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„Kunstfelder“ erblühen in Fulerum

09.08.2010 | 19:47 Uhr
„Kunstfelder“ erblühen in Fulerum
Bei der Ausstellung „Stadtteil-Gesichter“ hängen fotografische Porträts von Menschen aus der Nachbarschaft an den hölzernen Laternenpfählen entlang der Humboldtstraße. Foto: Uli von Born

Essen. Das Ruhr.2010-Projekt „Kunstfelder“ ist Anfang August in Fulerum gestartet. Dabei verwandeln sich die Äcker entlang der Humboldtstraße bis Oktober 2010 in kulturelle Begegnungsorte für die Bürger. Die erste Ausstellung ist derzeit zu sehen.

„Das ist doch ... !“ oder „Ist das nicht die Frau vom ... ?“ – diese Sätze hört man auf der Humboldstraße in Fulerum derzeit öfters. Dieses vermeintliche Rate-Spiel hat die Ausstellung „Stadtteil-Gesichter“ ausgelöst. Seit 1. August hängen große Fotografien beidseitig an den hölzernen Laternenmasten. Die Porträts der Fotografin Linda Graf zeigen Menschen aus der Nachbarschaft, sei es die Supermarktkassiererin, der Besitzer der Bude anne Ecke, der ausländische Restaurantinhaber, die Rentnerin, die Änderungsschneiderin oder der Grundschüler.

Vor Arne’s Porträt stehen Ferdinand, Andreas und Gerhard Scheidt, Else Sippel und Organisatorin Veronika Maruhn. Foto: Ulrich von Born

Die öffentliche Schau ist Teil des Projektes „Kunstfelder 2010“, das die Ruhr.2010-GmbH mit 3000 Euro fördert. Bis Oktober 2010 sind wöchentlich verschiedene Angebote geplant, etwa Installationen, ein Zelt für Lesungen, Licht- und Objektkunst. Ferner gibt es an einigen Tagen vereinzelt so genannte „Kunsthäppchen“, das heißt kleine Konzerte, Kunstaktionen, Geschichts- und Krimi-Abende sowie Überraschungen.

Freiflächen des örtlichen Bauers

Wichtiger Partner und Sponsor für die „Kunstfelder“ ist die Familie Scheidt, zu deren Bauernhof die Äcker gehören. Gerhardt Scheidt musste nicht lange überlegen, als die Verantwortlichen mit ihrer Idee an ihn herantraten. „Wir machen viel mit den Bürgern im Stadtteil“, sagt der Senior-Chef des Gehöfts. Wichtig sei für ihn, dass die Menschen die vorhandenen Freiflächen entdecken. „ Und sie werden auch in Zukunft Freiflächen bleiben“, sagt er.

„Kunstfelder 2010“

Als nächstes steht vom 30. August bis 4. September zwei Workshops mit Marianne Becher und Beate Gärtner an. Im Rahmen des „Temporären Ateliers im Feld“ erarbeiten die beiden Bildhauerinnen gemeinsam mit den Teilnehmern die Umsetzung der Installation „Zeitzeugen“. Der erste Workshop geht vom 30.8. bis 2.9. jeweils von 10-13 Uhr, der zweite von 3.9. bis 4.9. jeweils von 17-21 Uhr. Internet: www.kunstfelder2010.de

„Den Anstoß zu unserer Idee hat Else Sippel gegeben“, erwähnt Organisatorin Veronika Maruhn die Rentnerin. Diese ist selbst auch auf einem Motiv der Fotoausstellung zu sehen. „Ich lebe bereits seit 1937 im Stadtteil“, sagt Else Sippel. Sie hofft, dass die Mutter von Gerhard Scheidt für einen Geschichtsabend über den 1345 erstmals urkundlich erwähnten Hof zu gewinnen ist. „Sie hat das schon einmal sehr kompetent dargestellt“, erinnert sich die Seniorin.

Die Verantwortlichen wollen den ländlichen Charakter ihres Ortes betonen. „Neuerdings weiden auch wieder Pferde auf den Feldern“, sagt Veronika Maruhn und zeigt die verpachteten Stallungen des Scheidt’schen Gehöfts.

Ehrenamtliches Engagement

Als ein Projekt von Bürgern für Bürger beschreibt die Organisatorin die „Kunstfelder“. „Es wird immer etwas Neues hinzukommen“, verspricht Veronika Maruhn. Wöchentlich wolle man die Felder mit neu geschaffenen Ausstellungsobjekten erweitern beziehungsweise ausstatten. Der von der Ruhr.2010 spendierte Betrag werde nicht für Gagen ausgegeben, die Teilnehmer machten alles ehrenamtlich. „Davon bezahlen wir beispielsweise Materialien“ unterstreicht sie. Ferner unterstützten die Firma „Sieler & Kunz“ und der Kunstbedarf „bildhau“ das Projekt.

Zu dem Engagement der Ehrenamtlichen passt auch besagte Foto-Ausstellung, die bis 10. Oktober angeschaut werden kann. „Die Porträts zeigen einen Querschnitt aus Altersgruppen und Nationalitäten“, erklärt Veronika Maruhn. Gemäß der Anregung „Geh’mal rum!“ hat die 16-jährige Fotografin Linda Graf mit ihrer Kamera den Stadtteil erkundet und sich verschiedene Menschen als Motive ausgesucht.

„Ach, die mit den gefärbten Haaren“ – dieser Satz falle, so Else Sippel, etwa, wenn Passanten das Bild der Supermarkt-Kassiererin erblickten. Mit schwarz-rot-gold gefärbten Haaren ist die Dame ein Hingucker der Schau. Interessant ist auch die Anbringung: Wo in der Vergangenheit Wahlkampfplakate hingen, schmücken die bedruckten Leinwände nun die Masten entlang der Humboldtstraße.

Tim Walther

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Kommentare
10.08.2010
16:37
„Kunstfelder“ erblühen in Fulerum
von Baggerchef | #2

Warum hat die Fototante Linda Graf keine scharfen Aufnahmen von uns gemacht? Rot-Weisse Haarzopfer Jungs geben immer ein gutes Bild ab!

10.08.2010
10:32
„Kunstfelder“ erblühen in Fulerum
von Humboltianer | #1

Super Aktion - realisiert mit einem Mini-Budget! Es müssen halt nicht immer die großen Etats vorgehalten werden, um Eindruckvolles auf die Beine zu stellen. Dafür bedarf es vielmehr engagierter Menschen, wie Frau Maruhn und Herrn Scheidt, dessen Hof in Haarzopf als grüne Insel ländliche Idylle inmitten der Haarzopf`schen Zersiedelung bietet.

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