Helge Schneider und der wilde Hang zur Improvisation
12.02.2010 | 16:28 Uhr 2010-02-12T16:28:00+0100
Essen.Helge Schneider hat in der Philharmonie einmal mehr bewiesen, dass er ein echter Tausendsassa ist. Für seine Tour „Komm, hier haste ‘ne Mark“ hat sich der Mülheimer eine erstklassige Band zusammengestellt. Fans der älteren Programme dürften jedoch etwas enttäuscht gewesen sein.
Helge Schneider ist ein Phänomen: In der gut gefüllten Philharmonie durfte der Mülheimer Tausendsassa wieder beweisen, das kaum jemand die Kombination aus Albernheiten und virtuoser Jazz-Musik so gut beherrscht wie er.
Für seine Tour mit dem Titel „Komm, hier haste ‘ne Mark“ hat er sich eine erstklassige Band zusammengestellt, allen voran der Ausnahmedrummer Pete York, der in den 60ern mit der Spencer Davis Group bekannt wurde. Aber auch der Gitarrist Sandro Giampietro, der Pianist Jochen Bosak und Rudolf Olbrich am Bass verstehen es, Schneiders wilden Hang zur Improvisation mit grandiosen Einlagen zu unterstützen.
Ein Programm wie aus dem Ärmel geschüttelt
Überhaupt, Improvisationen. Seit jeher gehörte es zu Helge Schneiders Konzept, das für die Jazzmusik typische Konzept auch auf seine Komik zu übertragen. Und nun scheint er es perfektioniert zu haben: Kaum ein anderes Programm wirkte so aus dem Ärmel geschüttet wie das aktuelle — was dem Spaß an seinen Nummern jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Schneider versteht, es mit absurd anmutenden Tanzeinlagen und irrwitzigen Darbietungen sein Publikum bestens zu unterhalten. Da zückt er eine niedliche Affenhandpuppe, um mit ihr ein gekonntes Trompetensolo hinzulegen, und präsebntiert dann mit ihr eine dilletantische Bauchrednernummer. Diese Fusion von Virtuosität und gespieltem Dillentantimus ist es, was Helge Schneider so erfrischend macht — auch nach 30 Jahren Bühnenpräsenz.
Fans der älteren Programme mögen ein wenig enttäuscht sein, dass es kaum längere absurde Erzählungen gibt: Nur eine abstruse Radiorepoportage im Tagebuchstil, die von einer Polarexpedition handelt, knüpft an legendäre Geschichten wie die vom viereckigen Hai an. Auch auf Helges Hits müssen die Fans verzichten: Nur „Fitze Fitze Fatze“ bietet er dar, und in der Zugabe wird der „Meisenmann“ gerade mal angedeutet. Dafür freuen sich Altfans über ein Wiedersehen mit dem langharrigen, bärtigen Schlacks Volker Bertzky, der in seiner Paraderolle als Sergej Gleithmann waghalsige Turnübungen zum Besten gibt.
Der Schwerpunkt des aktuellen Programms liegt jedoch auf der Musik. Helge zeigt wieder sein Können am Piano, am Saxophon oder am Xylophon, die improvisierten Texte bei neuen Songs wie „Be Happy“ oder „I Have The Blues“ sind da eher auf ein Minimum reduziert. Gerade in der zweiten Häfte verwandelt sich das Programm mehr und mehr in ein furioses Jazzkonzert.
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