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Heimaterbe-Festival

Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein

05.08.2012 | 17:43 Uhr
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
Kleines Deutschrock-Girl: Jini lässt es mit ihrer Band „Luxuslärm“ auf dem Zollverein-Gelände krachen.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Die Premiere des Festivals „Heimaterbe“ auf dem Gelände des Weltkulturerbes Zollverein war alles andere als ein Selbstläufer. Immerhin knackte „Blumentopf“ die Tausender-Besucher-Marke.

Es hätte alles so schön werden können: Mit einem pop-rockigen Musikfestival namens „Heimaterbe“ wollte die Stiftung Zollverein vom hochkulturellem Ross steigen und auch bei der jüngeren Zielgruppe punkten. Doch besaßen Bands wie die Deutschrocker „Luxuslärm“ und die Hip-Hopper „Blumentopf“ offenbar nicht genug Anziehungskraft, um den Gleisboulevard des Weltkulturerbes in ein pulsierendes Festivalgelände zu verwandeln.

Wer sich an einen der drei Spieltage schon nachmittags auf das Areal gewagt hat, dem hat sich ein eher trauriges Bild geboten. Nur vereinzelte Menschen stehen beispielsweise am Samstag vor der Bühne, um dem Auftritt der Newcomer „Herrenmagazin“ beizuwohnen. Dabei gibt sich die Hamburger Formation wirklich Mühe, die Rocklatte an diesem Nachmittag hochzuhängen. Doch ein Regenschauer verjagt dann sogar einen Teil der ohnehin spärlich gesäten Zuschauer.

Damit hat auch Andreas Dorau zu kämpfen. Dabei ist sein trashiger, von schlageresquem Kitsch getränkter Elektrodeutsch-Pop ohnehin nicht jedermanns Sache, auch wenn man diesem eine gewisse Tanzbarkeit nicht absprechen kann. Und Dorau ist Profi genug, um sich seine Laune nicht verderben zu lassen: Er fegt und springt bestens gelaunt über die Bühne und sorgt dafür, dass man nicht umhin kommt, Spaß zu haben.

Applaus verdient auch das Improvisationstalent der Musiker: Da der Drummer von Dorau dank eines Wespenstichs kurzzeitig ausgefallen ist, greift kurzerhand „Herrenmagazin“-Frontmann Deniz Jaspersen zu den Taktstöcken. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Beteiligten gewillt sind, sich auch durch die widrigsten Begleitumstände nicht die Laune verderben lassen zu wollen. Oder wie es „Fehlfarben“-Sänger Peter Hein bei seinem Auftritt formuliert: „Die Gage stimmt, dann ist alles okay.“

Das findet ein Teenager nicht, der mit seiner Familie auf eine der Bierbänke ausharrt, während die Düsseldorfer Punkband der ersten Stunde ihren Auftritt absolviert. „Wann sind die endlich fertig“, fragt er hörbar genervt seine Schulter zuckenden Eltern. Keine Frage: Der junge Mann ist wegen „Luxuslärm“ hier. Und bei deren Auftritt kommt tatsächlich Festival-Atmosphäre auf: Einige Hundert Fans stehen jubelnd vor der Bühne, skandieren mit und fressen der Frontfrau Jini aus der Hand. Zum Beispiel das Popcorn, das sie – passend zu ihrem aktuellen Album „Kirmes“ – beutelweise ins Publikum wirft.

Noch mehr Stimmung gab es eigentlich nur tags zuvor: An dem als „Hip Hop“-Tag ausgerufenen Freitag schafften es „Blumentopf“, die 1000er-Marke zu knacken. „Ich wusste nicht, das Hip Hop-Fans so feiern können“, freut sich Fabian Lasarzik, künstlerischer Leiter der Stiftung Zollverein, über den Zuspruch, der zumindest in den späten Abendstunden stetig angestieg.

Ohnehin will niemand der Offiziellen trotz der ernüchternden Besucherzahlen von einem Flop sprechen. „Uns war klar, dass man keine Wunder erwarten darf, wenn man so ein Festival aus der Taufe hebt“, sagt Lasarzik und mahnt, dass man Zeit bräuchte, um so etwas zu etablieren. Ins selbe Horn bläst Projektmanager Bernward Schilke: „Waken hat vor gerade mal 80 Leuten begonnen.“ Am vielleicht allzu heterogenen Line-Up liege es nicht: „Hier kommen unterschiedliche Generationen und Genres zusammen – das unterscheidet uns von anderen Festivals.“

Festival auf Zollverein

Das und das liebevolle Drumherum. Seien es die Liegestühle und Holzpaletten, die als Sitzgelegenheiten dienen, sei es die Tischtennisplatte, über die ein wild ums sich komemntierender Schiedsrichter wacht, sei es der sich als äußerst kommunikativ erweisende Fotoautomat. Auch die Idee, die Umbaupausen durch Poetry-Slammer überbrücken zu lassen, hat durchaus Charme. Und wenn man am Ende des Festivalabends am Lagerfreuer vorbeischreitet, das junge Dichterfürsten mit warmen Worten zusätzlich anheizen, dann geht man doch mit dem Gefühl: Das war schon ein schönes Festival. Schade, dass es so wenig mitbekommen haben.

