen.

„Es geschehe Gerechtigkeit, und wenn die Welt untergehe.“ (Kaiser Ferdinand I.)

Grundlage des Streits ist § 6 des Feiertagesgesetzes NRW. Es verbietet an Karfreitag unter anderem „alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen einschließlich Tanz“ bis Ostersamstag 6 Uhr. Regierungspräsident Jürgen Büssow, Vorgänger der jetzt amtierenden Anne Lüttges, hatte schon 2005 klargestellt: Dazu gehören auch Theateraufführungen. Und: Die Ordnungsbehörden der Kommunen hätten für die Einhaltung des Verbotes zu sorgen.

Die Stadt ist mit dem Vorgang gar nicht glücklich. Aber was soll sie machen? „Wir finden das auch nicht gut, aber wir mussten handeln“, heißt es im Ordnungsamt. Denn die Aufforderung der Bezirksregierung war höflich, aber eindeutig: „...bitten wir dafür Sorge zu tragen, dass diese Veranstaltung nicht stattfindet.“

„Mir graut vor so viel Wohlanständigkeit.“ (Hendrik Ibsen, Die Stützen der Gesellschaft)

Brav schrieb das Ordnungsamt also der TUP mit Datum vom 28. Februar: Es stehe „außer Zweifel“, dass es sich bei Puccinis Tragödie „in erster Linie“ um Unterhaltung handele. Die Behörde beabsichtige deshalb, die Premiere zu untersagen. Die TUP habe bis zum 21. März Gelegenheit, sich zu äußern. Stadtsprecher Detlef Feige: „Das hat die TUP nicht getan, folglich ist das Verbot jetzt in Kraft.“

„Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.“ (Mozart, Zauberflöte)

Die Butterfly diene nur der Unterhaltung? Ein empörter GMD Stefan Soltesz weist den Vorwurf „schärfstens“ zurück. Aber was hilft es? Vergeblich verweist Soltesz darauf, am Aalto werde zu Karfreitag seit mehr als zehn Jahren Oper oder Ballett auf die Bühne gebracht. Mit Zorn im Bauch blickt Soltesz nach Köln. Dort spielt man nämlich an Karfreitag, und zwar der „Parsifal“.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat übrigens 1993 entschieden, eine Veranstaltung am Karfreitag müsse „dem besonderen Wesen des Feiertages“ entsprechen. Na denn: Fußläufig erreichbar vom Dienstsitz der Bezirksregierung geht in der Düsseldorfer Oper Karfreitag „Schneewittchen“ über die Bühne.

„Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“ (Sprichwort nach Terenz, Der Selbstquäler)

Video
Essen. Mehr als 1500 Teilnehmer beteiligten sich bei der Demonstration der TuP-Mitarbeiter gegen die Sparpläne der Stadtspitze. Wenn Kulturschaffende demonstrieren, ist das nicht alltäglich: Durch die City liefen Philharmoniker im Frack mit Instrumenten, Tänzerinnen und Chorsänger, Schauspieler.

„Schweren Herzens“ hat sich Soltesz „trotz seiner gegenteiligen Rechtsauffassung“ für eine Vorverlegung auf Gründonnerstag (19.30 Uhr) entschieden. Ein Ausfall der Premiere wäre ein „immenser materieller Schaden“, den er ebenso wenig riskieren wolle wie eine Gefährdung der künstlerischen Arbeit. Premierenkarten und Abo-Ausweise bleiben gültig, können aber bis zum 16. April auch umgetauscht werden.

Durch die Vorverlegung hat Soltesz Zeit, sich Karfreitag das Musical „Anatevka“ im Musiktheater im Revier umzuhören. Dort kann er einstimmen in Milchmann Tevjes Segen für die Obrigkeit: „Gott erhalte sie! Und er halte sie uns vom Leibe.“

Kai Süselbeck

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Kommentare
30.03.2011
14:38
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von r.wiesemann | #39

Wie war das mit der Trennung von Staat und Kirche?

29.03.2011
22:28
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von 1980yann | #38

Ich erlaube mir, dass kirchliche Rituale für mich keine Bedeutung haben!
Und jeder gläubige Christ darf das für sich anders Hand haben. Wenn diese Gruppe karfreitags kein Theaterstück sehen will und keine Disko aufsuchen will, kann sie das gerne tun! Dafür müssen beide aber nicht zwangsgeschlossen werden!

29.03.2011
22:08
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von Otto99 | #37

#36 1980yann

Was bilden Sie sich eigentlich ein? Karfreitag ist ein Tag der gläubigen Christen. Wenn Sie für sich Respekt erwarten, dann müssen Sie ihn auch anderen zeigen. Sie können sich ca 360 Tage im Jahr austoben, zu Haus sogar 365 Tage.

29.03.2011
20:13
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von 1980yann | #36

@35
Gerechtfertigt werden muss immer die Regulierung! Und damit sind die Kirchen in der Beweislast - und es gibt keinen Grund, warum hinter verschlossenen Türen für die Öffentlichkeit unsicht-/unhörbar nicht gespielt, musiziert und gefeiert werden darf!

Die absolute Karfreitagsruhe ist weder ein Wert noch eine Regel - sie ist ein Ritual der Kirchen. Und das wird nicht dadurch entwertet, dass es eines Tages Ungläubigen nicht mehr aufgenötigt wird!

