Institut stärkt zeitgenössischen Tanz
13.02.2012 | 18:54 Uhr 2012-02-13T18:54:00+0100
Essen. Mit dem Institut für Zeitgenössischen Tanz (IZT) will die Folkwang Universität künftig dem Bereich Tanz eine noch stärkere Bedeutung beimessen, als bisher. Ein Gespräch mit dem Leiter, Prof. Lutz Förster.
Wer außerhalb Essens die Folkwang Universität nennt, wird garantiert auf den Tanz angesprochen. Dann fallen zumeist die großen Namen: Kurt Jooss, Hans Züllig, Pina Bausch. Dieser gewichtige Dreiklang zeigt, dass der Tanz seit der Gründung der Hochschule 1927 nicht nur fester Bestandteil des Lehrangebotes ist, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch „Schule gemacht hat“ - und das weit über Deutschland hinaus.
Mit der Gründung des Instituts für Zeitgenössischen Tanz (IZT) will die Folkwang Uni jetzt die international wahrscheinlich bekannteste ihrer Sparten stärken, bündeln, weiter profilieren. Für den Leiter des neuen Instituts, Prof. Lutz Förster, war die Entscheidung nur folgerichtig. „Der Tanz ist die einzige Abteilung, die seit Kurt Jooss in den 20er Jahren eine sich ununterbrochen weiterentwickelte Tradition hat, alle anderen Abteilungen kamen erste später dazu.“ Das sagt der 59-Jährige zwar wertneutral, aber nicht ohne Stolz. Denn kaum einer wie er, der noch bei Hans Züllig und Pina Bausch studierte, der einst Folkwang Tanzstudio und bis heute dem Tanztheater Wuppertal angehört, verkörpert die so Folkwang-Tradition.
Försters Abteilung beruht auf drei Säulen. Da ist einmal das Folkwang Tanzstudio (FTS), zu dessen Leitern auch Pina Bausch zählte und das durch das IZT besser abgesichert wurde. Das Tanzarchiv, dessen Bestände nach dem Hochschulbrand vor drei Jahren mit Hilfe des Deutschen Tanzarchivs Köln gesichert, gesichtet, digitalisiert und zugänglich gemacht werden sollen - und natürlich der Studiengang Tanz. Der stellt mit etwa 100 Studierenden die größte Gruppe im Fachbereich Darstellende Künste. 138 Studierende verteilen sich noch auf Musiktheater, Schauspiel und Physical Theatre (früher Pantomime). Der Gesamtetat werde aber durch vier geteilt. Befremden darüber kann und will Förster nicht ganz verbergen. Von üppiger Finanzierung kann man nicht reden. Aber immerhin ist es Förster gelungen, einige Positionen in Sachmittel umzuwandeln. So verfügt der Bereich Tanz über etwa 90 000 Euro (ohne Personalkosten versteht sich), die unter anderem für vier Produktionen im Jahr verwendet werden können. Vieles könnte aber dennoch ohne Drittmittel nicht stattfinden. So fördert das Auswärtige Amt beispielsweise mit 50 000 Euro Workshops, die Lutz Förster im interkulturellen Alumni-Tanznetzwerk in Lateinamerika gibt. Folkwang-Tanz wird also weiter als weltweites Markenzeichen wahrgenommen - und trägt so zum Renommee der Essener Hochschule bei.
Natürlich stehen die Aufführungen der Studierenden und des Folkwang Tanzstudios, das zudem Abstecher nach Münster, Warschau, Ramallah und Beirut unternehmen wird, für die Außendarstellung der immer noch gerne als elitär bezeichneten Abteilung. Neben dieser künstlerischen Präsenz, dem gestärkten Archiv, der Vernetzung mit anderen Institutionen der Stadt (zum Beispiel Pact Zollverein oder Museum Folkwang) steht für den Tänzer Lutz Förster die enge Verbindung zum Erbe Pina Bauschs ganz oben. Vor allem den frühen Bausch-Stücken will man sich künftig verstärkt zuwenden. „Wenn irgendetwas in Sachen Bausch passiert, dann ist Folkwang sicher der erste Ort“, sagt Lutz Förster. Bis der IZT-Leiter 2018 die Pensionsgrenze erreicht, bleibt ihm also noch viel Zeit.
Nächste Vorstellungen des Folkwang Tanzstudios: 2. & 3. März im Pumpenhaus in Münster sowie am 18. Mai in der Neuen Aula der Essener Hochschule. Info unter: www.folkwang-uni.de
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