Gordon K. Strahl

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Kommentare
07.08.2012
14:33
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von Amigameister | #6

Ist ja auch kein Wunder. Die haben auch nicht genug Werbung gemacht, bzw. Flyer landeten bündelweise auf der Strasse. Ich hab ein Beweisfoto.

1 Antwort
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von egotunes | #6-1

Da kann ich dir nur 100% zustimmen und ich hoffe das lesen die Veranstalter hier. Ich komm aus Essen hätte unglaublich gerne mal Muso Live gesehen vor dem Hype den er bald bekommen wird und habe einfach NICHTS von dem Festival mitbekommen obwohl ich die Hälfte der Bands bei Facebook habe. Das kann doch irgendwie nicht mit rechten Dingen zu gehen. Ich ärger mich grad voll das ich ich Heute erst von dem Festival erfahren haben

06.08.2012
11:07
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von MadameTink | #5

Enttäuscht war ich auch, ja. Mal abgesehen davon, dass es bei Herrenmagazin nicht begann zu regnen und sich Besucher aus dem Staub machten, lieber Herr Strahl.

Es ist einfach so, dass Bands wie "Herrenmagazin" nicht in die, durch die heutige Gesellschaft als Mainstream, Einöde passen. Hier war tatsächlich einfach nur jemand am Werk, der etwas erschaffen wollte und es hat beinahe den Eindruck gemacht, dass das LineUp viel größer geplant war, aber dann eben nur die paar dort waren, die halt gerade nichts anderes zu tun hatten. Und das ist auch für die Hörer nervig.

Es ist beispielsweise so, dass "Herrenmagazin" eine große "Fanbase" haben, aber dies dann auch nur im Herrenkreise. Sie singen über "Tabuthemen" wie zum Beispiel, dass es Gott nicht gäbe, dass es nur jemand sei, der aus Menschengedanken erschaffen wurde. Sie haben wirklich ausgefeilte Texte, an denen lange gearbeitet wurde, die Gefühle vermitteln von Zweifel an der Gesellschaft und wie sie damit umgehen. Im Vergleich dazu(1)

3 Antworten
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von MadameTink | #5-1

findet man dann "Luxuslärm" die mit weniger anspruchsvollem Publikum umgehen können, auf das sie, dank weniger anspruchsvollen Texten scheinbar auch abzielen. Hier nur ein kleines Beispiel:
"Du stehst an der Ecke
Es ist Viertel nach 7
Wir beide tun so als wär die Zeit stehen geblieben"

Es ist dann tatsächlich einfach anstrengend, wenn man zu diesem Festival kommt, auch noch 10 Euro Eintritt bezahlen muss (bzw. erheblich mehr, wenn man nicht gerade Student ist) um eine Band zu sehen, mit der man bereits viel durchgemacht hat und rechts neben einem eine erwachsene Frau steht, die zwischen jeder Liedpause Dinge grölt wie: "Ja ja, ist gut, jetzt halt dein Maul und spiel!" Beziehungsweise: "Das interessiert doch keinen, jetzt rockt weiter!" Denn das ist wirklich niveaulos und anstrengend, wenn plötzlich eine Art Hass gegen andere Besucher auftritt, die sich obendrein noch versuchen zu rechtfertigen, wenn man anmerkt, dass einem die Musik der Band Luxuslärm nicht zusagt. Die "Lärmer" wie

Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von MadameTink | #5-2

sie sich selbst beschreiben, fühlen sich dann meist persönlich angegriffen und versuchen, teilweise wirklich Kindergarten-Like, irgendwas gegen die differente Meinung zu unternehmen. Dies konnte auch zuletzt auf Facebook beobachtet werden, als sich eine Band zu Luxuslärm äußerte. Diese Äußerung wurde dann kommentiert mit Dingen ähnlich wie: Schade, eigentlich mochte ich euch, aber jetzt wo ihr Luxuslärm nicht mögt, könnt ihr das direkt mal vergessen!
Ebenfalls unverschämt empfand ich, dass es nur Plastikbändchen gab. Für einen 3-Tageskartenpreis von knapp 50 Euro, habe ich mir mehr erwartet. Ein Stoffband a la "Rock am Ring" wäre auf jeden Fall gut gekommen, das lässt tatsächlich vermuten, dass die Veranstalter zu unerfahren waren. Wären sie bereits in dieser Art Veranstaltung tätig gewesen und hätten sie sich mit der Materie befasst, hätten sie ahnen können, das solche Festivalüberbleibsel für Interesse sorgen. Da kann man nur hoffen, dass die Betreiber fürs nächste Jahr gelernt

Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von MadameTink | #5-3

haben. Und natürlich ist es schwierig in einer Stadt wie Essen etwas zu finden, wo Menschen übernachten können. Ein Festival dieser Art lebt letztendlich auch von Zeltplätzen, wo neue Freundschaften geschlossen werden, wo die Atmosphäre stimmt und das ist nötig, bei einem dreitägigen Festival. Jetzt wird der kluge Fuchs anmerken, dass es das ja bei Essen Original auch nicht gibt. Aber, es ist eindeutig, das Essen Original (was ohne Zweifel in den letzten Jahren deutlich an Berühmtheit abgenommen hat, dank des Plans, dass das jetzt etwas für jedermann sein soll), ein "Umsonst und Draußen" Festival ist. Gratis bedeutet immer, dass mehr Geld für anderes vorhanden ist. Gratis bedeutet immer, dass Spontanität an der Tagesordnung ist. Das ist ganz etwas anderes.

In Essen sollte man endlich lernen, dass es nichts verbotenes ist, wenn es verschiedene Geschmäcker gibt. Schlager und Punk-Rock passen eben nicht zusammen, so sehr man es auch will. Irgendwann ist man genervt.

06.08.2012
08:15
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von MS_MARS | #4

Am vielleicht allzu heterogenen Line-Up liege es nicht: „Hier kommen unterschiedliche Generationen und Genres zusammen – das unterscheidet uns von anderen Festivals.“

Das unterscheidet HeimatErbe von anderen KOSTENPFLICHTIGEN Festivals! Daher kann dieses Konzept nicht funktionieren.

Auch das Line-Up beweist, dass hier Macher am Werk waren, die sich in den verschiedenen Genren nicht auskennen. Hier wurden Bands zusammengewürfelt, die für den Laien vermeintlich zusammenpassen, für den Fan so jedoch überhaupt nicht funktionieren.

Mal ganz abgesehen davon, scheint das Plakat doch sehr von Kraftklub inspiriert. Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn das Festival halten würde, was es auf den ersten Blick verspricht.

05.08.2012
22:21
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von Altenessener | #3

Denke nicht, dass die Bands "unbekannt" waren. Blumentopf hatten jetzt 4 Top 20-Alben in Folge, Stieber Twins sind eine der bekanntesten alten Rapbands in Deutschland, Luxuslärm und Klee hatten 2011 jeweils Top 10-Alben und verkaufen allerlei Hallen aus in die mehr Leute gehen als jetzt da waren, Pohlmann läuft im Radio rauf und runter, Frevert hatte in den 90ern riesige Erfolge mit Nationalgalerie, Dorau in den 80ern.

Das Problem war eher die Mischung. Da waren durchaus auch Sachen, die ich mag, aber stilistisch ein totales durcheinander. Leute, die zu Festivals gehen (damit mein ich jetzt nicht die Gratisdinger wie Bochum Total, sondern welche mit Eintritt) wollen ja einen gesamten guten Tag da verbringen & nicht nur eine Band sehen. Zudem war schon vorher klar, dass das ganze null Festivalatmosphäre haben wird.

Im Text steht ein kluges Zitat,dass auch Wacken klein angefangen hat. Fast alle bekannten Festivals sind das - hier wollte man aber gleich mit bekannten Namen groß starten.

05.08.2012
20:41
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterbe-Festival auf Zollverein
von rossi42 | #2

Bei dem Eintrittspreis, dann eher wenig bekannte Bands auf der Liste, nur zwei bis drei echte Zugpferde für 3 Tage ist vielleicht n bisschen wenig.
Da hilft dann auch der "Erlebnisbereich" nicht besonders weiter.
Ausserdem sehr rigorose Security, die nicht nur Glasflaschen und Waffen, sondern auch unbarmherzig Softgetränke in PET-Flaschen (Apfelschorle, Wasser) beim Einlass einsammeln, (leere PET-Flaschen mussten auch abgegeben werden, die könnte man ja nachfüllen, Häh????) dafür gibts dann auf dem Gelände abgestandenen Kaffee aus Thermoskannen!!!
Witzig war die Idee mit dem Fotoautomaten, das TT-Spiel und die Sitzgelegenheiten aus Europaletten. Aber, und hier kommt wieder der Eintrittspreis ins Spiel, dann für ne "kleine" Probefahrt mit nem SEG-Way nochmal 2€ extra zu verlangen ist mit Sicherheit auch kein Grund überschwänglich das neue Festivalkonzept zu feiern. Vielleicht hätte man auch mehr Zollvereinbesucher locken können, hätte man nicht gleich ne Tageskarte nehmen müssen.

05.08.2012
18:31
Nur wenige Zuschauer beim Heimaterben-Festival auf Zollverein
von An77 | #1

Naja, lag es vieleicht an den Bands? Gut, Luxuslärm - davon hab ich schon mal gelesen, aber der Rest?

Bin aber wohl aber auch nicht die passende Zielgruppe...

Schade ist es trotzdem irgentwie.

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