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Interview

Jazztrompeter Nils Wülker - ganz viel Platz für Kopfkino

08.03.2010 | 13:49 Uhr
Jazztrompeter Nils Wülker - ganz viel Platz für Kopfkino

Essen.Für ihn war der Jazz viel zu lange „spaßbefreit“. Der Trompeter Nils Wülker schafft es, dem Genre neues Leben einzuhauchen - wenngleich sich einige Kritiker fragen, ob sein neues Album „6“ überhaupt noch Jazz ist. Am 25. März kann sich jeder in der Zeche Carl sein eigenes Bild machen.

Welche Faszination übt die Trompete auf Sie aus?

Nils Wülker: Der Klang des Instruments hat mich schon als Kind fasziniert. Mit zehn Jahren habe ich angefangen, Trompete zu spielen. Damals hatte das etwas Heroisches für mich. Das ist heute anders. Mittlerweile beeindruckt mich viel eher die klangliche Bandbreite - vom rotzigen bis hin zu weichen und dunklen Tönen. Die Trompete ist sehr nah an der menschlichen Stimme. Deswegen berührt der Sound auch so viele.

Sie gelten für viele als neuer Stern am Jazz-Himmel. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Nils Wülker: Ich freue mich natürlich über so viel Zuspruch und Komplimente. Man darf aber nicht vergessen, dass da viel Arbeit hinter steckt. Ein großer Teil des Erfolgs beruht auf Mundpropaganda, das freut mich natürlich besonders.

Welche Veränderungen sind auf dem neuen Album hörbar?

Nils Wülker: „6“ stellt eine Veränderung zu den vergangenen Studioalben dar. Man hört hier aber auch heraus, was auf der Bühne längst geschehen ist - es ist rockiger geworden. Ein neues Album aufzunehmen ist immer wie eine Reise - ohne zu wissen, wo es hingeht. Die Band ist sehr energetisch, das kommt auf dem neuen Album sehr gut ‘rüber. Außerdem habe ich die Band mit Arne Jansen um einen Gitarristen erweitert.

Jazz kämpft mit einem etwas angestaubten Image. Warum?

Nils Wülker: Ich erkläre mir das vor allem damit, dass viele Menschen in Deutschland Jazz mit Free-Jazz assoziieren. Der und seine Anhänger waren oft ziemlich spaßbefreit und wahnsinnig ernsthaft. Mich erstaunt auch oft, dass viele Menschen eine sehr diffuse, enge Vorstellung von Jazz haben, dabei gibt es eine große Vielfalt im Jazz. Das zeigen auch einige Reaktionen auf mein neues Album. Einige Fans haben mir gesagt: „Das ist geil, aber doch kein Jazz.“

Sie ziehen auch jüngeres Publikum an. Wie bringen Sie diesen frischen Wind in die Jazz-Landschaft?

Nils Wülker: : Mir ist natürlich jeder willkommen, mir ist aber auch wichtig, meine Generation zu erreichen. Meine Melodien sind im Vergleich zum klassischen Jazz sehr von Pop-, Rock- und Funk-Klängen beeinflusst. Hinzu kommt, dass die Instrumental-Musik viel Platz für Kopfkino und eigene Assoziationen lässt. Ich gebe keine Richtung vor, sondern überlasse die Zuhörer sich selbst.

Nils Wülker & Band, die Tour zum neuen Album „6“, am Donnerstag, 25. März, um 20 Uhr in der Zeche Carl. Tickets gibt es für 18,90 Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Jennifer Schumacher

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