29.03.2011
19:15
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von g.kont | #35

Wie viele Leute sich hier ereifern. Schrecklich. Nur weil 2 -3 mal im Jahr die Disco nicht aufhat. Ihr müsst ja alle schrecklich unter der Kirche gelitten haben in eurer Jugend. Man sollte gewisse Regeln und Werte einhalten und behalten. Sonst macht jeder nur noch was er will und lässt sich vom Geld leiten. Und wo das mit dem Geld hinführt merken wir doch alle. Wird es nicht eher schwieriger und kälter in diesem Land?

29.03.2011
18:47
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von DavyJones | #34

#5 Diese Trennung ist auch nicht vorgesehen. Rechtsgrundlage ist noch immer das Reichskonkordat, seinerzeit zwischen dem Heiligen Stuhl und Nazideutschland abgeschlossen . Deshalb gibt es nach wie Religionsunterricht an staatlichen Schulen und ähnliche Sonderrechte.
Außerdem ein schönes Beispiel, daß der rk Kirche nichts, aber auch garnichts peinlich ist.

29.03.2011
18:20
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von westwatch | #33

Ich könnte auf den Karfreitag gerne verzichten.
Ein Frühlingsfeiertag am 21. März oder ein Tag des Scherzes am 1. April fände ich viel besser, auch wenn bei einem festen Datum in etwa 2 von 7 Jahren der Feiertag aufs Wochenende fallen würde.

Es kann richtig sein, die Christen bei der Ausübung ihres Glaubens zu schützen, aber es ist m.E. verkehrt auch Nichtchristen Konzerte, Tanz oder Feiern zu verbieten.
Wem nutzt denn diese Feiertagsregelung?
Gehen deswegen mehr leute zur Kirche?

Ein Open Air Konzert würde ich auch nicht befürworten wollen, aber da wo es niemanden stört, sollte man die Freiheit nicht unnötig einschränken.

29.03.2011
17:38
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von 1980yann | #32

@31
Es geht nicht um Sondergenehmigungen - es geht darum, dass bestimmte Stücke an diesem Tag wegzensiert werden!
Und Schneewittchen ist offenbar wegen des Wiederauferstehungsplots ernst genug für diesen Tag.

Die Gesellschaft hat sich also Ihrer Meinung nach einer gewissen Dominanz der Religionen zu unterwerfen? Wer tritt denn aus der Kirche aus, um an Stillen Feiertagen trotzdem gegängelt zu werden?
Religion muss wieder Privatsache werden! Und vor allem ist sie nichts, was man anderen aufzwingen darf. Religion hat auch kein Wertemonopole - was ist das für ein Menschenbild, in der nur derjenige Werte hat, der entweder mit Fegefeuer und Hölle bedroht wird oder der mit Himmel und Paradies gekauft wird.

Ich halte den Menschen nicht für so erbärmlich, dass er sich zum werteorientierten Leben nur nötigen oder korrumpieren lässt - ich glaube, der Mensch kann auch aus sich selbst heraus Werte leben.
Und dafür muss man ihm nicht mehrfach im Jahr die Musik verbieten.

29.03.2011
17:23
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von Klingsor1 | #31

Ich stelle mir die Frage, ob denn in der Führungsebene des Aalto-Theater niemand davon wusste, daß man eine Sondergenehmigung beantragen muß, wenn man an einem sog. Stillen Feiertag eine Oper/Ballett aufführen möchte.
Diese Genehmigungen scheinen ja durchaus erteilt zu werden, wenn man sich die Spielpläne der anderen Theater in NRW anschaut.
Leider wird die Diskussion hier zum Teil sehr polemisch und unsachlich geführt, was man im übrigen auch zum obigen Artikel sagen muß.
Über den Sinn oder Unsinn bestimmer Gesetze zu philosphieren ist wenig hilfreich.
Nach wie vor gibt es in Deutschland bekennende und praktizierende Christen, die auch das gesellschaftliche Bild dieses Landes mit prägen und gestalten. Wir sind uns glaube ich nicht darüber im klaren, daß viele Errungenschaften unseres menschlichen Zusammenlebens die Erkenntnisse eines christlichen Weltbildes sind.
Was also ist so verwerflich daran, wenn an bestimmten Tagen im Jahr, die Gesellschaft daran erinnert wird, daß sie nicht einfach aus dem Nichts kommt, sondern auch ein Produkt einer Jüdisch-Christlichen Vergangenheit ist.
Ein letztes noch: Gab es denn eigentlich am Aalto-Theater keine andere Möglichkeit die Premiere von Madama Butterfly aufzuführen?Warum ausgerechnet der Karfreitag? Polemisch wende ich hier ein, daß es vielleicht sogar etwas Provokation sein sollte.
Doch auch ein GMD und Intendant muß erkennen, daß immer noch jemand über ihm steht.
Da wird es auch nicht helfen Heerschaaren von Anwälten zu engagieren. Letztlich muß man sich eingestehn: Hätten wir doch mal die Ausnahmegenehmigung vorher beantragt!!!

29.03.2011
17:20
Stadt Essen verbietet Oper im Aalto-Theater am Karfreitag
von 1980yann | #30

@28 Freiheit 2012
Also bei Gründung der Bundesrepublik gehört rund 96% der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Heute sind es knapp unter 60%.
Das ist also keine so dramatische Veränderung?

Die Regelung zu Stillen Feiertagen entstand zu einer Zeit, als damit 4% Nicht- und Andersgläubige gegängelt wurden - für die hätte keiner ein Theater oder ein Kino eröffnet. Heute hat sich diese Gruppe auf 40% verzehnfacht.

Solche Leitkulturdebatten sollen Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft überkommene Regelungen aufzwingen!

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